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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ackerbausystem - Ackerkulte

zwei oder drei Jahre; erstere Zeit meistens an theoretischen Schulen, welche sich nur mit der Lehre beschäftigen und die praktische Unterweisung entweder ganz beiseite lassen oder doch nur in beschränktem Maße erteilen; letztere Zeit an praktischen Schulen, welche den Zögling neben dem theoretischen Unterrichte auch in praktischer Hinsicht vollständig ausbilden. Auf der zweiten Kategorie von A. sind meistens die Kosten des Besuchs geringer, da die Schüler einen Teil, im letzten Jahre oft das Ganze ihres Unterhaltes durch eigene Arbeit verdienen. Hierher gehören auch die Landwirtschaftlichen Winterschulen, welche nur im Winter existieren und deren Direktor im Sommer meistens als landwirtschaftlicher Wanderlehrer fungiert. - Das Verdienst der Gründung der ersten A. (1804) gebührt Fellenberg in Hofwyl. Seine Musterschule, welche unter Wehrlis Leitung über 30 Jahre blühte und fast 3000 Zöglinge bildete, rief zuerst in Württemberg Nachahmung hervor. Zugleich mit der Akademie entstand (1818) in Hohenheim eine A. für Bauern, die so große Erfolge hatte, daß die Regierung sich veranlaßt sah, noch zwei andere zu gründen, die allen übrigen zum Vorbilde dienten. In Deutschland bestehen jetzt in fast allen Ländern oder Provinzen A., im ganzen (von den Winterschulen abgesehen) 43; Italien besitzt 11, Schweden 27, Norwegen in jedem Amt eine, Österreich 14, Böhmen 5, Ungarn 6; in Frankreich bestehen 48 niedere A. (fermes écoles) nur für Unterweisung in der Praxis, außerdem sog. Regionalschulen (früher écoles impériales d'agriculture) für theoretisch-praktischen Unterricht; in Rußland finden sich nur wenige eigentliche A., dagegen zahlreiche sog. Knechtsschulen, verbunden mit einer Lehrfarm zur Ausbildung von ländlichen Vorarbeitern.

Vgl. Hosäus, Die Ausbildung junger Landwirte u. s. w. mit besonderer Berücksichtigung der bäuerlichen Verhältnisse (Jena 1868); Schröder, Die theoretischen Ackerbauschulen u. s. w. (Rienb. 1869); F. C. Schulz, Die theoretisch-praktische A. (Jena 1869); Weidenhammer, Die Landwirtschaftslehre und der Unterricht (Braunschw. 1869); ders., Die Organisation der landwirtschaftlichen Schulen (Helmst. 1870); F. C. Schulz, Welche Schule hat der Landwirt zu seiner allgemeinen Vorbildung zu besuchen? (2. Aufl., Brieg 1879); Linde, Der landwirtschaftliche Volksunterricht (Berl. 1879); Schacht, Die Ausbildung des Landwirts in Lehre und Studium (Kiel 1884); Rieger, Die Aufgaben und die Bedeutung der landwirtschaftlichen Winterschule als Fachschule (Bresl. 1885).

Ackerbausystem, s. Betriebssystem.

Ackerbeete, die Abteilungen, in welche der Pflug mit feststehendem Streichbrett den Acker zerlegt. Jedes Beet ist von dem andern durch eine Furche (Ausstreichfurche) getrennt, welche zum Abführen der übermäßigen Feuchtigkeit dient. Man unterscheidet breite A., welche aus 10 bis 20 und mehr Furchen bestehen können, und schmale A. mit nur 4 Furchen und stark gewölbt (Bifänge). Letztere sind nur anzuwenden bei nassem undrainiertem Boden mit seichter Ackerkrume.

Ackerdistel, s. Cirsium.

Ackerdoppen, orientalische Knoppern, Wallonen, sind die becherförmigen, verwachsenen Deckblättchen der Früchte einiger Eichengattungen, namentlich der Ziegenbarteiche, Quercus aegilops L., welche auf den griech. Inseln und in der Levante wild wächst. Die Früchte dieser Eichen bleiben nach dem Sammeln einige Zeit in Haufen aufgeschichtet, worauf sich Gärung einstellt, trocknen dann aus, worauf die mit dicken, abstehenden Schuppen besetzten Kelche sich leicht von den Früchten trennen lassen. Letztere werden namentlich von orient. Häfen aus in den Handel gebracht und wegen ihres hohen Gehalts an Gerbstoff sowohl in der Gerberei wie in der Färberei gebraucht.

Ackerfontanelle, Anlage zur Entwässerung von Vertiefungen im Acker, aus denen durch offene Gräben oder Drainierung (s. d.) die Feuchtigkeit nicht zu entfernen ist. Um eine A. anzulegen, treibt man einen Brunnenschacht durch die Ackerkrume und die darunter befindliche undurchlässige Bodenschicht bis zum Wasser durchlassenden Untergrund. Der Schacht wird alsdann mit Reisig oder besser mit Steinen aufgefüllt und mit 0,5 m Ackerkrume überdeckt. Bei kleinern Vertiefungen genügt auch manchmal eine Durchbohrung der undurchlässigen Untergrundschicht mit dem Erdbohrer.

Ackergare, ein krümliger Zustand des Bodens, der durch mechan. Bearbeitung desselben mit Geräten und Instrumenten hergestellt wird. Auch durch Beschattung des Bodens mit grünen Gewächsen, z.B. Klee, Lupinen, läsit sich die A. hervorrufen. Der gare Acker ist dunkler, die Schollen zerfallen, der Boden wird elastisch und die Ackerkrume dehnt sich aus. Der ganze Acker überzieht sich bei längerm Liegen mit einer moosartigen grünen Masse. Die A. ist der erwünschte Zustand des Bodens zur Einbringung der Saat. - Vgl. von Laer, Die A., die Brache und der Ersatz der Pflanzennährstoffe (5. Aufl., Lpz. 1882).

Ackergeräte, s. Landwirtschaftliche Geräte und Maschinen.

Ackergesetze, s. Agrargesetzgebung.

Ackerkamille, s. Anthemis.

Ackerkrume, die oberste Kulturbodenschicht, soweit sie durch die Ackergeräte, namentlich den Pflug, bearbeitet wird. Sie enthält durch Zersetzung des tierischen Düngers und der Wurzelrückstände der angebauten Gewächse Humus (s. d.), darf aber keineswegs mit diesem verwechselt werden. Sie ist ein Konglomerat feinzerteilter Gesteinstrümmer, vermischt mit Resten tierischer und vegetabilischer Organismen, welches in dieser Gestalt zur Aufnahme und Ernährung der Nutzpflanzen besonders durch seinen Gehalt an löslichen Mineralbestandteilen geeignet ist. Tiefe oder Mächtigkeit einer A. ist eine der wesentlichen Bedingungen, von welchen der Pflanzennahrungsgehalt, also die Qualität (Bonität) oder die Ertragsfähigkeit eines Bodens abhängt; seicht ist eine A. bei 10 cm, mitteltief bei 15 cm, tief bei 25 cm, außergewöhnlich tief bei größerer Mächtigkeit. Außer der Mächtigkeit ist natürlich auch die chem. Zusammensetzung und das physik. Verhalten (Bindigkeit, Lockerheit u. s. w.) der A. von wesentlichem Einfluß auf die Ertragsfähigkeit. - Vgl. Mulder, Chemie der A. (deutsch von Grimm, 2 Bde., Lpz. 1862; von Joh. Müller, Berl. 1861-62).; Senft, Lehrbuch der Gesteins- und Bodenkunde, für Land- und Forstwirte, sowie auch für Geognosten (2. Aufl., Berl. 1877); Lorenz von Liburnau, Die geolog. Verhältnisse von Grund und Boden (ebd. 1883); Dafert, Kleines Lehrbuch der Bodenkunde (Bonn 1885).

Ackerkulte, Feldkulte, Verehrung besonderer, den Ackerbau beschützender, sowie Bekämpfung der diese schädigenden Gottheiten, ein Kultus, der bei