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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Adua – Adventisten

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Adstringentia'

Kupfer, salpetersaures Silber (Höllenstein), Eisenchlorid u.s.w. anzuführen. (S. Blutstillende Mittel.)

Adua oder Adowa, Hauptstadt der nordabessin. Landschaft Tigre, in 1960 m Höhe, in einer im Osten von hohen vulkanischen Bergen begrenzten, baumlosen, grasbedeckten Ebene, ungefähr 16 km von Axum (s. d.), hat höchstens 3000 E. und ist der Stapelplatz für das nördl. Abessinien mit dem beträchtlichsten Gewerbebetrieb daselbst. Hauptprodukte sind Baumwollstoffe und Cedernholz.

Ädŭer (lat. Aedui und Hedui), Volk im südl. Teile des lugdunensischen Galliens, hatte zwischen den Flüssen Arar und Liger (Saône und Loire) seine Wohnsitze und war durch erstern von den Sequanern, durch letztern von den Biturigern geschieden. Die Ä. waren eins der angesehensten gallischen Völker, und schlossen sich schon im 2. Jahrh. v. Chr. als «Brüder und Bundesgenossen» an die Römer an. Zur Zeit Cäsars waren sie durch die Kämpfe mit den Sequanern sehr geschwächt, allein dieser stellte ihr Ansehen wieder her und schonte sie auch nach ihrer Empörung. Ihre Privilegien blieben ihnen bewahrt, bis sie 69 n. Chr. das röm. Bürgerrecht erhielten. Ihre Hauptstadt war Bibracte.

Adūla-Alpen, s. Ostalpen.

Adŭlar, die klarste aller Varietäten des monoklinen Kalifeldspats oder Orthoklases (s. d.), zuweilen als Schmuckstein verschliffen. Man findet ihn namentlich am St. Gotthard, im Zillerthale, auf Ceylon und bei Rio-Janeiro. Er ist farblos oder nur licht gefärbt, ins Bläuliche, Grünliche oder Rötliche stechend, stark glänzend, manchmal mit staubigem Chlorit bedeckt, zeigt im Innern oft einen eigentümlich milchig-perlmutterartigen Widerschein und irisiert zuweilen. Im Handel heißt er Mondstein (Fisch- oder Wolfsauge, Ceylonischer oder Wasseropal).

Adulation (lat.), Schmeichelei.

Adūle oder Adulis, im Altertum eine Stadt an der äthiop. Küste des Roten Meers, die von den Ptolemäern gegründet, in der röm. Kaiserzeit der Hauptstapelplatz des abessin. Hinterlandes wurde und sich durch lebhaften Handel mit Elfenbein, Rhinoceroshörnern, Häuten von Nilpferden und Nashörnern, Affen und Sklaven auszeichnete. Seine höchste Blüte erreichte A. unter den Königen des Axumitischen Reichs (s. Äthiopien) als dessen Haupthafenplatz. Seit die Moslem die Herrschaft im Roten Meer gewannen, geriet A. vollständig in Verfall. Seine Lage an der Andulisbai (Annesleybai, s. Sulabai) und Baureste der Stadt sind ermittelt beim heutigen Dorf Sula. Aus A. stammt das sog. Monumentum Adulitanum, eine von Cosmas Indicopleustes (s. d.) zuerst veröffentlichte Inschrift, die, für die alte Geschichte und Geographie wichtig, aber in A. nicht mehr vorhanden ist.

Adulisbai, s. Sulabai.

Adullam, eine von dem Stamme Juda besiedelte kanaanit. Königsstadt in Palästina, lag am Fuße des Gebirges von Juda, zwischen Jerusalem und dem heutigen Bet Dschibrin, im obern Teile des Wadi es-Sant unweit Chirbet Schuweke. In der Höhle von A. (1 Sam. 22, 1) weilte David längere Zeit während der Verfolgung durch Saul.

Adullamīten, parlamentarischer Spitzname für die bei den Reformdebatten von 1866 abtrünnigen engl. Liberalen unter Edward Horsman und Robert Lowe, deren Abfall John Bright ein mißvergnügtes Zurückziehen in die polit. Höhle von Adullam nannte. Die A., die 1868 als Fraktion völlig ↔ verschwanden, veranlaßten das Scheitern der Reformbill und den Sturz des Ministeriums Russell-Gladstone.

Adulter (lat.), Ehebrecher; davon adulterieren, ehebrechen, fälschen (z. B. Geld); Adulteration, Verfälschung; Adulterium, Ehebruch.

Adulterīni (lat.), uneheliche, aus einem ehebrecherischen Verhältnis (ursprünglich nur der Ehefrau) hervorgegangene Kinder. Das kanonische Recht hat, indem es den Begriff auf die außerehelichen Kinder eines Ehemannes ausdehnte, die Veranlassung zur Ausbildung eines mildern Gewohnheitsrechts gegeben, welches die A. wenigstens hinsichtlich des Alimentationsrechts und der Möglichkeit einer Legitimation den andern unehelichen Kindern gleichstellt. Die modernen Landesrechte, außer dem Code Napoléon, und der Entwurf zum Deutschen Bürgerl. Gesetzbuch schließen sich dieser Richtung an.

A-dur (ital. la maggiore; frz. la majeur; engl. a major), Durtonart; Tonleiter a, h, cis, d, e, fis, gis, a; Dreiklang a cis e; Dominantenaccord e gis h d. Vorzeichnung 3 Kreuze (für f, c, g), Parallele Fis-moll (s. Ton und Tonarten).

Advaita, wörtlich: Nicht-Dualismus, Monismus, bedeutet in der ind. Philosophie die Lehre von der Einheit des Weltalls. Nach dieser giebt es nichts vom Brahman, d. h. dem ewigen Urgrund alles Seins, Verschiedenes; die Einzelseele ist mit dem Brahman identisch, nicht ein Teil von ihm; die empirische Welt ist nur ein Blendwerk (mâyâ), eine auf dem Nichtwissen (avidyâ) beruhende Täuschung, die als solche durch das Wissen (vidyâ) oder durch die richtige Einsicht (samyagdarçana) erkannt wird. Diese für die Geistesrichtung der Inder hoch bedeutsame Lehre ist in den Upanishaden und dem aus diesen herausgewachsenen Vedantasystem (s. d.) entwickelt. Ihre Vertreter, unter denen der bedeutendste der berühmte Kommentator Çankarâcârya (gegen 600 n. Chr.) ist, und ihre Anhänger heißen Advaitavâdin (Bekenner des Monismus).

Ad valōrem (lat.), nach dem Wert.

Ad valvas curĭae (lat.), an den Rathausthüren (anzuschlagende Bekanntmachung).

Advént oder Adventszeit (vom lat. adventus, Ankunft), in der christl. Kirche die Vorbereitungszeit auf das Fest der Geburt Jesu. Sie dauert in der griech. Kirche 40 Tage, in der römischen und evangelischen 4 Wochen oder einige Tage darüber. Diese beiden haben also vier oder, wenn Weihnachten auf Sonntag fällt, drei Adventssonntage. Das Kirchenjahr (s. d.) beginnt mit der Adventszeit. Die erste Erwähnung einer kirchlichen Feier der Adventszeit findet sich auf der Synode zu Lerida (524). Der Feier des A. liegt der Gedanke zu Grunde, daß die Gemeinde der Gläubigen auf die alljährliche Feier der Geburt Jesu, als auf ein immer wieder erneutes geistiges Kommen des Herrn zu den Seinen, vorbereitet werden soll. Die kath. Kirche verbietet in der Adventzeit öffentliche Vergnügungen, Tanz und Hochzeitsfeierlichkeiten.

Adventisten oder Milleriten, die Anhänger einer vom Baptistenprediger Wilh. Miller in Pittsburgh 1831 gegründeten Sekte, welche die sichtbare Wiederkunft Christi als nahe bevorstehend ansieht und den Anbruch des Tausendjährigen Reichs (s. Chiliasmus) erwartet. Das Ausbleiben des wiederholt angekündigten Ereignisses stört die Gläubigen nicht. Seven Day Adventists (A. des siebenten Tags) oder Sabbatarier (Sabbatisten) nennen sich diejenigen unter ihnen, die den

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 162.