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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ferrel; Fetischismus; Feuerschiffe; Feuerung

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Ferrel - Feuerung

Gold in Chlornatriumlösung, wenn man das Platin mit Chlor in Berührung bringt. Ostwald nennt diese Erscheinungen chemische F., weil sie sich überall so darstellen, als übe das spezifische Auflösungsmittel der Metalle, wenn es beim Platin appliziert wird, seine Wirkung in die Ferne auf das fragliche Metall aus. Zur Erklärung dieser Vorgänge müssen offenbar die hierbei sich abspielenden elektrolytischen Vorgänge in Betracht gezogen werden. Schaltet man nämlich Zwischen das Metall und das Platin ein Galvanoskop von mäßiger Empfindlichkeit ein, so erhält man bei unwirksamen Verbindungen nur einen kurzen Strom, der alsbald auf sehr geringe Beträge absinkt, während nach Zusatz des wirksamen Stoffes zum Platin ein heftiger Ausschlag sich zeigt, der ausbleibt, wenn man den wirksamen Stoff mit dem zu lösenden Metall in Berührung bringt. Nach der Theorie der freien Ionen (s. Lösungen, Bd. 17) hat man sich die Vorgänge folgendermaßen vorzustellen: Es stehe ein Metall wie Zink mit der Lösung eines Elektrolyts, etwa Kaliumsulfat, in Berührung. Das Zink vermag nur in der Gestalt in Lösung zu gehen, daß seine Atome als Ionen mit der entsprechenden elektrischen Ladung sich vom Metall loslösen, und da man durch Entziehung positiver Elektrizität aus den Ionen der Metalle diese in ihren gewöhnlichen Eigenschaften wieder erhält, so muß der Übergang eines Metalles in den Ionenzustand auf der Aufnahme positiver Elektrizität beruhen. Durch den Austritt positiver Ionen wird das ursprünglich neutrale Zink negativ geladen und die Lösung positiv. Dies dauert, bis eine gewisse Potenzialdifferenz zwischen Metall und Lösung sich hergestellt hat; dann zieht das negative Metall so viel positive Ionen an, als durch die Lösungsspannung des Zinks in diese übergehen; es tritt Gleichgewicht ein, eine weitere Lösung erfolgt nicht. Die hierzu erforderlichen Metallmengen sind aber so gering, daß sie sich dem analytischen Nachweis entziehen. Verbindet man jetzt mit dem Zink ein andres Metall, z. B. Platin, so nimmt dieses dieselbe negative Ladung an wie das Zink, es zieht die positiven Ionen aus der Lösung an, und so wird das Gleichgewicht am Zink wieder aufgehoben, seine Lösungsspannung kommt zur Geltung. Das Zink wird sich immer weiter lösen, solange die positiven Ionen der Lösung von dem gleichfalls negativen Platin angezogen werden. Von der Natur des positiven Ions und von der des Metalles wird es abhängen, ob das letztere die ihm hier zugeschriebene Wirkung äußern kann, ob das Ion seine Elektrizität an das Metall abgeben kann. Ist das Ion das Kalium des Kaliumsulfats, welches die Elektrizität sehr fest hält, so wird kein Übergang der Elektrizität stattfinden.

Ersetzt man aber das Kaliumsulfat am Platindraht durch Schwefelsäure, so ist die vorhandene Potenzialdifferenz ausreichend, um die Wasserstoff-Ionen der Säure zu zwingen, ihre elektrischen Ladungen abzugeben, worauf diese in der Gestalt von gewöhnlichem Wasserstoff entweichen. Durch die Vereinigung ihrer positiven Elektrizität mit der negativen des Platins wird dieses und somit auch das Zink entladen, und es vermag infolge seines verminderten negativen Potenzials neue positive Ionen zu entsenden, sich aufzulösen, und der Vorgang setzt sich fort, solange noch metallisches Zink oder Wasserstoff-Ionen zur Verfügung stehen. Zu gunsten dieser Auffassung der Erscheinungen spricht der Umstand, daß Ostwald die beschriebenen chemischen Reaktionen a priori abgeleitet und erst nachträglich durch das Experiment in allen Einzelheiten bestätigt hat.

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Ferrel, William, amerikan. Meteorolog, geb. 1817 auf einer Farm in Virginia, war zuerst Lehrer in Tennessee, trat 1857 in die Redaktion des »Nautical Almanac« ein, wurde 1867 in die Küstenvermessungsbehörds zu Washington und 1882 zum Professor am Signalamt berufen. Bei seiner Lösung meteorologischer Aufgaben verband er Physik und Mechanik mit streng mathematischer Behandlungsweise. Von großem Werte sind seine Forschungen über den allgemeinen Kreislauf der Luft um die Erde, seine Theorie der Wirbelstürme und Tornados, seine richtige Schätzung der ablenkenden Kraft, vermöge deren über der Erde sich bewegende Körper infolge der Drehung der Erde die Neigung haben, von geradlinigen Bahnen abzuweichen, und welche Bedeutung diese Kraft für die Meteorologie hat, seine Untersuchungen über Flut und Ebbe u. a. m. Er hat einen Apparat erfunden, der den Eintritt der Gezeit vorher angibt, die Arbeit von 30-40 Mann spart und jetzt in Washington in täglichem Gebrauch ist. Seine Arbeiten sind meist in Fachzeitschriften erschienen, erst 1889 veröffentlichte er »Popular treatise on the winds« (New Jork). F. war Mitglied der amerikanischen Natinal Academy of Sciences und Ehrenmitglied der deutschen, österreichischen und englischen meteorologischen Gesellschaften. Er starb 18. Sept. 1891 in Maywood (Kansas).

Fetischismus, s. Sexualpsychologie.

Feuerschiffe, s. Seezeichen.

Feuerung. Um bei Feuerungen, besonders von Dampfkesseln, ohne von der Geschicklichkeit und Aufmerksamkeit des Heizers unabhängig zu sein, eine regelmäßige und gleichmäßige Beschickung der Roste zu erzielen, hat man schon seit längerer Zeit mechanische Feuerungsapparate (mechanische Heizer) konstruiert und einzuführen versucht, doch waren dieselben bisher entweder unvollkommen konstruiert, so daß sie ihre Aufgabe, den Rost mit einer gleichmäßigen Schicht Brennmaterial zu bedecken, nicht zu stände brachten, oder sie waren im Bau sehr kompliziert und bedurften deshalb häufiger Reparaturen. Deshalb haben die mechanischen Heizer bis jetzt, wenigstens in Deutschland, wenig Anklang gefunden, und sind meist nach kurzem Versuch wieder abgeworfen worden. Neuerdings wird nun von der Sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz ein mechanischer Feuerungsapparat nach Leuchs Patent (D. R.-P. Nr. 52,490) gebaut, der sich durch seine einfache Konstruktion auszeichnet, anscheinend auch gut arbeitet und deshalb vielleicht weitere Verbreitung finden mag. Die Figur S. 295 zeigt den vordern Teil eines mit dem mechanischen Feuerungsapparat, Patent Leach, ausgerüsteten Flammrohrkessels im Längsschnitt. Der ganze Apparat ist an der Platten montiert. Der Trichter d dient zur Aufnahme der Kohle und kann unten durch den Schieber e geschlossen werden. Damit sich die Kohle nicht unten im Trichter festsetzt, ist ein hin und her schwingender Rührer d vorgesehen. Aus dem Trichter fällt die Kohle in den kastenförmigen, durch eine Zwischenwand in zwei Fächer geteilten Verteilungsschieber e, der in dem Gehäuse seitlich, d.h. parallel zur Stirnfläche des Kessels, hin und her bewegt wird. Diese Bewegung erfolgt mittels einer Kurbelschleife. Das Gehäuse ist breiter (parallel zur Stirnfläche des Kessels gemessen) als die untere Mündung des Trichters, so daß der Schieber s in beiden Seiten der Trichtermündung um die Breite eines seiner Fächer verschoben werden kann. Der Boden des Gehäuses l ist, so weit er unter der Trichtermündung liegt, geschlossen,