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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Amerikanist - Amfortas

einflußt. Die A. betreffen, von dem eigentümlichen Tonfall und der Neigung zu nasaler Aussprache (nasal twang) abgesehen, Wortschatz, Lautstand, Wort- und Satzlehre. Der speciell amerik. Wortschatz umfaßt im allgemeinen solche Wörter, die jetzt in England veraltet oder nur provinziell, in Amerika noch mehr oder weniger gebräuchlich, oder solche, die in Amerika in anderm Sinne als in England üblich sind (wie fall in der Bedeutung "Herbst", freshet "angeschwollener Fluß", clever für "artig", to fix für "anordnen", to go ahead "vorangehen", sleigh statt sledge, to guess, to reckon in der Bedeutung "meinen, glauben" u. s. w.). Dazu kommen Wörter und Wortbedeutungen, die ihren Ursprung eigentümlichen amerik. Naturerscheinungen, Verhältnissen und Einrichtungen verdanken (wie pairie, salt-licks, bayou, to locate, platform, township, electioneering. Indian. Herkunft sind z. B. canoe, wigwam, mocassin, welche die Litteratur auch nach Europa verpflanzt hat. - Vgl. Pickering, Vocabulary of words and phrases supposed to be peculiar to the U. S. (Boston 1816); Bartlett, Dictionary of Americanisms (Neuyork 1848; 5). Aufl. 1884); Lowell, The Biglow Papers II (1848), Einl.; Bristed, The English Language in America (Lond. 1855); Köhler, Wörterbuch der A. (Lpz. 1866); Schele de Vere, Americanisms; the English of the New World (Neuyork und Lond. 1872); Farmer, Americanisms old and new (Lond. 1890); Norton, Political Americanisms (ebd. 1891); Matthews, Americanisms and Briticisms (Neuyork 1892).

Amerikanist, ein Forscher, der das Studium Amerikas und amerik. Zustände, namentlich derjenigen der Ureinwohner, und die Erforschung ihrer Sprachen betreibt. Seit 1875 halten die A. auf Anregung der Siciété américaine in Paris alle zwei Jahre internationale Amerikanistenkongresse.

Amerling, Friedr. von, Porträtmaler, geb. 14. April 1803 zu Wien, bildete sich auf der Akademie als Schüler Redls, in London unter Th. Lawrence und in Paris unter H. Bernet aus. Nach Wien zurückgekehrt, malte A. zunächst das Bild seines Lehrers Redl (1828; Galerie der Akademie in Wien) und zwei histor. Gemälde: Dido von Äneas verlassen und Moses in der Wüste (1830), die den ersten Preis der Akademie erhielten. 1831 unternahm er eine Reise nach Italien, als deren Frucht zu nennen sind: ein ruhender Fischerknabe (Hofmuseum in Wien), der Apostel Paulus (1833, ebenda), Rebekka mit dem Halsband, ferner das Bildnis von Thorwaldsen sowie eine Anzahl ital. Studienköpfe. Nach seiner Heimkehr malte er für das Schloß in Laxenburg das Bild des Kaisers Franz I. Seit 1844 hielt sich A. als beliebter Maler der vornehmen Welt in Wien auf, wo er 15. Jan. 1887 starb. Seine halb idealen, halb sentimentalen Motive, seine ebenfalls idealisierten, äußerlich aufgefaßten Porträte, sein porzellanartiges Kolorit blieben sich auch in seinen spätern Werken gleich, wie das Porträt des Malers Kriehuber (1853), des Erzherzogs Leopold als Kreuzritter (1863; Hofmuseum in Wien) und sein Selbstporträt (1867; Akademie in Wien) zeigen. Seinen künstlerischen Nachlaß vermachte er der Stadt Wien. Ein Verzeichnis seiner Werke findet sich bei Bodenstein, Hundert Jahre Kunstgeschichte Wiens (Wien 1888). - Vgl. Frankl, Friedr. von A. (Wien 1889).

Amersfoort, Stadt in der niederländ. Provinz Utrecht, an den Linien Amsterdam-Winterswijk, A.-Kesteren (31 km) der Holländ. Eisenbahn und Utrecht-Kampen der Niederländ. Centralbahn, an der Eem, die hier schiffbar wird, in fruchtbarer Ebene am Fuße der Amersfoorter Berge, einer 20 km langen, bis an den Rhein sich hinziehenden Reihe von Sandhügeln, vermutlich Überreste der Dünenbildung des alten Meeresstrandes. A. hat (1889) 10 646, als Gemeinde 15 449 E. (darunter etwa 6000 kath.), spätgot. Liebfrauenkirche mit Turm (94 m), Seminar der Jansenisten (zwei Professoren, 20 Zöglinge). Handel und Industrie sind zum Teil abhängig von dem Tabaksbau in der Umgegend. Die Stadt ist der Geburtsort Oldenbarneveldes. Sie wird urkundlich schon 1006 erwähnt, erhielt 1259 Stadtrecht, war früher eine bedeutende Festung, ward 1483 vom Erzherzog Maximilian erobert, 1543 von den geldrischen Soldaten verwüstet, 1612 und 1795 von den Franzosen eingenommen.

Amesbury (spr. éhmsbörri), Stadt im County Essex des nordamerik. Staates Massachusetts, nahe der Mündung des Merrimac, hat (1890) 9798, mit Salisbury 11 114 E. und bedeutende Kutschenfabrikation.

Amesha-Spenta, s. Amschaspand.

A metà (ital., zur Hälfte), conto a metà, gewöhnlich bloß conto metà, auf halbe Rechnung; a metà-Geschäfte, s. Meta-Geschäfte.

Ametabola, Insekten mit unvollkommener Verwandlung, s. Insekten.

Amethyst, eine als Schmuckstein vielfach verwendete, schön blau oder violett gefärbte Varietät des Quarzes (s. d.), die meist in stengligen oder unregelmäßig gegeneinander begrenzten, in freie Kristallenden auslaufenden Individuen, in Geschieben und derb vorkommt. Der Name stammt vom griech. amethystos und knüpft sich an den Glauben, daß der A. ein Mittel gegen die Trunkenheit abgebe. Die charakteristische Farbe, die ihn fast allein vom Bergkrystall unterscheidet, wird ihm durch die Beimengung einer organischen Substanz erteilt, da sie beim Erhitzen in Gelb und Grün übergeht und dann verschwindet, so daß der Stein farblos wird. Von dieser merkwürdigen Eigenschaft machen die Steinschneider Gebrauch; viele der geschliffenen sog. Citrine und Goldtopase sind im Feuer gelb gefärbte A. Enthält der A. dünne Blättchen von Eisenglimmer oder nadelförmige Krystalle von andern Mineralsubstanzen, so führt er den Namen Haaramethyst. Man findet ihn auf Gängen in ältern Gebirgen, bisweilen mit Erzen; häufig auch Drusen in Achatkugeln der Mandelsteine bildend. Sehr schöne Krystalle kommen zu Oberstein in Birkenfeld, am Rothenkopf im Zillerthal, zu Porkura in Siebenbürgen, auf der Insel Ceylon, in Brasilien und an der St. Marysbai in Nordamerika vor. Der Preis geschliffener A., früher unter denen der Halbedelsteine der höchste, ist durch starke Einfuhr aus Süd- und Centralamerika sehr heruntergegangen. Nur sehr schön und tief gefärbte Steine werden noch gut bezahlt.

Ametrie (grch.), Mangel an Ebenmaß, Mißverhältnis; auch Unzahl, Übermaß, Unmäßigkeit; ametrisch, ungleichmäßig; maßlos, unmäßig.

Ametropie (grch.), Abweichung des Auges vom normalen Refraktionszustande, s. Emmetropie.

Ameublement (frz., spr. amöblmáng), Gesamtheit der Gegenstände einer Wohnungseinrichtung.

Amfortas, Bruder der Herzeloyde und Oheim Parzivals (s. d.), wurde nach Wolfram von Eschenbachs "Parzival" als Gralkönig durch einen vergifteten Speer verwundet, aber nach langem Leiden durch die mitleidige Frage Parzivals erlöst.