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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bergbau

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Bergbau (Sicherung gegen schlagende Wetter etc.)

haupt schon wegen des Schnees nicht anwendbar sein, sofern nicht die betreffenden Seilstrecken ganz unterirdisch angelegt werden, wie dies bei den Entwürfen zur Jungfrau- und Matterhornbahn in der That gedacht wird. Der Seilbetrieb ist bei so großen Höhen wegen der erforderlichen Steilheit nicht überall durch Zahnradbetrieb zu ersetzen, da das tote Gewicht der Lokomotive vermieden werden muß. Es sind deshalb für die Jungfraubahn von Trautweiler vier getrennte Seilebenen, darunter eine von über 1000 in Hebung, im Tunnel liegend, vorgeschlagen, wobei die Kraftübertragung zu den Triebmaschinen mittels Preßluft oder Elektrizität gedacht wird. Dem gegenüber beabsichtigt Locher, die ganze Bahn von rund 3200 m Hebung in Gestalt zweier kreisrunder, geschlossener Rohre von 3 m Durchmesser pneumatisch zu betreiben. Das Projekt zur Matterhornbahn mit rund 2900 m Gesamthebung von Zermatt (1600 m) bis in die Nähe (4485 in ü. M.) des 4505 in ü. M. liegenden Gipfels von Heer und Betrix in Viel umfaßt eine Reihe von wechselnden Zahn- und Seilstrecken; den letzten Abschnitt bildet eine im Tunnel gedachte Seilstrecke von 1345 m Hebung. Die beabsichtigte Linie von Zermatt zum Gorner Grat (3136 m) hat eine Gesamthebung von rund 1500 m zu überwinden und soll aus einer Strecke mit gemischtem Betrieb, einer zweiten mit Seilbetrieb und Umsteigen in der Mitte und einer dritten mit reinem Zahnradbetrieb (von Riffelalp bis Gorner Grat) nach System Abt bestehen. Für die beiden letzten Strecken ist elektrische Triebkraft in Aussicht genommen, zu deren Erzeugung reichliche Wasserkräfte zur Verfügung stehen.

Bergbau. Daß die Explosionen der Schlagenden Wetter (s. Bd. 14, S.496), des Schreckens der Bergleute, in Kohlenbergwerken durch die Gegenwart von trocknem Kohlenstaub leichter herbeigeführt und in ihren unheilvollen Wirkungen verstärkt werden, steht nach den Erfahrungen in der Praxis und nach den Ergebnissen umfassender wissenschaftlicher Untersuchungen (namentlich von seiten der preußischen Schlagwetter-Kommission) unzweifelhaft fest. Man hat sich die Wirkung des Staubes dabei so zu denken, daß die Kohlenteilchen durch die Hitze einer Zündflamme einer Destillation unterzogen werden und die Destillationsprodukte das explosible Gasgemisch anreichern. Dieser Destillationsvorgang schreitet mit ungeheurer Schnelligkeit von der Zündstelle aus nach allen Richtungen hin vor. Es war naheliegend, zu versuchen, ob sich die durch den Staub gegebene Gefahr nicht durch Anfeuchten mit Wasser beseitigen ließe, und derartige Versuche haben denn auch ergeben, daß der angefeuchtete Staub viel weniger gefährlich ist. Die Schwierigkeit ist dabei nur die, wirklich allen Staub mit der Brause zu treffen. Das fortwährende Besprengen der Betriebspunkte und -Strecken hat sich als nicht genügend erwiesen, es mußte vielmehr auch das Aufwirbeln des bei den Hereingewinnungsarbeiten (beim Schrämen, Schlitzen und besonders beim Abkohlen, d.h. beim Niederbrechen der unterschrämten Kohlenblöcke) erzeugten oder frei gewordenen trocknen Kohlenstaubes vermieden werden, weil sonst bei der fortschreitenden Arbeit trotz alles Vesprengens der Strecken immer wieder neue Staubmassen frei werden, die sich, durch den Wetterstrom fortgetragen und an schwer oder ganz unzugänglichen Orten abgesetzt, nachher nur mühsam oder gar nicht entfernen lassen. Um diesen Übelständen und der damit verbundenen Gefahr thunlichst zu begegnen, ist man bei dem Betrieb der königlichen Steinkohlengruben Camphausen und Steingräben auf den Gedanken gekommen, den Kohlenstaub schon vor seinem Austritt aus der Kohle, also solange er sich noch im Kohlenstoß befindet, durch Anfeuchtung unschädlich zu machen. Die Kohlenstaubentwickelung ist um so stärker, unter je größerm Gebirgsdruck die Kohle steht. Anderseits aber verringert starker Gebirgsdruck die Festigkeit der Kohle und lockert den Zusammenhang der einzelnen Schichten so weit, daß es möglich ist, die Kohle mit Wasser zu durchtränken und so den Staub an seinem Ursprungsort zu befeuchten, und dies geschah auf den genannten Gruben mittels Bohrlöcher, in welche man Druckwasser hineinleitete. Hierzu wurden die Bohrlöcher mit konischen, längs gebohrten Holzpfropfen verschlossen, durch deren Bohrung ein Wasserrohr eingeführt wurde. Während sich früher beim Hereinbrechen des Kohlenstoßes an den Versuchsstellen dichte Wolken von Staub ablösten, zeigte sich nach der voraufgegangenen Durchtränkung gar kein Staub mehr. Dieser saß, völlig mit Wasser gesättigt, auf den herausgehauenen Kohlenstücken, welche sich selbst überall feucht anfühlten. Die Luft im Arbeitsraum blieb dabei vollständig klar. Das sonst sehr starke Sprühen der Lampe, welches durch die Verbrennung des in der Luft verteilten Kohlenstaubes verursacht wird, war kaum zu bemerken. Die Bergmittel waren durch das Wasser aufgeweicht und ließen sich leichter herausschrämen. Mit der Abförderung der gewonnenen Kohlen zu Tage wurde zugleich der auf ihnen haftende Staub aus der Grube geschafft, also auf die einfachste Weise entfernt. Die Bergleute werden natürlich, wie bei allen Neuerungen, die Mehrarbeit erfordern, so auch an die Ausführung dieses neuen Befeuchtungsverfahrens zuerst nur widerstrebend herangehen, aber mit der Zeit, wenn ihnen erst die Vorteile des Verfahrens für ihre eigne Gesundheit und Sicherheit klar werden, sich daran gewöhnen. Es ist wohl zu erwarten, daß das Verfahren auch auf andern staubreichen Kohlengruben Anwendung finden wird.

Bei den Schachtförderungen der Bergwerke sind durch das Übertreiben der Förderschalen, d. h. durch das Emporwinden der Förderschalen bis gegen die Seilscheiben, wie es bei zu spät vorgenommener Dampfabsperrung und Bremsung an der Fördermaschine vorkommt, häufig Unglücksfälle herbeigeführt worden. Um diese zu vermeiden, wendet man zum Aufhängen der Förderschalen an den Seilen Sicherheitshaken an, welche sich selbstthätig auslösen, sobald die Förderschale bis in die Nähe der Seilscheibe gehoben wird. Damit die nunmehr vom Seil abgelöste Schale nicht in den Schacht hinabstürzt, wird sie von einer an ihr angebrachten besondern Fangvorrichtung oder von der Auslösevorrichtung selbst aufgefangen. Der in England häufig verwendete und sich durch Dauerhaftigkeit und leichte Handhabung auszeichnende Sicherheitshaken von Ormerod (Fig. 1-3) gehört zu denjenigen Einrichtungen, welche zugleich zum Auslösen des Seiles und Auffangen der Förderschale dienen. Er besteht aus drei Platten, von denen die mittlere gegen die beiden äußern um einen Bolzen in gedreht und in schrägen Langlöchern verschoben werden kann. Während des regelmäßigen Betriebes tragen nur die beiden äußern Platten mittels der Hängebügel A und B die Last, und zwar liegt A in einem hakenförmigen, oben offenen Ausschnitt d der Platten, B in dem wagerechten Teil eines rechtwinkelig nach unten umgeknickten geschlossenen Ausschnitts d1^[d<sub>1</sub>]. An B hängt die Förderschale, A ist mit dem Förderseil verbunden. Die Mittelplatte wird durch einen leichten Kupferstift p in der in Fig. 1