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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chinook - Chirurgenkongreß
niedrigen Solde u. dem Ertrag eines kleinen Gemüsegartens. Heutzutage ist er ausschließlich Soldat, ieot ohne Familie, und die Regierung ernährt und kleidet ihn. Sein Aussehen ist ein überaus stattliches und regelrechtes. Die Uniform bildet eine Vereinigung europäischer und mongolischer Kleidungsformen. Die Blouse und holzbesohlten Schuhe, die untertassenartige Kopfbedeckung und das offene, flatternde Untergewand der Offiziere sind nach ausgesprochen chinesischem Muster. Die Zuavenhosen, Gamaschen und Waffenröcke mit Gürtel sind europäisch, ebenso die Seitenwaffe und das Hinterladegewehr. Disziplin, Dienst, Übungen, Manöver, Negimentseinteilung wurde von europäischen, vorzugsweise deutschen Lehrmeistern eingeführt und gründlich eingelernt. - Über die Missionsthätigkeit in C. vgl. Mission.
Chinoot (spr. tschcinuk), ursprünglich ein Süd- oder Südwestwind im westlichen Teile des engl. Nordamerika, gegenwärtig auch jeder warme und trockne, auf der östl. Seite des Felsengebirges heftig auftretende Nord- oder Südwestwind. Der C. weht oft sturmartig und ist äußerst trocken und warm. Er ist nicht an eine bestimmte Tageszeit gebunden, seine Dauer schwankt zwischen mehreren Stunden und mehreren Tagen. Seine Entstehung ist öfters mit der des Föhns verglichen, doch scheint das wenigstens nicht immer zutreffend, weil der C. sich auch auf Ebenen geltend macht, die von jeder Bergkette weit entfernt sind, und weil fast stets ein Gebiet niedrigen Luftdrucks gegen N. hin vorhanden ist.
Chios. Der Wert der Einfuhr belief sich 1890 auf 6,9 Mill. Mk. gegen 8,9 Mill. Mk. im 1.1889. Hauptartikel waren frische und gesalzene Häute (4,-j Mill.
Mk.), dann Bauholz, Neis, Alkohol, Zucker :c. Ausgeführt wurde für 7,2 Mill. Mk., gegen 6,9 Mill. Mk. nn I. 1889, und zwar hauptsächlich Leder (5,i Mill.
Mk.), dann Branntwein, Mastix, Mandeln, Anis :c.
Chirurgentongrcß. Der 20. Kongreß der deutschen Gesellschaft für Chirurgie tagte 1.-4. April 1891 in Berlin. In der ersten Sitzung, welche der Bespre chungderK ochschen Entdeckung gewidmet war, bemerkte Thiersch (Leipzig) als Vorsitzender vorweg, daß die Entdeckung Kochs eine der größten sei, die je gemacht worden, daß sie ganz neue Bahnen eröffne, und daß sie, wenn sie auch nicht direkt zu dem erhofften Ziel führe, doch auf der eröffneten Bahn ein Ziel als auf Umwegen erreichbar zeigt, das jetzt nur erst in verschleierten Umrissen erkennbar sei. In dem einleitenden Referat sagte v. Bergmann (Berlin), die Thatsache, welche als etwas ganz Neues und Unerhörtes im November vorigen Jahres die ärztliche Welt in Staunen versetzte, war die Entdeckung eines Mittels, welches, an einer Körperstelle appliziert, an einer entfernten Stelle eine Entzündung hervorruft, die sich auf ganz bestimmte, nämlich die tuberkulösen Krankheitsherde beschränkt. Das Kochsche Mittel führt zu einer örtlichen und zu einer Allgemeinreaktion.
Letztere teilt es mit einer Reihe andrer Substanzen, die örtliche Wirkung an einer der Applikationsstelle entfernten Stelle kommt dem Kochschen Mittel allein zu, und nach allen Erfahrungen des Vortragenden ist diese örtliche Reaktion thatsächlich auf die Stellen, welche tuberkulös erkrankt sind, beschränkt. Die allgemeine Reaktion kommt auch bei andern Krankheiten vor, sogar bei solchen, welche notorisch mit tuberkulösen Prozessen verwechselt werden können, z. V. bei Aktinomykose und bei Fällen mit großen erweichten Sarkomen, nicht bei solchen festern Gefüges. In derartigen Fällen ließe sich allerdings an nehmen, daß die betreffenden Kranken zugleich an tuberkulösen Affektionen litten, und es wäre deshalb die Sektion, die ja bei der Natur jener Leiden gewöhnlich bald möglich wird, erforderlich, um Aufklärung zu schaffen. Die angeblichen ungünstigen Wirkungen des Mittels, die sich bei der chirurgischen Tuberkulose durch Auftreten von Miliartuberkulose oder durch Weiterausbreitung der lokalen Erkrankung geltend machen sollen, sind mit großer Vorsicht zu beurteilen. Bekanntlich tritt zuweilen nach umfassendern chirurgischen Operationen bei solchen, die an lokaler Tuberkulose leiden, allgemeine Tuberkulose auf. Vielleicht hat man die Wirkung des Kochschen Mittels in dieser Hinsicht mit derjenigen einer Operation zu vergleichen, um die Fälle zu erklären, in denen nach Anwendung des Tuberkulins Miliartuberkulose eintrat. Jedenfalls ist, bevor man den Ausbruch der allgemeinen Tuberkulose dem Kochschen Verfahren zuschreiben darf, festzustellen, daß die schwere Erkrankung sich unmittelbar an die Injeltionsbehandlung anschließt, daß das Fieber nicht wieder abfällt, wenn es in typischer Weise nach der Injektion des Mittels angestiegen ist, und daß die klinische Beobachtung sich mit dem anatomischen Befund im Einklang befindet, daß das Vorhandensein eines einzelnen Krankheitsherdes festgestellt wird, von dem aus sich die Bacillen verbreitet haben. Man mühle ferner feststellen, daß die Verbreitung frisch ist, und das hat offenbar Schwierigkeiten. Redner hebt hervor, daß diese Forderungen nach seinen Erfahrungen in keinem einzigen Falle als erfüllt anzusehen gewesen sind. Ebensowenig hat er beobachtet, daß nach den ersten Injektionen eine Verbreitung der Krankheit eintritt. Dagegen wurde nach wochen-, ja monatelang fortgesetzter Behandlung das Auftretenneuer, bisher nichtbemerkter tuberkulöser Affektionen mehrfach beobachtet. Die Behandlung mit dem Mittel schützt also weder vor dem Auftreten neuer Tuberkulosen während derselben, noch vor einem im Verlauf derselben sich entwickelnden Rückfall. Man kann annehmen, daß an den Stellen, an welchen neue tuberkulöse Knoten und Geschwüre auftreten, schlummernde Knoten vorhanden gewesen sind und nun in die Erscheinung treten. Diese Erklärung hat aber ihr Mißliches, wenn der neue Ausbruch so spät erfolgt. Mißlicher noch ist, daß solche neu auftretende Knoten und Geschwüre der Kochschen Behandlung widerstehen, während man doch meinen sollte, daß gerade sie ihr erliegen müßten, weil das Tuberkulin bei frühen Stadien der Tuberkulose am wirksamsten sein soll. Für die Beurteilung der günstigen Wirkung des Kochschen Mittels auf tuberkulöse Herde ist allein die Übereinstimmung der klinischen Beobachtung mit den anatomischen Thatsachen beweiskräftig. Nun haben die histologischen Untersuchungen, die v. Bergmann durch Schimmelbusch anstellen ließ, zu Ergebnissen geführt, die mit der von Koch aufgestellten Hypothese von der nekrotisierenden Wirkung des Mittels im Widerspruch stehen. In keinem der behandelten Lupusfälle konnte mikroskopisch vollständiges Verschwinden der Tuberkeln konstatiert werden. Hautstückchen aus den früher lupösen Herden bei Patienten, die lange mit dem Mittel behandelt waren, auf Meerschweinchen verimpft, gaben ausnahmslos positive Resultate So stehen sich gegenüber: regelmäßige anfängliche Besserung und regelmäßiger späterer Rückfall. Aber auch sehr lange fortgesetzte Behandlungen führten niemals zu völliger Heilung, weder bei Lupus noch bei andern lokalen Tuberkulosen. Trotzdem glaubt Redner, daß es ganz verkehrt sein würde.