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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Al pari; Alpargatas; Alpdrücken; Alpen

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Alpargatas - Alpen (Grenzen. Höhe)

Gewebe heißen Twisted Alpaka. Die Alpakagewebe dienen zu Rock-, Hosen-, Mantel- und Kleiderstoffen, Möbelzeugen, Fransen, Besätzen u. s. w.

Alpargatas (arab. al-pargat), die Sandalen der span. Fußtruppen; sie werden zum Felddienst und im Kriege getragen und sind so vorzüglich, daß es in der span. Armee kaum Fußkranke giebt. Ein königl. Dekret vom 14. März 1694 verfügte bereits die Ausrüstung der tercios proviciales mit einem Paar A. für jeden Soldaten.

Al pari, Pari, d. h. gleich, ein aus dem Italienischen in die deutsche Handelssprache übertragener Ausdruck, der sich zunächst auf den Stand der Geld- und Wechselkurse bezieht. Der Kurs steht pari (al pari), wenn sein Stand ein solcher ist, daß die Menge edeln Metalls, welche man für eine Geld- oder Wechselsumme giebt, der Menge edeln Metalls, welche in eben dieser Geldsumme angegeben oder durch die Wechselsumme am Zahlungsplatze ausgedrückt wird, gleich ist. So prägt man z. B. in Frankreich aus einem Kilo 9/10 feinen Goldes 3100 Frs., im Deutschen Reiche aus einem Pfunde von 500 g Feingold 1395 M.; dies ergiebt für den Wechselkurs von Deutschland auf Frankreich ein sog. Wechselpari von 81 M. für 100 Frs., für den franz. Wechselkurs auf deutsche Plätze 123 37/81 Frs. für 100 M. Sofern der Kurs einer Münze, einer Papiergeld- oder einer Wechselsorte den Paristand überschreitet, pflegt man zu sagen, daß er über pari stehe, und der Mehrbetrag bildet ein Aufgeld (Agio, s. d.); wenn er aber den Paristand nicht erreicht, sagt man, er stehe unter pari, und der Minderbetrag bildet einen Verlust (Disagio) der betreffenden Geld- oder Wechselsorte. Auch bei Staatspapieren, Aktien und andern Effekten kommen jene Ausdrücke vor, da der Preis aller dieser Kaufobjekte ein wechselnder ist. (S. auch Kurs.)

Alpdrücken, s. Alp.

Alpen, Benennung für eine besondere Art von Gebirgen (s. d.).

Alpen, das mächtigste Gebirge Europas und im Herzen dieses Erdteils, in der Mitte zwischen Äquator und Nordpol, zwischen 43½ und 48° nördl. Br. und 5 und 16½° östl. L. von Greenwich gelegen, dem allgemeinen Umriß nach ein langgezogener, quer gegen den Meridian gerichteter, von S. über N. in NO. verlaufender Schlangenbogen, dessen im W. sehr scharfe Krümmung sich gegen O. zusehends verflacht. Die Länge dieses Bogens von Savona bis Wien mißt etwa 1100 km. Ihrem plastischen Aufbau und ihrer geolog. Zusammensetzung nach bestehen jedoch die A. aus zwei gegen NW. und N. konvexen Bogen, die sich zwischen dem Lago Maggiore und dem Bodensee schräg gegeneinander legen. Beide Bogen enthalten je in ihrer Mitte die größten Massenerhebungen: die Gebirgsstöcke des Montblanc und Monte-Rosa im W. und die Ötzthaler A. im O. Dort aber, wo der westalpine Bogen auf den ostalpinen stößt, befindet sich eine Unterbrechung in dem stetigen Höhenzuge. Diese Zweiteilung tritt auf jeder guten Übersichtskarte (besonders auf Schichtenkarten) deutlich zu Tage.

Grenzen. Die Grenzen des Alpengebirges lassen sich nicht allenthalben durch eine scharfe Linie bezeichnen, weil der Übergang vom Gebirge zur Ebene nicht immer sprungweise, sondern oftmals sehr allmählich erfolgt; in letzterm Falle wird daher die Grenze durch einen mehr oder weniger breiten Saum vergegenwärtigt, dessen Lage am besten beim Anblick aus großer Ferne bestimmt wird, da an Ort und Stelle die unbedeutenden Aufragungen der nächsten Umgebung gegenüber der höhern, aber weiter abstehenden Hauptmasse des Gebirges unverhältnismäßig stark zur Geltung kommen. Im allgemeinen können folgende Orte als Markpunkte für den Verlauf der Alpengrenze betrachtet werden: 1) Äußerer Saum: Savona, Nizza, Moustiers, Digne, Carpentras, Valréas, Crest, Voreppe, Chambéry, Annecy, Bonneville, Thonon, Vevey, Bulle, Thun, Luzeru, Zug, Uznach, St. Gallen, Bregenz, Kempten, Füssen, Murnau, Neubeuern, Traunstein, Salzburg, Laufen, Straßwalchen, Gmunden, Steyr, Wilhelmsburg, Greifenstein, Wien; 2) innerer Saum: Savona, Colle Altare, Ceva, Boves, Saluzzo, Pinerolo, Ivrea, Arona, Lavello, Como, Bergamo, Brescia, Salo, Verona, Vicenza, Schio, Conegliano, Gemona, Cividale, Kirchheim, Krainburg, Franz, Windischgraz, Marburg; 3) östlicher Saum: Marburg, Eibiswald, Stainz, Graz, Hartberg, Friedberg, Güns, Kirchschlag, Ödenburg, Neudörfel, Neunkirchen, Wurflach, Leobersdorf, Baden, Wien. Innerhalb dieser Umgrenzung umfassen die A. ein Gebiet von 176 000 qkm; ihre größte Breite findet sich in der Mitte des ganzen Gebirgszugs und mißt von Kempten nach San Bonifacio 275 km; der schmalste Durchschnitt ist jener von Chambery nach Avigliana mit 125 km. Mitunter werden die Grenzen des Alpengebietes weiter gezogen, indem jenes ganze Gebiet ins Auge gefaßt wird, das in hydrogr. Beziehung von den A. abhängig ist, und das sich beispielsweise im W. bis zur Rhône, im N. bis zur Donau, im S. bis zum Po und zur Adria erstreckt. Daher findet man häufig weit größere Zahlen als Ausmaß der A. verzeichnet, doch gelten dieselben nicht dem Gebirge allein, sondern auch einem Teile der angrenzenden Ebenen. Diese, die als Basis des Gebirges zu betrachten sind, liegen in sehr verschiedener Höhe, und zwar im Süden weit tiefer als im Norden. Während der Südfuß der A. auf der Poebene zwischen 50 und 300 m schwankt, liegt der Nordfuß auf der schweiz. Hochebene zwischen 400 und 600 m, auf der oberbayr. Ebene zwischen 600 und 900 m und im österr. Donaulande zwischen 200 und 500 m. Die westl. Begrenzungslinie erhebt sich von 50 bis gegen 400 m, die östliche hält sich ziemlich regelmäßig zwischen 300 und 400 m. Den mächtigsten Anblick gewähren deshalb die A. von Süden aus betrachtet, und zwar nicht nur wegen der tiefern Lage des Standortes, sondern auch, weil man sich dort innerhalb der Krümmung des Gebirgszugs befindet. Am berühmtesten ist mit Recht die Alpenansicht vom Mailänder Dom, die vom Monte-Viso bis zu den Gipfeln an den Quellen des Oglio reicht; sehr schön ist auch die vom Markusturme zu Venedig, vom Ortler bis zum Triglav. Auf der Nordseite genießt man den schönsten Anblick der A. vom Gipfel des Feldberges oder von dem des Belchen im Schwarzwalde, von wo aus man dieselben, den herrlichen Gipfeln des Berner Oberlandes gegenüberstellend, vom Montblanc bis zum Zugspitz übersieht. Auch der Frauenturm zu München gewährt eine umfassende Ansicht. Innerhalb der A. selbst sind von den leicht erreichbaren Gipfeln ihrer Rundsicht wegen am berühmtesten: Faulhorn, Pilatus, Rigi, Säntis, Pfänder, Hohe Salve, Kitzbühler Horn, Schmittenhöhe, Gaisberg, Schafberg, Dobratsch u. a. m.

Höhe. Der Höhe nach unterscheidet man in den A. die Region der Niederalpen, die bis zur Grenze