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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: a.m.,; Alyssum; Alytarches; Alyxiarinde; Alz; Alzenau; Alzette; Alzey; Alzig; Alzog; Am; Amadeo; Amadeus

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Alyssum - Amadeus (savoyische Fürsten)

Alyssum L., Steinkraut, Pflanzengattung aus der Familie der Kruciferen (s. d.) mit gegen 90, meist in den Mittelmeerländern, aber auch im nördl. Europa und Asien heimischen Arten; Kräuter oder kleine Sträucher, mit in der Regel ungeteilten linealen Blättern und weißen oder gelben Blüten. In Deutschland ist das einjährige A. calcynium L. mit blaßschwefelgelben Blüten die gemeinste, auf sonnigen Hügeln, Mauern, an Wegrändern u. s. w. im Mai und Juni blühende Art.

Alytarches, Alyten, s. Olympische Spiele.

Alyxiarinde, eine nur im ind. Heilmittelhandel sehr gangbare Rinde, die von einem auf den ostind. Inseln heimischen kletternden Strauche, der Alyxia stellata Röm. et Schult., gesammelt wird. Die A. besteht aus graulichweißen, stark gerollten Stücken voll schwach bitterm aromatischen Geschmack und den Tonkabohnen ähnlichem Geruch.

Alz, Nebenfluß des Inns in Oberbayern, entfließt nördlich dem Chiemsee, nimmt rechts die Traun auf und mündet nach 45 km Lauf im NW. von Marktl.

Alzenau. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez. Unterfranken, hat (1890) 19 540 (9604 männl., 9936 weibl.) E., 43 Gemeinden mit 94 Ortschaften. - 2) Marktflecken und Hauptort des Bezirks A., in 126 m Höhe, am westl. Fuße des Spessarts und an der rechts zum Main gebenden Kahl, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Aschaffenburg), hat (1890) 1477 E., darunter 40 Evangelische und 65 Israeliten, Post, Telegraph, Schloß, kath. Kirche, 5 Schulen, Distriktskrankenhaus; Cigarrenfabrikation, 4 Mahl-, 2 Öl-, 2 Gipsmühlen, Obst- und Weinbau.

Alzette (spr. alsett), Alzig, rechter Nebenfluß der Sauer in Luxemburg, entspringt bei Esch in Lothringen und mündet bei Ettelbrück.

Alzey. 1) Kreis in der hess. Provinz Rheinhessen (s. d.), hat (1890) 38 777 (19 123 männl., 19 654 weibl.) E. in 49 Gemeinden. - 2) Kreisstadt im Kreis A., 30 km südlich von Mainz, in fruchtbarer Ebene an der links zum Rhein gebenden Selz, und an den Linien Worms-A.-Bingen (63,37 km) und A.-Grenze (8,98 km) der Hess. Ludwigsbahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Mainz), Zoll- und Steueramtes, hat (1890) 6069 E., Postamt erster Klasse, Telegraph, 1 kath. und 2 evang. Kirchen, Synagoge, Kriegerdenkmal (bronzene Germania, 1893), Realschule und Progymnasium mit 6 Real-, 7 Progymnasial- und 2 Vorschulklassen, paritätisches Schullehrerseminar, höhere Mädchen-, Volksschule, Vorschußverein; Gerberei, Weberei, Bierbrauerei, Weinbau und Gärtnerei. - A., durch das Nibelungenlied bekannt (Held und Spielmann Volker von Alzey), wurde 1277 Reichsstadt. Reste des festen Schlosses (Raversburg) sind noch vorhanden. 1620 wurde A. durch die Spanier unter Spinola, 1688 und 1689 durch die Franzosen verheert. Seit den Revolutionskriegen französisch, kam es 1815 Zum Großherzogtum Hessen.

Alzig, s. Alzette.

Alzog, Joh. Baptist, kath. Theolog, geb. 29. Juni 1808 zu Ohlau in Schlesien, studierte in Breslau und Bonn, erhielt 1834 die Priesterweihe, wurde 1836 Professor am Priesterseminar zu Posen, 1845 am Seminar zu Hildesheim, 1853 an der Universität Freiburg, wo er 1. März 1878 starb. 1869 zu den Vorarbeiten zu dem Vatikanischen Konzil in die dogmatische Kommission berufen, war er der einzige Theolog, der gegen die päpstl. Unfehlbarkeit stimmte, unterwarf sich jedoch später. A.s Hauptwerk ist "Lehrbuch der Universalgeschichte der christl. Kirche" (Mainz 1840; 10. Aufl., als "Handbuch" von Kraus, 2 Bde., 1882), das in mehrere Sprachen übersetzt ist. Von seinen sonstigen Schriften ist zu nennen der "Grundriß der Patrologie oder der ältern christl. Litterargeschichte" (Freiburg 1866; 4. Aufl. 1888).

Am, Flüssigkeitsmaß, s. Ohm.

Am, chem. Abkürzung für Ammonium (s. d.).

a.m., auch A.M., Abkürzung für anno mundi, im Jahre (nach Erschaffung) der Welt; auch für ante meridiem, d. i. vormittags; A.M. auch Abkürzung für Artium (liberalium) Magister, der (freien oder schönen) Künste Meister (s. Magister).

Amadeo, Giovanni Antonio, ital. Bildhauer und Baumeister, geb. um 1447 wahrscheinlich in der Nähe von Pavia, gest. 27. Aug. 1522. A.s Stil beruhte auf den Überlieferungen der mittelalterlichen Kunst, veredelte sich aber zu der Vollendung, welche die lombard. Frührenaissance auszeichnet. Seine bedeutendsten Arbeiten sind: das Grabmal des heil. Lanfranco zu Mailand, das Grabmal der Medea Colleoni in Sta. Maria Maggiore (1470) in Bergamo und ein solches für deren Vater, den Condottiere Colleoni daselbst (1472). Später war A. in Cremona für die Olivetaner von San Lorenzo thätig, wo er 1482 ein Heiligengrab errichtete, und beteiligte sich seit 1490 an den Bauten der Certosa in Pavia; 1490-1519 war er Dombaumeister zu Mailand, als welcher er einen Teil des Vierungsturmes baute.

Amadeus, im Fürstenhause Savoyen häufiger Name.

A. V., der Große, Graf von Savoyen, geb. 4. Sept. 1249 auf Le Bourget, ist der Stammvater der noch jetzt regierenden Linie Savoyen. Durch seine Gemahlin Sibylle Erbe in Baugé und Bresse, folgte er 1283 seinem Vater Thomas II. im Herzogtum Aosta, während der größere Teil Piemonts an seinen ältern Bruder Thomas III., den Stifter der piemont. Linie, kam; 1285 folgte er seinem Oheim Philipp I. wegen der Minderjährigkeit von dessen unmittelbarer Nachkommenschaft in Savoyen. Der alte Gegensatz der Savoyer und Habsburger lebte neu auf in seinem Zwist mit Rudolf von Habsburg, dem er sowohl in der Schweiz als bei seinen Bemühungen um Wiedergewinn von Burgund für das Reich entgegentrat. 1310 schloß A. sich dem Römerzug Heinrichs VII. an, den er namentlich bei der Belagerung von Brescia (1311) und der Unterwerfung von Rom (1312) unterstützte, wofür er in den Reichsfürstenstand erhoben und mit Asti (1313) und Ivrea belehnt wurde. Später kämpfte er im Solde Frankreichs in Brabant und vor Lyon und erhielt dafür Maulevrier in der Normandie. Er starb 16. Okt. 1323 zu Avignon.

A. VI. (V.), Graf von Savoyen, Enkel des vorigen, der "grüne Graf" genannt nach der Farbe, die er bei Turnieren trug, geb. 4. Jan. 1334 zu Chambéry, folgte 1343 minderjährig seinem Vater Haymon. Sieger in dem Kampfe, der zwischen den Visconti (s. d.) von Mailand und den Markgrafen von Montferrat und Saluzzo um den Gewinn von Piemont ausgebrochen war, erwarb er Mondovi, Cuneo, Chieri und Cherasco, zwang dann Frankreich in der Schlacht von Abres zur Anerkennung seiner Erbfolge in Faussigny und Gex (1355), festigte den Frieden durch Heirat mit Bonne von Bourbon, der spätern Vormünderin seines Enkels A. VIII. (s. unten), und erwarb durch Kauf das Waadtland. Nachdem er den Markgrafen von Saluzzo zur Unterwerfung