Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Angelus Silesius; Angely; Angenehm; Anger; Angera; Angerapp; Angerburg; Angerer

621

Angelus Silesius - Angerer, Victor

tiavit Mariae" ("Der Engel des Herrn brachte der Maria die Botschaft") beginnende Gebet, das fromme Katholiken zur Erinnerung an die Menschwerdung morgens, mittags und abends sprechen, wenn mit der Glocke das Zeichen dazu gegeben wird, Angelusläuten (Betglocke). Der durch Papst Johann XXII. 1326 an dieses Gebet geknüpfte Ablaß heißt Angelusablaß. (S. auch Ave Maria.)

Angelus Silesius, eigentlich Johannes Scheffler, geistlicher Dichter, geb. 1624 zu Breslau, studierte seit 1643 Medizin zu Straßburg, Leiden und Padua, war 1649-52 Leibarzt bei Herzog Sylvius Nimrod zu Öls, trat 1653 in Breslau, abgestoßen durch die starre, kalte Dogmatik des damaligen Protestantismus, zum Katholicismus über und nahm den Namen A. S. an. Er wurde 1654 kaiserl. Hofmedikus, 1661 Minorit und empfing die Priesterweihe, wurde 1664 Marschall (oberster Rat) des Fürstbischofs zu Breslau und starb 9. Juli 1677 im Matthiasstifte daselbst. A. S. that sich als Verfasser geistlicher Lieder und als Spruchdichter hervor. Die Lieder, mehr als 200, voll inbrünstiger Mystik und trotz des Schwulstes doch voll echter Poesie, stehen in "Heilige Seelenlust oder Geistliche Hirtenlieder der in ihren Jesum verliebten Psyche" (Bresl. 1657; vermehrt 1668; neue Ausgabe von Winterer und Sprenger, Mannh. 1838, u. a.). A. S.' Reimsprüche in Alexandrinern, zuerst u. d. T. "Geistreiche Sinn- und Schlußreime" (Wien 1657), dann um ein sechstes Buch vermehrt u. d. T. "Cherubinischer Wandersmann" (Glatz 1674) erschienen, vertreten in klarer Form einen überschwenglichen Pantheïsmus und entlehnen ihre Gedanken zum großen Teil aus Tauler, Nuysbroek, Bonaventura und Jak. Böhme. Auswahlen daraus besorgten Varnhagen von Ense (Berl. 1820; 3. verm. Aufl. 1849), W. Müller in der "Bibliothek deutscher Dichter", Bd. 9 (Lpz. 1826), Christoph von Schmid in "Geistliches Vergißmeinnicht" (Augsb. 1839 u. Regensb. 1885), Hermes (Magdeb. 1815) und Braun (Trier 1855). A. S.' viele theol. Streitschriften erschienen zum Teil pseudonym und stehen durch ihre fanatische Heftigkeit in einem auffälligen Gegensatz zu seinen Dichtungen. Seine "Sinnliche Beschreibung der vier letzten Dinge" (Schweidn. 1675) ist von abstoßender Derbheit. Gesamtausgabe seiner Dichtungen von Rosenthal (2 Bde., Regensb. 1862). - Vgl. Kahlert, A. S. (Bresl. 1853); Hoffmann von Fallersleben im "Weimar. Jahrbuch", Bd. 1 (Hannov. 1854); Kern, Johs. Schefflers Cherubinischer Wandersmann (Lpz. 1866); Lindemann, A. S., Bild eines Konvertiten, Dichters und Streittheologen (Freib. i. Br. 1876); Treblin, A. S. (Bresl. 1877).

Angely (spr. angschelih), Louis, Theaterdichter, geb. um 1780 (1788?) zu Berlin, betrat früh die Bühne, wurde Komiker des Deutschen Theaters in Petersburg und kam 1828 an das Königstädtische Theater in Berlin. 1830 übernahm er einen Gasthof daselbst und starb 16. Nov. 1835. An Erfindung arm, wußte A. gewandt franz. Stücke deutschen und namentlich Berliner Verhältnissen anzupassen; er verstand es vortrefflich, den eigentümlichen Berliner Humor in seiner damaligen Harmlosigkeit zu treffen. "Die Hasen in der Hasenheide", "Schülerschwänke", "Schlafrock und Uniform", "Die 'beiden Hofmeister", "Die Reise auf gemeinschaftliche Kosten", "Von Sieben die häßlichste", "Wohnungen zu vermieten", "Paris in Pommern", "List und Phlegma" und besonders "Sieben Mädchen in Uniform" und "Das Fest der Handwerker", das noch nicht von der Bühne verschwunden ist, machten unter seinen Possen und Singspielen das meiste Glück. A.s Stücke sind gesammelt als "Baudevilles und Lustspiele" (3 Bde., Berl. 1828-34) und "Neuestes komisches Theater" (3 Bde., Hamb. 1836-41).

Angenehm heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch und dem der meisten Philosophen mehr das sinnlich und einseitig Gefallende im Gegensatz zum Schönen, als dem vielseitig und mehr geistig Gefallenden. Die schärfere Unterscheidung von A. und Schön (s. d.) haben die Philosophen verschieden durchgeführt. Kant erklärt A. als dasjenige Wohlgefallen, das nicht allgemeingültig, sondern subjektiv verschieden ist im Gegensatz zum auch subjektiven, aber allgemeingültigen Wohlgefallen am Schönen.

Anger, natürliche Weideplätze, die entweder den Gemeinden gehörig, in der Nähe derselben, oder zu Domänen oder Privatbesitz gehörend, meistens entfernt vom Wirtschaftshofe liegen und schlechten Boden haben, weshalb sie nur als Weide, in der Regel für Schafe, zu nutzen sind. Die Gemeindeanger dienen meist als Schweine- und Gänseweide.

Angera (spr. andschehra), Flecken im Kreis Varese der ital. Provinz Como, am Ostufer des Lago Maggiore, hat (1881) 2637 E. und einen Hafen. Nördlich vom Orte auf einem Kalkfelsen eine stattliche, von den Visconti erbaute Burg, seit 1439 Lehn der Grafen Borromei, mit alten Fresken und antiken Inschriften; der terrassierte Südabhang des Burgberges liefert trefflichen Wein. A., mittellat. Angleria, gehörte seit dem 12. Jahrh. zum mailändischen Gebiet. Die Grafschaft A. oder Anghiera erstreckte sich zu beiden Seiten des Sees. Am berühmtesten unter den Grafen dieses Geschlechts wurde Pietro Martire d'Anghiera (s. d.).

Angerapp, 144 km langer Fluß in Ostpreußen, kommt aus dem Mauersee und vereinigt sich oberhalb Insterburg mit der Pissa zum Pregel.

Angerburg. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Gumbinnen, hat 925,37 qkm und (1890) 35 951 (17 099 männl., 18 852 weibl.) E., 1 Stadt, 72 Landgemeinden und 76 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis A., 52 km südwestlich von Gumbinnen, in 120 m Höhe und fruchtbarer Gegend an der Angerapp, die südlich von A. aus dem aalreichen, 104 qkm großen Mauer- oder Angerburger See tritt, ist Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Lyck), Zoll- und Steueramtes erster Klasse, hat (1890) 4301 meist evang. E., Postamt zweiter Klasse, Telegraph, evang. Schullehrerseminar, Taubstummenanstalt, gräfl. Lehndorffsches Siechenhaus, Ritterschaftlichen Kreditverein; Wasser-, Dampfmahl- und Schneidemühlen, Brennerei, Landwirtschaft, Dampfmolkerei, Getreide- und Holzhandel und bedeutende Fischerei (Aale). A. ist Geburtsort des Naturforschers Helwing (geb. 1666, gest. 1748). - Die 1571 gegründete Stadt hat ihren Namen von einem 1312 unter dem Namen "Angetet" angelegten Schlosse.

Angerer, Victor, photogr. Anstalt und Kunstverlag in Wien, gegründet 1857 von Ludwig Angerer, dem 186l sein Bruder Victor (gest. 1894), Erfinder der Trockenplatte aus Gelatineemulsion, als Teilhaber beitrat. Die Hauptthätigkeit der Anstalt besteht in Wiedergabe von Gemälden, Aufnahme industrieller und kunstgewerblicher Gegenstände, Anwendung der Heliogravüre und Phototypie. Der eigene Verlag umfaßt Werke moderner Meister, wie Achenbach, Adam, Makart, Schweninger, Wereschagin