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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ackermann

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Ackermann (Karl Gustav) - Ackermann (Rud.)

allen ackerbautreibenden Völkern geübt wurde und sich bis heute in gewissen Gebräuchen fast allgemein erhalten hat, wie im Fangen des in die letzte Garbe des Feldes geflohenen Kornmannes. Die Ägypter verehrten den Sonnengott Osiris, dessen Leben und Sterben ihnen mit Erwachen, Leben und Vergehen der Vegetation gleichbedeutend war. Bei den Griechen bewirkte Persephone das Wachstum des Getreides, während es Demeter schützte. Die Römer, bei denen die A. am meisten ausgebildet waren, glaubten, daß jede einzelne Wachstumsperiode der Kulturpflanzen von einem besondern Gotte oder Göttin behütet werde, daß es aber auch feindliche Götter, wie die Brandgöttin, Robigo, dann einen Dornengott gäbe, die durch Opfer besänftigt werden müßten. Überbleibsel dieser, sowie deutscher heidn. Sitten sind in den besonders in kath. Gegenden üblichen Bittgängen (s. d.), z. B. zur Beseitigung von Dürre oder Nässe, im Maien-, im Johannisfeste u. s. w. zu finden. Auch der Glaube an bestimmte Geister, die das Leben der Kulturpflanzen in Person darstellen, gehört ins Gebiet der A.; so gab es bei den Peruanern eine Mais- und eine Kartoffelmutter, bei den Germanen eine Roggenmuhme, Geister, deren nützlichem Wirken feindliche Dämonen entgegenwirkten. Zu letztern gehören bei den Germanen der Bilmesschnitter, auch als Teufel bezeichnet, der das Getreide durchwandert und durch kleine, an den Zehen befestigte Sicheln die besten Halme herausschneidet, dann der Roggenwolf, der bei Wind Wellen ins Getreide schlägt und die Halme knickt sowie das Mutterkorn hervorruft (Wolfszähne), der Tauschlepper u. a. m.; im Norden säte Loki Lolch unter das Getreide u. s. f. - Vgl. Mannhardts Wald- und Feldkulte (2 Bde., Berl. 1875-77); ders., Roggenwolf und Roggenbund (2. Aufl., Danz. 1866); ders., Die Korndämonen (Berl. 1868); ders., Mytholog. Forschungen (Straßb. 1884); Pfannenschmid, German. Erntefeste (Hannov. 1878); Jahn, Die deutschen Opfergebräuche bei Ackerbau und Viehzucht (Bresl. 1884).

Ackermann, Karl Gustav, Parlamentarier, geb. 10. April 1820 zu Elsterberg im sächs. Vogtlande,, studierte in Leipzig Jura, wurde 1847 Ratsaktuar in Dresden, 1849 Rechtsanwalt, 1865 zugleich Syndikus der Sächsischen Bank daselbst. Zur Zeit ist A. in Dresden. Seit 1853 Mitglied des dortigen Stadtverordnetenkollegiums, war er 1854-64 Vicevorsteher, seit 1865 erster Vorsteher desselben. Seit 1869 ist A. mit einer kurzen Unterbrechung Mitglied der sächs. Zweiten Kammer und war auch für den Wahlkreis Dresden-Altstadt-Dippoldswalde bis 1893 Mitglied des Reichstages, dessen 2. Vicepräsident er 1880-83 war und wo er der deutschkonservativen Partei zugehörte. 1891 wurde er zum ersten Präsidenten der sächs. Zweiten Kammer gewählt. Als eifriger Vertreter einer Einschränkung der Gewerbefreibeit und der Rückkehr des Zunftzwanges, vor allem der Ausbildung von Zwangsinnungen und der Einführung des Befähigungsnachweises, hat er in neuester Zeit die deutsche Gewerbegesetzgebung in zünftlerischem Sinne beeinflußt.

Ackermann, Konrad Ernst, Mitbegründer der deutschen Schauspielkunst, geb. 1. Febr. 1712 zu Schwerin, wandte sich, nachdem er unter dem russ. General Münnich gegen die Türken gekämpft batte, der Bühne zu und trat Jan. 1740 in Lüneburg zur Schönemannschen Gesellschaft. Dort lernte er seine spätere Frau kennen. Mit ihr ging er 1746 nach Danzig, dann nach Petersburg und Moskau, wo er sie 1749 heiratete, darauf nach Königsberg. Hier verlor er durch den Bau eines eigenen Theaters (1755) sein Vermögen, indem er es bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges übereilt aufgab. A. führte nun mit seiner Gesellschaft ein Wanderleben, nahm 1764 in Hamburg Kochs (s. d.) Stelle ein und eröffnete 31. Juli 1765 ein neues Theater. Der Aufenthalt A.s in Hamburg bildet einen wichtigen Abschnitt in der Geschichte des deutschen Theaters. Seine Gesellschaft umfaßte die vorzüglichsten Talente, außer seiner Familie und seinem Stiefsohne Schröder, Ekhof, Hensel, Schröter, Bök, Borchers, die Frauen Hensel (Seyler) und Sophie Schulz, und wurde dadurch, wie durch den Umstand, daß Lessing an ihre Leistungen dramaturgische Abhandlungen knüpfte, tonangebend für ganz Deutschland. Doch stand A. nur bis 6. März 1767 an der Spitze des Hamburger Theaters; dann ging es als "Deutsches Nationaltheater" (s. d.) an 12 Hamburger Bürger über. A. verblieb mit den meisten Mitgliedern. Aber das Unternehmen scheiterte bald, und A. ging im März 1769 mit seiner Niedersächsischen Komödiantengesellschaft nach Hannover, wo er Ekhof und mehrere Hauptkräfte verlor, dann nach verschiedenen Orten, bis er 13. Nov. 1771 in Hamburg starb. A. ist Begründer der eigentlich deutschen Schauspielkunst. Seine Darstellungen waren Muster von farbiger Frische und Natürlichkeit. Die Zeitgenossen bewunderten seine bürgerlichen, soldatischen und humoristischen, Moliereschen und Holbergschen Charaktere; ideale Rollen, Liebhaber, Helden der franz. Tragödie gelangen ihm nicht.

Seine Gattin, Sophie Charlotte A., geborene Bierreichel, geb. 10. Mai 1714 in Berlin, war die Witwe des Organisten Schröder daselbst. Sie bewährte sich als bedeutende Schauspielerin und vorzügliche Directrice. Seit 1780 beschäftigte sie sich mit der Ausbildung junger Schauspielerinnen. Sie starb 14. Okt. 1792. Aus ihrer ersten Ehe stammte der berühmte Schauspieler F. L. Schröder (s. d.); aus der zweiten zwei Töchter, die gleichfalls als Schauspielerinnen auftraten, Dorothea, geb. 1752 zu Danzig, war sentimentale Liebhaberin, trat aber bereits 1778 von der Bühne zurück, Charlotte, geb. 23. Aug. 1757, ausgezeichnet durch Liebenswürdigkeit, hohe geistige Bildung und mimisches Talent, starb schon 10. Mai 1775; ihre unglückliche Liebe zu dem dän. Major von Sylburg schildert Otto Müller in dem Romane: "Charlotte A." (Frank. 1854).

Ackermann, Luise Viktorine,geborene Choquet, franz. Schriftstellerin, geb. 30. Nov. 1813 zu Paris, heiratete 1844 zu Berlin, wo sie ihre Sprachstudien fortsetzte, den Theologen und Prinzenerzieher Paul A., einen vertrauten Freund Proudhons, und zog sich nach ihres Gatten Tode (1846) nach Nizza zurück, um einsiedlerisch in einem alten Kloster ihre eigenartige trübe und pessimistische Weltanschauung auszubilden; hier starb sie 2. Aug. 1890. Sie veröffentlichte die Dichtungen "Contes" (1855; vermehrt 1861), meist über ind. Stoffe, "Poésies, premières poésies, poésies philosophiques" (1874) und "Pensées d'une solitaire" (Par. 1883), Lebenserinnerungen mit "Autobiographie". - Vgl. Caro, Mad. A., un poète positiviste, in der "Revue des Deux Mondes", Okt. 1878; d'Haussonville, Mad. A. (Par. 1892).

Ackermann, Rud., deutsch-engl. Industrieller, geb. 20. April 1764 zu Schneeberg, erlernte das