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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Aldrovandi; Aldus Manutius; Ale; Alea jacta est; Aleander; Aleardi; Aleatico

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Aldrovandi - Aleatico

Teichen des mittlern und südl. Europas (in Deutschland in Oberschlesien) und auch in Ostindien und Australien lebenden Art: A. vesiculosa L., ein kleines ausdauerndes, kahles, untergetauchtes Kraut mit fadenförmigem, wenig verzweigtem Stengel und dicht quirlständigen, kleinen Blättern. Letztere besitzen einen länglich-keilförmigen, am Ende mit langen Wimpern besetzten Stiel und eine muschelartig-zweiklappige, in der Mitte blasig aufgetriebene und am Rande wie auf der Oberfläche mit Borsten besetzte Spreite, die sich auf Reiz wie die Schalen einer Muschel zusammenklappt und vollständig schließt. Die kleinen weißen, einzeln in den Blattachseln stehenden Blüten sind in allen Kreisen 5zählig, und der einfächerige Fruchtknoten entwickelt sich zu einer 5klappigen Kapsel. Das unscheinbare, im Juli und August blühende Pflänzchen gehört zu den mittels ihrer reizbaren Blätter kleine Tiere fangenden und diese wohl auch verdauenden Pflanzen. (S. Insektenfressende Pflanzen.)

Aldrovandi, Ulisse, ital. Naturforscher, von seinen Zeitgenossen der Pontifex maximus der Naturgeschichte genannt, geb. 11. Sept. 1522 zu Bologna, studierte erst Jurisprudenz, später Medizin, wurde 1549 als der Häresie verdächtig nach Rom gebracht und dort bis zu dem bald darauf erfolgenden Tode des Papstes Paul III. eingekerkert. Später wurde er Professor der Medizin zu Bologna und 1568 Direktor des von ihm gegründeten botan. Gartens. Er starb 10. Mai 1605. Seine zahlreichen (in der Bolognaer Ausgabe 14 Folianten bildenden) Werke erlebten viele Auflagen. Sein Hauptwerk erschien zunächst als "Ornithologia" (3 Bde., Bologna 1599-1603; zuletzt ebd. 1681); von Bedeutung ist auch seine "Dendrologia naturalis" (ebd. 1668; 3. Aufl., Frankf. 1690). Nach ihm heißt eine Pflanzengattung Aldrovanda.

Aldus Manutius, s. Manutius und Aldinen.

Ale (spr. ehl), ein ursprünglich nur in England und Schottland gebräuchliches, gegenwärtig auch in Norddeutschland häufig für den Export gebrautes, hellfarbiges, starkes Bier, das aus blassem Gerstenmalz gebraut und mit besonderer Sorgfalt gehopft wird. Es zeichnet sich durch große Haltbarkeit aus, so daß es selbst nach Ostindien versandt wird (India Pale Ale), und kommt in mancherlei verschieden benannten Sorten vor, wie Bitter-Ale, Mild-Ale, Pale-Ale, Scotch-Ale u. s. w. Die Städte London, Oxford, Burton, Leeds, Birkenhead und Glasgow sind wegen ihrer Alebrauerei in Ruf.

Alea jacta est (Jacta alea esto, d. i. der Würfel sei geworfen), angeblicher, von Suetonius ("Caesar", 32) überlieferter Ausspruch Cäsars bei dem Überschreiten des Grenzflusses Rubico (s. d.). Doch ist zu beachten, daß Cäsar diesen Ausspruch nicht in lat. Form, sondern griechisch: "aberríphto kýbos" ("άνερρίφτω χύβος", es falle der Würfel) gethan hat, wie Plutarch ("Pompejus", Kap. 60) ausdrücklich hinzufügt. Die ursprüngliche Quelle für das Citat ist der griech. Komödiendichter Menander. Ulrich von Hutten machte die Worte zu seinem Wahlspruche in der Form "Jacta est alea".

Aleander, Hieronymus, ital. Humanist und päpstl. Legat, geb. 13. Febr. 1480 zu Motta bei Treviso, wandte sich von der Medizin den Sprachen und der Theologie zu. Von Papst Alexander VI. in diplomat. Auftrag nach Ungarn geschickt, blieb er auf der Rückreise längere Zeit in Venedig, wo er Aldus und Erasmus näher trat, wurde dann 1508 von Ludwig XII. als Lehrer des Lateinischen und Griechischen nach Paris berufen, wo er zeitweise Rektor der Universität war. 1514 trat er in den Dienst des Bischofs von Lüttich, Eberhard von der Mark. 1519 von Leo X. zum vatikanischen Bibliothekar ernannt, ging er nach Karls V. Wahl neben Caraccioli als päpstl. Legat nach Deutschland, um dort für die Unterdrückung des Luthertums zu wirken. Zwar gelang es ihm nicht, die Berufung des geächteten Luther nach Worms zu verhindern oder dessen Verurteilung zu erzielen; erst 26. Mai 1521, als die meisten Fürsten und Stände bereits Worms verlassen hatten, erreichte er bei Karl V. die Verdammung Luthers in dem auf den 8. Mai zurückdatierten Edikt, das aus A.s Feder stammen soll. Von Papst Clemens VII. 1524 zum Erzbischof von Brindisi und Nuntius in Frankreich erhoben, wurde er als Begleiter Franz' I. in der Schlacht von Pavia gefangen genommen. 1531 wieder als Legat nach Deutschland geschickt, suchte er vergeblich den Nürnberger Religionsfrieden (1532) zu hintertreiben. Von Papst Paul III. 1536 zum Mitglied der Reformkommission unter Contarini (s. d.) und 1538 zum Kardinal ernannt, ging er 1538 nochmals nach Deutschland, aber wieder ohne Erfolg. Er starb 31. Jan. 1542 zu Rom. Seine Schrift "De Concilio habendo" sollen die Päpste bei Abhaltung des Tridentinums vielfach zu Rate gezogen haben. Seine Briefe und Berichte sind eine wichtige Geschichtsquelle. - Vgl. Ballan, Monum. Ref. Luth. I. (Regensb. 1885); Kalkoff, Die Depeschen A.s vom Reichstag zu Worms (übers., Halle 1886); Brieger, A. und Luther 1521, Abteil. 1 (Gotha 1884); Friedensburg, Legation A.s 1538-39 (ebd. 1893; Bd. 3 u. 4 der "Nuntiaturberichte aus Deutschland").

Aleardi, Aleardo, eigentlich Gaetano, ital. Dichter und Patriot, geb. 4. Nov. 1812 zu Verona, studierte die Rechte zu Padua, wandte sich aber, als politisch verdächtig nicht angestellt, litterar. Arbeiten zu. Nach Venedigs Erhebung 1848 übernahm er mit Manin (s. d.) die Ausarbeitung eines Wahlgesetzes. Später wurde er mit Tommaso Gar für die provisorische Regierung nach Paris geschickt, kehrte aber ohne Erfolg zurück und lebte nun in Florenz. 1852 wurde er, ans Sterbebett seines alten Vormunds in Legnago eilend, von den Österreichern verhaftet und nach Mantua gebracht, 1859 abermals in Josephstadt eingekerkert. Durch den Frieden frei geworden, ging er nach Venedig, wurde Abgeordneter, 1864 Professor der Ästhetik an der Akademie der schönen Künste von Florenz, später in den Unterrichtsrat und in den Senat berufen. Er starb 17. Juli 1878 in Verona; sein Denkmal wurde ebenda 1883 enthüllt. A. ist ein Dichter des Ernsten und Erhabenen; er liebt es an großartige Erscheinungen der Natur und bedeutende Ereignisse der Geschichte seine Gedanken zu knüpfen. Die Liebe erscheint bei ihm in edler Reinheit, nie überschreitet er die Grenze des streng Sittlichen. Besonders erfüllt seine Verse ein starkes Gefühl der Freiheit und Vaterlandsliebe, das in der Zeit des Unabhängigkeitskampfes glühende Begeisterung erweckte. Die beste Ausgabe der Gedichte ist "Canti di A. A." (Flor. 1862; 5. Aufl. 1878); eine Auswahl deutsch von Kitt: "Aus den Dichtungen A.s" (Bas. 1872). - Vgl. Daneo, Aleadro A. (Genua 1879); Trezza, Epistolario di Aleardo A. (Mail. 1879).

Aleatico, eine Sorte starker ital. Weine von verschiedener Güte, deren Hauptproduktionsgebiet