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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Alexandrinische Schule; Alexandrinisches Zeitalter; Alexandristen; Alexandrit; Alexandropol

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Alexandrinische Schule - Alexandropol

Alexandrien, nach der Schlacht bei Pharsalus, verwickelt ward. Derselbe ist ausführlich geschildert in der ohne Angabe des Verfassers auf uns gekommenen Schrift: "Bellum Alexandrinum". Sie ist entweder von einem Augenzeugen geschrieben oder nach den Aufzeichnungen eines solchen von einem Freunde Cäsars verfaßt. (S. Cäsar.) - Vgl. Landgraf, Untersuchung zu Cäsar und zu seinen Fortsetzern, insbesondere über Autorschaft und Komposition des Bellum Alexandriunum und Africanum (Erlangen 1888).

Alexandrinische Schule, eine von Alexandria ausgehende Richtung innerhalb der altchristl. Theologie. Die ältere Schule, hauptsächlich durch Pantänus, Clemens von Alexandria, Origenes und dessen Anhänger vertreten, hat seit der zweiten Hälfte des 2. Jahrh. der häretischen Gnosis eine kath. Gnosis gegenübergestellt und mit den Mitteln der Platonischen und stoischen Philosophie eine spekulative Begründung der christl. Grundlehren unternommen. Ihre drei Begründer waren Vorsteher der Katechetenschule in Alexandria, einer Anstalt, welche, anfangs der Unterweisung gebildeter Katechumenen gewidmet, zu einer Bildungsstätte für christl. Theologen erwuchs, mit Rücksicht auf das Bedürfnis der dortigen Vertreter des Christentums, philos. und häretischer Konkurrenz gewachsen zu sein. Die jüngere Schule hat namentlich in den trinitarischen und christologischen Streitigkeiten seit dem 4. Jahrh. großen Einfluß auf die kirchliche Lehrentwicklung geübt. Ihr Haupt war im 4. Jahrh. Athanasius, im 5. der Patriarch Cyrill von Alexandria, der einflußreiche Gegner des Nestorius. Über den Gegensatz dieser Schule zu der Antiochenischen s. Antiochenische Schule. (S. auch Alexandrinisches Zeitalter.)

Alexandrinisches Zeitalter nennt man den Zeitraum der griech. Wissenschaft und Litteratur nach dem Untergange der Freiheit und Selbständigkeit Griechenlands, d. h. von der Zeit Alexanders d. Gr. an, aber nicht nach ihm, sondern nach der Stadt Alexandria in Ägypten, die unter den Ptolemäern (s. d.) ein Hauptsitz der gelehrten und litterar. Thätigkeit ward. Es läßt sich in zwei Hauptperioden scheiden: die erste, die Regierungszeit der Ptolemäer, das A. Z. im engern Sinne, von 823 bis 30 v. Chr.; die zweite von 30 v. Chr. bis um 640 n. Chr., d. h. bis zur arab. Eroberung. Der erste Förderer der Wissenschaft war Ptolemäus Soter, noch mehr leistete darin sein Nachfolger Ptolemäus Philadelphus. Der Alexandrinischen Schule gehörten Griechen, Ägypter, Juden und später auch Römer an. Die größte Bedeutung erlangten die Grammatiker (s. d.), geringere die Dichter (s. Griechische Litteratur, 4. Periode, und Pleias).

Es wurden zwar alle Gattungen der Poesie gepflegt, die meisten jedoch nur in schwächlicher Nachahmung der frühern Zeit; einige Selbständigkeit und eine gewisse Blüte erlangten nur Idyll (bukolische Poesie), Elegie und Epigramm. Auch die Philosophie zeigt noch eine eigentümliche Entwicklung; einen besondern Charakter gab der Alexandrinischen Philosophie die Berührung mit orient. Anschauungen. Meistens zeigen die Philosophen ein Bestreben nach Vereinigung widerstreitender Systeme, weshalb man sie oft als Eklektiker (s. d.) bezeichnet. Am berühmtesten wurden die alexandrinischen Neuplatoniker (s. d.).

Das eigentliche Charakteristikum des Zeitalters ist aber die gelehrte, wissenschaftliche Thätigkeit, die den Höhepunkt aller griech. Wissenschaft bezeichnet. Außer Grammatik und litterar. Kritik erlangten hohe Ausbildung auch Medizin, Geographie, Physik, Mathematik und Naturwissenschaften. Schon im 3. Jahrh. v. Chr. hatte Euklides hier sein klassisches Werk über die Geometrie geschrieben. Die Astronomen dieser Schule unterschieden sich gleich anfangs von ihren Vorgängern dadurch, daß sie alle metaphysischen Spekulationen beiseite stellten und sich ganz den eigentlichen Beobachtungen hingaben. Als Physiker, Mathematiker, Geographen zeichneten sich aus: Aristyllus und Timocharis, dann Archimedes zu Syrakus, Eratosthenes, Aristarch von Samos, Ptolemäus u. a.

Gegen acht Jahrhunderte erhielt sich die Alexandrinische Schule in ihren verschiedenen Richtungen auf einer solchen, freilich mit dem Wechsel der Zelten steigenden und sinkenden Höhe, daß sie immer ein Hauptmittelpunkt der Gelehrsamkeit und Litteratur gewesen ist. - Vgl. Parthey, Das alexandrinische Museum (Berl. 1838); Matter, Historie de l'école de l'Alexandrie (2. Aufl., 2 Bde., Par. 1840-44); Barthelemy Saint-Hilaire, De l'école d'Alexandrie (ebd. 1845); Simon, Historie de l'école d'Alexandrie (2 Bde., ebd. 1844-45); Göll, Das gelehrte Altertum (Lpz. 1870); Weniger, Das alexandrinische Museum (Berl. 1875); Aug. Couat, La Poésie Alexandrine sous les trois premiers Ptolémées (Par. 1882); Susemihl, Geschichte der griech. Litteratur in der Alexandrinerzeit (2 Bde., Lpz. 1891-92).

Alexandristen, s. Alexander (aus Aphrodisias).

Alexandrit, die ausgezeichneten Drillingskrystalle des smaragdgrünen sibir. Chrysoberylls (s. d.), die täuschend das Ansehen von hexagonalen Gestalten haben und deren obere horizontale Fläche durch Streifensysteme in 6 Felder abgeteilt wird (s. Figur). Wenn im dunkeln Raume die Strahlen einer Kerzenflamme hindurchfallen, so erscheinen die Krystalle lebhaft rot; sie haben bis 6,5 cm Durchmesser und stehen sehr hoch im Preise, weil zur Zeit an der Fundstätte (in den Smaragdgruben an der Tokowaia) nichts mehr gewonnen wird. Den Namen A. erhielt das Mineral, weil es 1812 am Tage der Volljährigkeit des russ. Thronfolgers Alexander (nachmaligen Alexander II.) entdeckt wurde und grün-rot die russ. Militärfarbe ist. Wegen der in den Alexandritkrystallen eingewachsenen Glimmerblättchen u. s. w. ist es selten möglich, von diesem schönen Edelstein fehlerfrei geschliffene Exemplare von über 1 Karat zu gewinnen, solche wurden daher sehr hoch bezahlt. In neuester Zeit hat die vermehrte Nachfrage nach Chrysoberyll-Katzenaugen eine lebhaftere Ausbeute der dieses Mineral führenden Sande auf Ceylon bewirkt, und hierbei wurden auch ausgezeichnete A., selten unter 4 Karat, einer von 67 Karat, entdeckt und gelangen jetzt an Stelle der russischen in den Handel.

^[Abb.]

Alexandropol oder Alexandrapol (Aleksandropol). 1) Kreis im russ.-transkaukas. Gouvernement Eriwan, hat 3759,8 qkm mit 111 909 E. - 2) A., früher Gumrij, Kreisstadt des Kreises A. und Festung, am Arpa-tschai und an der Hauptstraße von Eriwan nach Kars, ist ein geräumiger Waffenplatz für 10 000 Mann, Sitz der 39. Infanteriedivision und ihrer 1. Brigade, sowie der 1. Brigade der 1. Kavalleriedivision des Kaukasischen Armeekorps und hat (1891) 24 130 E., in Garnison das 153. Infanterieregiment, Post, 5 Kirchen, 6 Karawanseraien und Seidenindustrie. Am Arpa-tschai