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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Abessinische Kirche

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Abessinische Kirche

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Abessinien'

Dufton, Narrative of a journey through Abyssinia (Lond. 1867); Plowden, Travels in Abyssinia (ebd. 1868); Baker, Die Nilzuflüsse in A. (deutsch von Steger, 2 Bde., Braunschw. 1868); Acton, The Abyssinian expedition and the life and reign of King Theodore (Lond. 1868); Blanc, Narrative of captivity in Abyssinia (ebd. 1868); R. Andree, A., das Alpenland (Lpz. 1869); Flad, Zwölf Jahre in A. oder Geschichte des Königs Theodoros II. und der Mission unter seiner Regierung (Basel 1869); Waldmeier, Erlebnisse in A. (ebd. 1869); Stern, The captive missionary (Lond. 1869); Rassam, Narrative of the British mission to Theodore (2 Bde., ebd. 1869); Markham, A history of the Abyssinian expedition (ebd. 1869); von Seckendorff, Meine Erlebnisse mit dem engl. Expeditionskorps in A. (Potsd. 1869); Rohlfs, Im Auftrage Sr. Maj. des Königs von Preußen mit dem engl. Expeditionskorps in A. (Brem. 1869); Holland und Hozier, Record of the expedition to Abyssinia (2 Bde., Lond. 1870, offizieller Bericht); Blandford, Observations on the geology and zoology of Abyssinia (ebd. 1870); Lejean, Voyage en Abyssinie exécuté de 1862–64 (mit Atlas, Par. 1873); Raffray, Afrique orientale. Abyssinie (ebd. 1876); Mayo, Sport in Abyssinia, or the Mareb and Takazze (Lond. 1876); Mitchell, Report on the seizure by the Abyssinians of the geological and mineralogical reconnaisance-expedition (Kairo 1878); Matteucci, In Abissinia (Mail. 1880); Bigoni, Abissinia (ebd. 1881); Winstanley, A visit to Abyssinia (2 Bde., Lond. 1881); Rohlfs, Meine Mission nach A. (Lpz. 1883); Hartmann, Der Weltteil Afrika in Einzeldarstellungen. I. Abessinien (Prag 1883); Cecchi, Da Zeila alle frontiere del Caffa (3 Bde., Rom 1887; deutsch von Rumbauer: Fünf Jahre in Ostafrika, Lpz. 1888); Paulitschke, Beiträge zur Ethnographie und Anthropologie der Somâl, Galla und Harari (2. Ausg., Lpz. 1888); Levasseur, La superficie et la population de l'Ethiopie (im «Bulletin de l'Institut international de Statistique» Rom 1888); Paulitschke, Harar (Lpz. 1888); Massaja, I miei 35 anni di missione nell' alta Etiopia (Bd. 1–8, Mail. 1886–91); Münzenberger, A. und seine Bedeutung für unsere Zeit (Freib. i.Br. 1892).

Abessinische Kirche, früher Äthiopische Kirche, ein eigentümlicher Zweig der christl. Kirche. Das Christentum faßte in Abessinien zuerst Fuß durch die Thätigkeit des Frumentius (s. d.) und Ädesius. Frumentius wurde etwa 326 n. Chr. von Athanasius, dem Patriarchen von Alexandrien, zum ersten Bischof von Axum geweiht und führte den einheimischen Titel Abba Salâma («Vater des Friedens»), der neben dem später aufgenommenen Titel Abuna («Unser Vater») immer noch in Gebrauch ist. Größere Fortschritte machte das Christentum erst im 5. Jahrh. durch die aus Ägypten eingewanderten Mönche, die zugleich das ganze Mönchswesen mitbrachten. In den auf dem Konzil zu Chalcedon 451 erledigten Streitigkeiten über die Person Jesu schlossen sich die abessin. Christen, wie die Hauptmasse der ägyptischen, dem monophysitischen Bekenntnis an und blieben fortan dem monophysitischen Patriarchen von Alexandria unterthan. Es wurde strenges Kirchengesetz, daß nur dieser den Vorsteher der A. K. weihen durfte, wie auch die wichtigern dogmatischen und kirchenpolit. Schriften ägypt.-monophysitischen Ursprungs sind. Gegen Ende des 5. Jahrh. scheinen auch die Könige zum ↔ Christentum übergetreten zu sein, und im 6. Jahrh. war das Reich in der Hauptsache christlich. Damals, wenn nicht schon früher, entstand die sog. Äthiopische Bibelübersetzung und wurde auch der Kultus einigermaßen organisiert. Aber noch lange finden sich nicht nur zahlreiche Juden, sondern auch heidn. Stämme im Lande, und erst im 15. Jahrh. wurde das Heidentum völlig ausgerottet.

Im Mittelalter war die abessin.-äthiop. Kirche die Trägerin der Kultur und litterar. Thätigkeit, wie dies sowohl Übersetzungen christl. Schriften als auch eigene Produktion von Gebet- und Hymnenbüchern bezeugen. Aber das immer tiefere Sinken der kopt. Mutterkirche, der polit. Verfall des Reichs vom 16. Jahrh. an (s. Äthiopien), die in den Kriegen zunehmende Verwilderung des Volks, das Absterben der Geezsprache (in der alle heiligen und kirchlichen Schriften abgefaßt sind, s. Äthiopische Sprache), das Eindringen der moslem. und heidn. Völker brachten der A. K. den Untergang. Die Zähigkeit seines monophysitischen Glaubens zwar, die das Volk den Bekehrungsversuchen der Jesuiten im 16. und 17. Jahrh. entgegensetzte, hat sich erhalten, aber der Geist des Christentums und das christl. Leben ist längst daraus geschwunden. Nur die leeren Formen sind geblieben. In grober Unwissenheit und wüstem Aberglauben wetteifern die Christen des Landes jetzt mit den Moslems, und in Sittenlosigkeit übertreffen sie diese vielleicht noch. Im 19. Jahrh. waren evang. und röm.-kath. Missionare hier erfolglos thätig.

Die religiöse Erkenntnisquelle der Abessinier heißt Semanja Abâdu, d. h. Einundachtzig, und enthält außer unsern 65 biblischen Büchern noch die sog. Apokryphen, die Briefe des Clemens Romanus und den Synodus, eine Sammlung von apostolischen, synodalen und kirchenväterlichen Kanones, aber in monophysitischer Bearbeitung. In ihren Gebräuchen haben sie noch viel aus der ältesten christl. Kirche, ja sogar aus dem Alten Testament beibehalten. Die Taufe der Erwachsenen (bekehrter Heiden oder Moslems) wird fast ganz nach urchristl. Ritus vollzogen. Mit der Taufe der Kinder (der Knaben am 40., der Mädchen am 80. Tage nach der Geburt) ist Abendmahl verbunden. Auch die Beschneidung haben sie am 8. Tage nach der Geburt, zugleich mit der Namengebung. Das Abendmahl wird unter beiderlei Gestalt mit gesäuertem, am Gründonnerstag mit ungesäuertem Brot empfangen. Der Gottesdienst am Sonntag besteht aus Gebet, Psalmenvortrag und Lektionen ans der Bibel in der altkirchlichen, jetzt nicht mehr gebräuchlichen Sprache. Gepredigt wird nicht. Außer dem Sonntag wird auch noch der Sabbat gefeiert und außer den altkirchlichen Festen noch eine Reihe von Gedächtnistagen, so daß das abessin. Kirchenjahr im ganzen 180 Festtage zählt. Die Fasten sind sehr streng und häufig, etwa 200 Fasttage im Jahr, und gelten als ein Hauptstück des Christentums. Endlich ist auch das System kirchlicher Pönitenzen sehr ausgebildet.

Die kirchliche Einsegnung der Ehe ist nicht notwendig. Monogamie gilt zwar als Regel, aber vor dem Gesetz ist die Polygamie geduldet und auch die Scheidung durch den bürgerlichen Richter sehr leicht zu erlangen. Kirchen haben die Abessinier sehr viele; sie sind kreisrund, meist aus Flechtwerk und Lehm gemacht. Man beobachtet auch noch gewisse alttestamentliche Reinigungsgesetze und enthält sich einiger im Alten Testament oder Apostelg. 15,29, 16,4 verbotenen Speisen. Die Bekreuzung ist herrschende

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 40.