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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Aiguillon; Aigun; Aigyptos; Aikin; Ailanthis; Ailantholz; Ailette; Ailli; Ailuridae; Aimak

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Aiguillon (franz. Herzogstitel) - Aimak

Kirche befindet sich eine 10 m hohe röm. Mauer mit 4 Arkaden, 2 km von A. entfernt der massige röm. Turm von St. Côme oder die Tourasse, vielleicht ein Grab. A. wurde 1345-46 von Johann dem Guten, Sohn König Philipps VI., 15 Monate belagert und von den Engländern verteidigt. - Vgl. Alis, Historie de la ville d'A. (Agen 1895).

Aiguillon (spr. ägüijóng), franz. Herzogstitel, von Schloß und Stadt A. hergenommen. Kardinal Richelieu kaufte die Besitzung 1638 für seine Nichte Marie Madeleine de Vignerot (gest. 1675), von der sie durch Vererbung auf ihren Urgroßneffen Armand Vignerot-Duplessis-Richelieu, Herzog von A., gelangte. Dieser, geb. 1720, stieg am Hofe und im Heere empor und erhielt schließlich das Gouvernement der Bretagne. In dieser Stellung geriet er seit 1760 durch seine gewissenlose Willkür in so schwere Händel mit dem dortigen Parlament, daß er auf Veranlassung des Ministers Choiseul 1768 abberufen wurde. In drei Jahren hatte er nicht weniger als 130 Lettres de cachet erlassen. Durch die Gunst der Gräfin Dubarry ernannte ihn Ludwig XV. nach dem Sturze Choiseuls (1770) zu dessen Nachfolger. Ihm ward hauptsächlich die Schwäche und Unfähigkeit der franz. auswärtigen Politik zur Last gelegt, die namentlich bei der Teilung Polens hervortrat, wie denn sein Ministerium überhaupt als äußerste Entartung des alten Regime zu bezeichnen ist. Bei der Thronbesteigung Ludwigs XVI. 1774 wurde er entlassen und 1775 sogar vom Hofe verwiesen. Verachtet und vergessen, starb er 1782. - Sein Sohn Armand, Herzog von A., geb. 1750, 1789 Abgeordneter des Adels von Agen in den Generalständen, erklärte sich für den dritten Stand und verzichtete auf alle Vorrechte. Nachdem er kurze Zeit 1792 am Rhein befehligt hatte, mußte er, dem Nationalkonvente mißliebig, fliehen, ging nach London und starb 1800 in Hamburg. - Vgl. Jobez, La France sous Louis XV, Bd. 6 (Par. 1873).

Aigun, chines. Hei-lung-kiang-thschöng (Schwarz-Drachen-Strom-Stadt), mandschurisch Aichôn, Aichun-choton oder Sachaliyan-ula-choton (Stadt des schwarzen Flusses, d. h. des Amur), chines. Stadt in der Mandschurei, Handels- und Stromflottenstation, rechts vom Amur, 30 km unterhalb Blagowjeschtschensk (s. d.), ist mit Palissaden umgeben, Sitz eines Gouverneurs und der Admiralität der chines. Amurflotille, hat eine Citadelle, einstöckige, mit Stroh gedeckte Ziegel- und Lehmhäuser und etwa 15 000 E. Der Handel A.s erstreckt sich namentlich auf Getreide, Senf, Tabak und Öl. Die Festungswerke wurden Anfang des 15. Jahrh. unterhalb der Dsejamündung links vom Amur angelegt, 1675 neu hergestellt, 1685 aber 40 km weiter abwärts an ihre jetzige Stelle verlegt und nebst der neuerrichteten Amurprovinz von den Chinesen Hei-lung-kiang (neuere Aussprache etwa Chei-lung-tschiang) genannt. A. war ursprünglich Verbrecherkolonie und sollte zugleich den russ. Ansiedelungen am Amur das Gegengewicht halten. Am 28. (16.) Mai 1858 schloß zu A. der russ. General Murawjew mit dem chines. Statthalter den Grenzvertrag ab, durch den Rußland in den rechtlichen Besitz des linken Ufers am obern und mittlern und beider Ufer am untern Amur gelangte.

Aigyptos (Ägyptus), der mythische Repräsentant Ägyptens, Sohn des Belos und Zwillingsbruder des Danaos (s. d.), Vater von 50 Söhnen (den sog. Aigyptiaden), die ihren Oheim und dessen 50 Töchter, die sog. Danaiden, zur Flucht nach Argos zwangen, ihnen dorthin nachfolgten und, mit den Danaiden vermählt, von diesen in der Brautnacht ermordet wurden. - A. ist auch ein älterer, bei Homer vorkommender Name des Nils.

Aikin (spr. ehkn), Lucy, engl. Schriftstellerin, Tochter des durch populärwissenschaftliche Werke bekannten Schriftstellers John A., geb. 6. Nov. 1781 zu Warrington, erhielt durch ihren Vater eine ausgezeichnete Erziehung und half ihm bei Abfassung seiner spätern Schriften. Sie starb 29. Jan. 1864 in Hampstead. Ihre schriftstellerische Laufbahn eröffnete sie mit den poet. "Epistles on women" (1810, denen die Jugendschriften "Adventures of Rolando" (1812) und "Lorimer" (1814) folgten. Sie widmete sich nun dem Studium der engl. Geschichte und Litteratur und errang gleich mit "Memoirs of the court of Queen Elizabeth" (1818 u. ö.) durchschlagenden Erfolg. Selbst Macaulay bewunderte die Gründlichkeit der Kenntnisse, den Glanz und malerischen Reiz der Darstellung. Diese Eigenschaften zeichnen fast ebenso "Memoirs of the court of James I." (1822), "Memoirs of the court of Charles I" (1843) und "Life of Addison" (1843) aus. Vgl. Mrs. Le Breton, Memoirs, miscellanies and letters of L. A. (1864), die auch ihren für die Kenntnis des polit. Lebens der Zeit wertvollen Briefwechsel mit Channing (s. d.) aus den J. 1826-42 herausgab (1874).

Ailantholz, das Holz des Götterbaums (s. Ailanthus); es ist sehr hart, von blaßrötlicher Farbe, mit breiten gelben oder dunkelroten, auch grünlichen Adern durchzogen, nimmt eine sehr schöne Politur an und wird zu feinen Tischlerarbeiten benutzt. Man erhält dieses Holz in Bohlen von 0,5 bis 1 m Länge und gegen 20 cm Stärke.

Ailanthis Desf., (auf den Molukken Ailanto, d. i. Baum des Himmels), Götterbaum, Pflanzengattung aus der Familie der Simarubaceen (s. d.); ansehnliche Bäume mit unpaarig-gefiederten Blättern mit wechselständigen, ganzrandigen oder buchtig-gezähnten Fiedern. Die kleinen vielehigen Blüten stehen in reichverzweigten Rispen am Ende der Zweige und besitzen einen kleinen fünfspaltigen Kelch und fünf Kronblätter, in den männlichen Blüten zehn Staubgefäße, in den weiblichen zwei bis fünf, unten freie, aber mit den Griffeln verwachsene Pistille, die sich zu einsamigen Flügelfrüchten entwickeln. Von den drei Arten, die im tropischen und östl. Asien wachsen, ist A. glandulosa Desf., 1751 aus China nach Europa gebracht, ein beliebter, rasch wachsender Zierbaum. Seine aus seicht herzförmigem Grunde eiförmigen bis länglichen, zugespitzten, unterseits blaßgrünen Fiedern tragen an jedem der groben Randzähne eine Drüse, die gelblichweißen Blüten riechen holunderähnlich. Die Art wird leicht durch Samen vermehrt. In China lebt auf den Blättern des Götterbaums die Seide liefernde Raupe des Ailanthusspinners (Saturnia Cynthia).

Ailette (frz., spr. älétt), knopfartiger Ansatz an einem Geschoß (s. d.) behufs Führung in den Zügen.

Ailli, Peter von, s. Peter d'Ailly.

Ailuridae, s. Katzenbären.

Aimak (Eïmak), "Stamm", oder Moghal A., "Mongolenstamm", ein mongol. Stamm, der mit den sog. Hasara im nordöstl.Iran zwischen Herat und Kabul nomadisiert. Die A. wohnen im Westen und sind Sunniten, die Hasaras dagegen im Osten und sind Schiiten. Beide Stämme tragen den nicht arischen Typus ganz deutlich an sich und auch ihre