Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

69

Absinken - Absolution

lung gegen diese A. protestiert (protestatio facto contraria, s. Protestation). Man kann nicht straflos ohrfeigen mit der Erklärung, man beabsichtige nicht zu beleidigen. Auch beim Rechtserwerb spielt die A. eine sehr große Rolle. Durch Ersitzung werden Rechte erworben, wenn diese Rechte thatsächlich die Verjährungszeit hindurch ausgeübt sind, wenn also z. B. der Grundeigentümer damit, daß er durch ein Haus hindurchging, die A. verknüpfte, eine Wegegerechtigkeit auszuüben; wenn die Einwohner eines Dorfes bei ihrem Fischfang die A. hatten, ein Fischereirecht auszuüben. Eine Zahlung kann geleistet sein mit der A., eine Schuld zu tilgen (animo solvendi), zu schenken (animo donandi) oder ein Darlehn zu geben (animo credendi).

Absinken, soviel wie Abteufen (s. d.).

Absinth (Absĭnthium),in der Botanik eine Unterabteilung der Gattung Artemisia (s. d.), in der ärztlichen und Volkssprache eine Art derselben, der gemeine Wermut (Artemisia Absinthium L., Absinthium officinale Nees; s. Tafel: Aggregaten II, Fig. 2). Dieses an Hecken, Wegen, Flußufern und auf steinigen Bergen von Nordafrika, Europa und Nordasien vorkommende, auch häufig angebaute Kraut besitzt einen aufrechten, 60-120 cm hohen rispigen Stengel, graue fiederspaltige Blätter und fast kugelige, nickende, gelbe Blüten, und hat einen stark aromatischen Geruch und einen brennend gewürzhaften, äußerst bittern Geschmack, namentlich die als Herba Absinthii offizinellen Blätter und die unter dem Namen Summitates Absinthii bekannten blütentragenden Ästchen, die ätherisches Öl, Bitterstoff, Bernsteinsäure und Gerbsäure enthalten. Der Bitterstoff (Absinthin, Wermutbitter) und das ätherische Öl sind sehr heilkräftig, weshalb der Wermut als magenstärkendes und wurmwidriges Mittel in der Medizin in verschiedenen Formen (Öl, Extrakt, Tinktur u. s. w.) gebraucht, auch zu verschiedenen zusammengesetzten Arzneien verwendet wird. Bekannt ist ferner die Verwendung der Pflanze zu dem unter dem Namen Extrait d'absinthe verkauften Liqueur (unter Zusatz von Anis), wozu aber auch noch andere alpine Arten der Gattung Artemisium, z. B. Artemisia Mutellina (s. Tafel: Alpenpflanzen, Fig. 1), glacialis, rupestris, spicata, die von den Bewohnern der piemont. und südschweiz. Alpen Genippi (Genepi) genannt werden und als Herba Genippi albi offizinell sind, verwendet werden. Der Liqueur selbst wird, meist mit Wasser vermischt, besonders in Frankreich zur Belebung des Appetits genossen, kann aber bei übermäßigem Genuß leicht Anlaß zu schweren Nervenstörungen geben. Ähnliche Verwendung wie der gemeine Wermut findet der römische (Artemisia pontica L.), ein 30-45 cm hoher Halbstrauch, der ebenfalls in Südeuropa, aber auch hier und da in Süd- und Mitteldeutschland wild wächst und oft angebaut wird.

Absinthöl, ein flüssiger Bestandteil des Wermutöls (von Artemisia Absinthium) von der Zusammensetzung C10H16O ^[C<sub>10</sub>H<sub>16</sub>O] und dem Siedepunkt 195°, den man zu den Kampferarten rechnet.

Absis, m der kirchlichen Architektur, s. Apsis.

Absit omen (lat.), d. h. möge keine schlimme Vorbedeutung darin liegen (s. Omen).

Absolut (lat., eigentlich abgelöst) bedeutet, im Gegensatz zu Relativ (s. d.), soviel als an und für sich ohne Rücksicht auf anderes betrachtet, schlechthin, ohne Einschränkung, ohne Beimischung. So unterscheidet man in der Physik absolutes und specifisches Gewicht, während in der Chemie absolut soviel wie rein bedeutet (z. B. absoluter Alkohol). In der Politik heißt absolute Monarchie die nicht parlamentarisch beschränkte Alleinherrschaft eines Einzelnen (s. Absolutismus). Über absolute Mehrheit s. Abstimmung. In der Philosophie heißt absolutes Sein oder einfach das "Absolute" ein solches, das durch nichts anderes verursacht oder bedingt ist. Dieser Begriff stammt eigentlich aus der eleatischen Philosophie, ging von da in die platonische und neuplatonische über und spielt in der neuern Philosophie namentlich bei den Nachfolgern Kants eine große, oft sehr an den Neuplatonismus erinnernde Rolle. Da das Absolute von aller Veränderlichkeit und Relativität ausgenommen sein soll, so ist es für alle Erfahrungserkenntnis unerreichbar, transcendent. Gedacht werden kann es nur als äußerste Grenze, der die Erfahrungserkenntnis zustrebt, ohne sie jemals zu erreichen; in solchem Sinne wird es auch von der kritischen Philosophie anerkannt, weil unsere Erkenntnis bei dem grenzenlosen Fortgang von Bedingung zu Bedingung sich in der That nicht befriedigt findet und somit naturgemäß zu der Forderung eines endgültigen Abschlusses gedrängt wird, ohne doch dieser Forderung genügen zu können. Auch die Naturwissenschaft kennt dieses Absolute unter dem Namen des ewigen Naturgesetzes. (S. auch Bedingung, Transcendent, Ding.)

Absolute Feuchtigkeit, s. Feuchtigkeit.

Absolute Musik, s. Musik.

Absolute Rechte, s. Actio.

Absoluter Nullpunkt, s. Absolute Temperatur.

Absolutes Maßsystem, s. Maß und Gewicht.

Absolute Temperatur. Bezeichnet p0 ^[p<sub>0</sub>] den Druck eines Gases bei 0° C., p jenen derselben Gasmasse in demselben Volumen bei einer andern Temperatur t, so ist nach dem Gay-Lussacschen Gesetz (s. d.) p = p0(1+αt) wobei α = 1/273 den Spannungskoefficienten bedeutet, indem für jeden Grad Celsius die Expansivkraft um p0/273 wächst. Sinkt die Temperatur unter 0° C., so nimmt für jeden Grad Celsius die Expansivkraft um p0/273 ab und würde daher, falls das Gas sich unbegrenzt nach dem Gay-Lussacschen Gesetz verhielte, bei -273° C. vollständig verschwinden. Diese Temperatur nennt man den absoluten Nullpunkt, bei welchem die sonst in fortschreitender Bewegung befindlichen Gasmoleküle in Ruhe sind, und die von hier aus gezählte Temperatur die absolute Temperatur. Man bezeichnet die in absoluter Temperatur gemessenen Grade mit T, so daß T = 273 + t ist.

Absolution (lat.), in der Rechtssprache Lossprechung durch das Urteil des Richters (Absolutoria [sententia], Absolutorium [decretum]), wonach der Beklagte in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten von dem wider ihn erhobenen Anspruche entbunden, im Strafverfahren von der Anklage freigesprochen wird (absolutio ab instantia, s. Freisprechung und Inquisitionsprozeß).

In der Kirchensprache heißt A. die kirchliche Lossprechung, nach dem ältern Ausdruck Rekonziliation (lat. reconcillatio, d. h. Wiederaufnahme) des reuigen Sünders in die Kirchengemeinschaft. Es handelte sich hierbei ursprünglich nicht um