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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Adrittura

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Adrittura

Otranto (s. d.) in Verbindung steht. Seine Länge beträgt 780, seine Breite bis 230, im Mittel 180 km, seine Fläche 131 500 qkm, etwa den zwanzigsten Teil des Mittelländischen Meers. Mit seinem durch die Istrische Halbinsel in die Busen von Venedig einerseits und den Quarnero-Golf andererseits geteilten Nordende ragt es noch 1½° weiter in den Rumpf Europas hinein als der Golf von Genua. In der Küstengestaltung ist ein großer Gegensatz zwischen Ost- und Westseite zu bemerken. Letztere besitzt außer dem erwähnten Golf von Venedig an größern Einbuchtungen nur den durch den Sporn des Monte-Gargano, einer landfest gewordenen Insel, gebildeten Golf von Manfredonia. Sonst ist die Küstenstrecke von Rimini an südlich zwar von niedrigen Höhenzügen, Ausläufern des Apennin, begleitet, aber ganz ungegliedert. Die dort liegenden Hafenplätze, von denen die wichtigsten Barletta und Bari sind, können größere Seeschiffe nicht aufnehmen. Brindisi, das in letzter Zeit mächtig gewachsen ist, hat künstliche Hafenanlagen. Die Nordwestküste von Rimini bis Triest ist ausgezeichnete Flachküste (Lagunenküste). Die Sinkstoffe der Alpengewässer haben sich da, wo sie mit einer die Westküste der Balkanhalbinsel entlang ziehenden, im Norden des A. M. umbiegenden und die Küste Italiens nach Süden weiter verfolgenden Strömung zusammentreffen, in großen Massen abgelagert; die hierdurch gebildeten Inseln (Lidi, s. Lido) werden im Laufe der Zeit mit dem Festlande verbunden, das so immer weiter ins Meer hinein wächst. Natürlich ist dieser Vorgang der Entwicklung dieser Hafenorte sehr ungünstig. Schon viele solcher machten diese Erfahrung, besonders Adria und Ravenna, und auch Venedig geht dem Schicksal der Versandung entgegen; es ist bereits von dem besser gelegenen Triest überflügelt. Von dieser Stadt an zeigt die Küste des A. M. eine ganz andere, durch die große Zahl von Halbinseln und Inseln gekennzeichnete Gestaltung. Schon Istrien bot in Pola den Österreichern einen vortrefflichen Kriegshafen. Aber noch weiter ist die Zerstückelung der Küste vorgeschritten im Quarnero, der auch Golf von Fiume heißt, nach der am Nordende liegenden einzigen Hafenstadt Ungarns. Die westl. Teile der karstartigen kroat.-dalmat. Berge sind durch Senkung des Festlandes in unzahlige Inseln und Halbinseln aufgelöst. Die größten und wichtigsten der erstern liegen im Quarnero (s. d.). Die fingerförmigen, meist engen und gefährlich zu befahrenden, tief einschneidenden Buchten sind unter Wasser getauchte Längsthäler, die gute und sichere Häfen bieten; daher waren diese Gegenden von früher Zeit an der Sitz von Seeräubern. Heute sind die wichtigsten Hafenplätze daselbst Zara, Sebenico, Spalato, Ragusa und Cattaro (s. d.). Die österr. Marine bezieht von hier ihre besten Matrosen. Die südlich folgende alban. Küste ist flach, sumpfig und ungesund, bietet auch keine Häfen; nur Durazzo (das alte Epidaurus) macht eine Ausnahme. Nach der Tiefe zerfällt das A. M. in zwei verschiedene Teile. Während der südliche, wie die andern Teilbecken des Mittelländischen Meers, eine sehr große Tiefe (bis zu 1260 m) besitzt, ist der nördliche, durch den Vorsprung des Monte-Gargano und einen unterseeischen Rücken, als dessen höchster Punkt die Insel Pelagosa über das Meer herausragt, von dem südlichen getrennte Teil so flach, daß er bei geringer Erhebung des Landes trocken gelegt wäre: nur in der Mitte findet sich eine etwa 200 m tiefe Einsenkung. Der Boden besteht vor der Mündung des Po aus Schlamm, sonst aus Sand und Thon mit zahlreichen Muschelresten; die Unterlage des ganzen scheint Marmor zu sein. Die Flut ist nur an der Ostseite des A. M. und da nur wenig bemerklich; in Venedig erreicht sie eine Höhe von 0,3 m, die durch heftige Südostwinde auf 1,7 m gesteigert werden kann. Die Winde des A. M. sind sehr veränderlich. Während der Sommermonate findet man häufig Windstille, durch heftige Gewitter und Nordwinde unterbrochen. Der gefürchtetste Wind ist der Nordostwind, die Bora (s. d.), dann der Südostwind, Sirocco (s. d.); der Südwestwind, Siffanto, ist seltener und von kurzer Dauer, aber oft sehr heftig; er ist besonders gefährlich in der Nähe der Pomündungen, wenn er plötzlich nach Südost umspringt und in heftigen Sturm (furiano) übergebt. Zwischen den Inseln der Ostküste sind diese Winde doppelt gefährlich, da sie in den engen Kanälen in jeder Bucht anders wehen, namentlich sind die Bora im Winter und der heiße Jug im Sommer gefürchtet. Außer dem Po und der Etsch münden nur kürzere Küstenflüsse in das A. M. Wegen dieses geringen Zuflusses an Süßwasser, der durch die bedeutende Verdunstung mehr als ausgeglichen wird, ist der Salzgehalt des A. M. ein sehr großer, größer als z. B. der des Atlantischen Oceans.

Die Fauna des A. M. ist eine sehr reiche. Neben zahlreichen kleinen Delphinen lebt an der dalmat. Küste eine 3-4 m lange Robbe (Leptonix Monachus Wagn.). Seeschildkröten sind seltener als im westl. Mittelmeer. Fischfang wird an allen Küsten betrieben. Hauptfische sind: Thunfisch, Sardellen (dalmat. Küste), Seezungen, Knurrhähne, Brassen, Barben, Goldmakrelen und gewöhnliche Makrelen. Gefürchtet ist der Menschenhai (Carcharodon Rondeletii). Andere Haie und Rochen sind auch häufig. Der Aalfang in der Lagune von Comacchio ist berühmt. Von niedern Tieren sind bemerkenswert: ausgezeichnete Austern, Steckmuscheln, deren Byssus zu Gespinsten benutzt wird, dann die an der dalmat. Küste gefischte Edelkoralle und der Badeschwamm.

Litteratur. Marieni, Portolano del Mare Adriatico (Wien 1845); Constantini, Guido pratico per la navigazione del mare Adriatico (Triest 1864); Le Gras, Manuel de la navigation dans le mer Adriatique (Par. 1855); Wolf und Lutsch, Physik. Untersuchungen im A. und sicil.-ion. Meere (Wien 1881): Schweiger-Lerchenfeld, Die Adria. Land- und Seefahrten im Bereiche des A. M. (ebd. 1882); Stradner, Rund um die Adria. Ein Skizzenbuch (Graz 1893). Küstenkarte des A. M., hg. vom Hydrogr. Amt der k. k. Kriegsmarine (neue Ausg., Pola 1891).

Adrittura, eigentlich: a dirittura (ital.), geradezu, direkt, Ausdruck des Wechselverkehrs. Die Deutsche und Österr. Wechselordnung bestimmen, daß der Rückwechsel (s. d.) "unmittelbar, a dirittura" gestellt sein muß, d. h. er muß von dem Regreßnehmer auf den Regreßpflichtigen und dessen Wohnort (den Zahlungsort) gezogen werden; er darf nicht domiziliert sein, noch weniger darf der Regreßnehmer auf ein Haus an einem andern Platz ziehen und durch dieses wieder auf den Regreßpflichtigen ziehen lassen, weil dadurch die Kosten des Regresses erhöht werden würden. Von Geschäft a dirittura, direktem Wechsel, direktem Papier, spricht man aber im Wechselverkehr, auch abgesehen vom Rückwechsel, überall, wo das Geschäft durch einen Wechsel abgemacht wird, der unmittelbar auf den Platz lautet, wo zu