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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Aigle; Aignan; Aigner; Aigrette; Aigrieren; Aigueperse; Aigues Chaudes; Aiguesmortes; Aiguille; Aiguillon

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Aigle - Aignillon (Stadt)

Sohnes. A. erschlug nun seinen Oheim, den Atreus, und setzte sich mit seinem Vater in Besitz des Königreichs von Mykenä, aus welchem sie später durch Agamemnon wieder verdrängt wurden. Während des letztern Abwesenheit vor Troja verführte A. dessen Gattin Klytaimnestra und ermordete dann nach Homer den von Troja zurückkehrenden Gatten, während bei den Tragikern dies Klytaimnestra thut. Sieben Jahre herrschte nun A. über Mykenä, bis im achten Agamemnons Sohn Orestes ihn erschlug.

Aigle (spr. ähgl), deutsch Aelen. 1) Bezirk im schweiz. Kanton Waadt (s. d.), hat (1888) 18 648 E. in 20 Gemeinden. - 2) Flecken und Hauptort des Bezirks A., 8 km nordwestlich von Ber, in 419 m Höhe, links von der Grande-Eau, an der Linie Genf-Lausanne St. Maurice der Jura-Simplonbahn, hat (1888) 3540 E., darunter 349 Katholiken, Post, Telegraph, altes Schloß und bedeutenden Weinbau. Östlich, 120 m über dem Flecken, am Ausgang des Ormontsthals, das als Luft- und Traubenkurort bekannte Kurhaus, nördlich das berühmte Weindorf Yvorne und südlich St. Triphon, dessen aus Burgunderzeiten stammender Turm (tour carrée) aus schwarzem Marmor gebaut ist, wie ihn benachbarte Steinbrüche liefern. Während das alte Kloster A., der Kern des Fleckens, schon um 1140 urkundlich erwähnt wird, wurde dieser selbst erst 1231 von dem Grafen Thomas von Savoyen gegründet und stand bis 1475 unter savoyischer, bis 1798 unter bernischer Herrschaft.

Aigle, Stadt im franz. Depart. Orne, s. Laigle.

Aigle (Ägle, d. i. die Glänzende), in der griech. Mythologie die schönste der Najaden, welche dem Helios die Chariten (s. d.) gebar. - A. heißt auch eine der Heliaden (s. d.).

Aignan oder Saint Aignan (spr. ßängtänjáng), Hauptstadt des Kantons A. (327,08 qkm, 15 Gemeinden, 18 245 E.) im Arrondissement Blois des franz. Depart. Loir-et-Cher, 37 km südlich von Blois, links am Cher und au der Linie Tours-Nevers der Franz. Orléansbahn, hat (1891) 2430, als Gemeinde 3301 E., Post, Telegraph, eine zum Teil aus dem 11. Jahrh. stammende Kirche, ein Schloß, Flußhafen; Tuchfabrikation und früher bedeutenden Handel mit Feuersteinen. Diese wurden nirgends in größerer Menge und vorzüglicher gefunden als in den Gemeinden Meune und Couffy des Kantons A. Die Steinbänke liegen 6-12 m tief und lieferten jährlich 35-40 Mill. Flintensteine.

Aigner, Jos. Matthäus, Bildnismaler, geb. 18. Jan. 1818 zu Wien, kam zuerst zu einem Juwelier in die Lehre und wurde später Schüler des Porträtmalers Friedrich Amerling. Als Befehlshaber der Akademischen Legion 1848 war A. bereits zum Tode verurteilt, wurde aber begnadigt. Er starb 18. Febr. 1886 in seiner Villa zu Pötzleinsdorf bei Wien durch Selbstmord. A. hat fast alle hervorragenden Mitglieder der Wiener Gesellschaft gemalt. Eins seiner interessantesten Werte ist das Porträt von Nikolaus Lenau, im Besitze von L. A. Frankl in Wien.

Aigrette (frz., spr. ägrett), Federbusch. A. oder Reiherbusch nannte man die langen, zarten und weißen Federn, welche Damen als Schmuck aufrecht auf den Kopf steckten, später jeden äbnlichen Kopfputz, so einen bouquetartig gefaßten Kopfschmuck von Edelsteinen, auch für Helme und Pferde.

Aigrieren (frz., spr. äg-), ärgern, erbittern.

Aigueperse (spr. ähgpérs'; lat. Aqua sparsa), Hauptstadt des Kantons A. (148,60 qkm, 12 Gemeinden, 12 016 E.) im Arrondissement Riom des franz. Depart. Puy-de-Dôme in der Auvergne, 17 km im Nordosten von Riom, in sehr fruchtbarer Gegend, in 383 m Höhe an der Linie St. Germain des Fosses-Tarascon der Franz. Mittelmeerbahn, hat (1891) 2225, als Gemeinde 2341 (5., Post, Telegraph, schöne got. Kirche mit Gemälden von Mantegna und Ghirlandajo und in der Umgebung bedeutende Exhalationen von Kohlensäure.

Aigues Chaudes und Aigues-Bonnes, s. Eaux-Chaudes.

Aiguesmortes (spr. ähgmórt; lat. Aquae mortuae), Hauptstadt des Kantons A. (186,85 qkm, 3 Gemeinden, 7148 E.) im Arrondissement Nimes des franz. Depart. Gard, 4 km vom Mittelländischen Meere, an der Linie Aimargues-Nimes der Franz. Mittelmeerbahn, in einer weiten, salzigen Sumpfebene gelegen, ist mit dem Hafen, Fischerdorfe und Seebadeorte Grau-du-Roi durch den Kanal Grande-Robine (6200 m lang, 30 m breit, 3 m tief), einer Fortsetzung des Beaucaire-Kanals, verbunden. Es liegt an der Nordseite des Etang de la Ville, von wo außerdem der nach den Salinen von Peccais (11 km) und dem untern Teile der Rhône-Morte laufende Bourgidou-Kanal und der Kanal De la Radelle ausgeht, der im großen Or- oder Mauguid-Etang endet, hat (1891) 3981 E., Fischerei, auch Salzhandel von Peccais aus und bietet mit seinen von Philipp dem Kühnen angelegten Festungswerken ein vorzüglich erhaltenes Beispiel mittelalterlicher Bauweise dar. Die Mauern bilden ein Parallelogramm (545 m lang, 136 m breit), sind etwa 11 m hoch, tragen, außer den Thortürmen, 15 Türme und sind oben kreneliert. Ludwig der Heilige, dessen Bronzestatue 1849 in A. aufgestellt wurde, schiffte sich hier zweimal (1248 und 1270) zu den Kreuzzügen nach Ägypten und Tunis ein. Ein vom Sande zugeschütteter Kanal führte damals zur Reede, aber nie ging das Meer bis an A. Der Hafen kann Schiffe von 150 bis 200 t aufnehmen. 1537 hatten Franz I. und Karl V. daselbst eine Zusammenkunft. Aus dem dürren Landstriche Peccais gewinnt man jährlich für 1½ Mill. Frs. Salz. - Vgl. Lenthéric, Mémoire sur les conditions nautiques du golfe et du moullage d'Aigues-Mortes (Nimes 1872); Martins, Aigues-Mortes, son passé, son, présent, son avenir. Essai géologique et historique (2. Aufl., Montpellier 1875); De la Pijardière, Annales d'Aigues-Mortes (ebd. 1878); Pagézy, Mémoires sur le port d'Aigues-Mortes (ebd. 1879); Causeries sur Aiguesmortes. Guide du touriste (Nimes 1887).

Aiguille (frz., spr. ägüij, "Nadel"), im franz. Sprachgebiet der Alpen ein steiler, nadelförmig zugespitzter Berggipfel. Der Name bezeichnet eine ähnliche, jedoch noch schärfere und schlankere Gipfelform als das Wort Dent (s. d.) oder Zahn (in den deutschen Alpen: Horn), z. B. im Montblanc-Gebiet die A. du Glacier (3834 m) und de Trelatête (3932 m), die A. du Géant (4010 m), die A. de Triolet (3878 m), die A. d'Argentière (3912 m).

Aiguillon (spr. ägüijóng; lat. Acilio), Stadt im Kanton Port-Ste. Marie, Arrondissement Agen des franz. Depart. Lot-et-Garonne, in der Landschaft Agenois, am Lot bei der Vereinigung mit der Garonne und an der Linie Bordeaux-Cette der Franz. Südbahn, amphitheatralisch einen Hügel hinaufgebaut, hat (1891) 1508, als Gemeinde 3119 E., Post, Telegraph: ansehnlichen Weinhandel, Hanf- und Tabakbau. Bemerkenswert sind die Reste eines alten, festen Schlosses und ein neueres, im ital. Stil erbautes Schloß der Herzöge von A. An der