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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Antrim; Antritt; Antrodocco; Antrophor; Antrustiones; Antwerk; Antwerpen

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Antrim - Antwerpen

verschiedener Wirkungsdauer auf einen Körper, erhält er also mehrere A., so ist am Schlusse die Bewegungsgröße gleich der Summe der einzelnen A.

Antrim (spr. änn-). 1) Die nordöstlichste Grafschaft Irlands in der Provinz Ulster, grenzt im N. und O. an den Nordkanal, im S. an Down, im W. an Londonderry, im SW. an den großen Landsee Reagh und hat 3084 qkm (211 qkm Wasser und etwa 933,6 qkm bebaut) mit (1891) 427 968 E., darunter 181 011 Presbyterianer, 99 888 der irischen Kirche Angehörige, 20 223 andere Protestanten, 10 6404 Katholiken und 182 Israeliten. Die Küsten (150 km) sind hoch, mit den Vorgebirgen Benmore-, Ballygalley-Head und Garron-Point; im N. die gewaltige Masse von Basaltpfeilern, Giant's Causeway genannt. An der Nordküste liegen die Inselgruppe der Skerries und die Insel Rathlin, an der Ostküste die Maiden-Rocks mit zwei Leuchttürmen. Den östl. Teil nimmt ein vorherrschend aus Trappgestein bestehendes, zerrissenes Hügelland ein, welches im Trostan bis zu 553 m aufsteigt und von schönen Thälern (Glens of A.) durchzogen ist. Das Innere der Grafschaft ist größtenteils eben, namentlich im Gebiete des Lough (See) Reagh mit dem Abfluß Bann und dem Zufluß Main. Hier sind bedeutende Torfmoore. Flachsbau, Spinnerei und Weberei in Leinen sind die Hauptindustriezweige; daneben wird auch Baumwolle und Schafwolle gesponnen und verwebt. Von Getreidearten gedeiht am besten der Hafer. Die Fischerei, namentlich der Lachsfang, ist bedeutend. Auch werden Kohlengruben bei Bally Castle und wichtige Salzwerke bei Duncrue Carrickfergus ausgebeutet. Die Grafschaft ist in 15 Baronien und 71 Kirchspiele eingeteilt und sendet 8 Mitglieder in das Unterhaus, 4 für die Grafschaft selbst, 4 für Belfast (s. d.), jetzt die Hauptstadt der Grafschaft. Andere wichtige Städte sind Lisburn, Ballymena, Ballymoney, Carrickfergus, Larne und A.

2) A., das alte Entrum Reagh, Stadt in der Grafschaft A., früher Hauptstadt, 21 km im NW. von Belfast, mit dem sie durch eine Eisenbahn verbunden, und 1 1/2 km von der Mündung des Six-Mile-Water in den Lough Reagh, ist eine Marktstadt und hat, einschließlich Massereene, (1881) 1647 E., ein Zucht- und ein Arbeitshaus. Bei A. befindet sich der von den alten runden irischen Türmen am vollständigsten erhaltene, 29 m hoch, mit konischem Dache. In der Nähe Shanes-Castle, der alte Sitz der O'Neil, und Antrim-Castle, der Sitz der Skeffington, Viscounts von Massereene und Ferrard.

Antritt (auch Zügellahmen), der Gang eines Pferdes, das mit einem Fuße kürzer tritt als mit den andern.

Antrodocco, Fürst von, s. Frimont, Johann Maria, Graf von.

Antrophor, Arzneimittelträger, eine vernickelte, fein gearbeitete, biegsame Spirale, welche ein mit Gelatine und Glycerin zu einer Paste geformtes, bei gewöhnlicher Temperatur festes Arzneimittel trägt; dieses wird nach der Einführung des A. in Körperhöhlen und Kanäle bei Blutwärme flüssig und wirkt so auf die erkrankte Schleimhaut. Am häufigsten ist das A. mit schwefelsaurem Thallin überzogen (Thallinantrophor) und wird mit Vorteil bei der Behandlung der Gonorrhöe benutzt.

Antrustiones, unter den Merowingern die Gefolgsgenossen des Königs, der aus ihnen vorzugsweise seine Gesandten und Heerführer nahm; für sie war das dreifache Wergeld zu zahlen.

Antwerk, Bezeichnung für die Gesamtheit der im Mittelalter in Deutschland üblichen Kriegsmaschinen (für die die lat. Ausdrücke machina und ingenia gebraucht werden), zerfällt in Deckungsmittel, Stoßzeug, Schuß- und Wurfzeug. Die Deckungsmittel waren ähnlich wie im Altertum und bestanden aus fahrbaren Holzbrustwehren, bedeckten Hallen und Rolltürmen. Zum Stoßzeug gehörten der Sturmbock und die Bohrmaschinen, für die die Namen Tarant, Fuchs, Krebs vorkamen. Das Schußzeug für den flachen Schuß bestand aus großen Armbrusten, die als Wagarmbrust (s. d.), Standarmbrust und Turmarmbrust (s. d.) unterschieden wurden, und sog. Rutten (s. d.). Als Wurfzeug dienten die Gewerffe, bei denen das Geschoß schleuderartig am langen Arm eines Hebels angebracht war, während auf dem kürzern Arm desselben ein sehr bedeutendes Gegengewicht wirkte, das entweder fest oder beweglich sein konnte. Zu den hohen Gewerffen, bei denen das Gegengewicht fest war oder durch Menschenkraft ersetzt werden konnte, gehörten die Blyden (s. d.), der Tribock, die Petraria. Die niedern Gewerffe hatten bewegliche Gegengewichte und hießen Mangen (s. d.), deren Einrichtung nur sehr ungenau bekannt ist. Die Geschosse der Gewerffe bestanden in großen, oft mehrere Centner schweren Steinen, schweren Balken, Brandtöpfen und Viehkadavern. Die zur Bedienung sämtlicher Kriegsmaschinen bestimmten Mannschaften führten den Namen Blydner und standen unter dem Blydenmeister. - Für A. sagte man später Zeug; die Erbauer der Kriegsmaschinen wurden Zeugmeister oder Ingenieurs genannt.

Antwerpen, frz. Anvers, span. Ambéres. 1) Provinz im Königreich Belgien und ehemalige Markgrafschaft, grenzt im N. an die niederländ. Provinz Nordbrabant, im SO. an Limburg, im S. an Südbrabant, im W. an Ostflandern, hat 2831,73 qkm und (1880) 577 232, (1891) 713 740 (358 237 männl., 355 503 weibl.) kath., meist vläm. E., d. i. 250 auf 1 qkm, und zerfällt in die Arrondissements A., Mecheln und Turnhout. Das Land ist durchaus eben und fruchtbar, besonders bei Mecheln und in den Marschen der Schelde. Der Hauptfluß ist die schiffbare Schelde, die die Grenze gegen Ostflandern bildet und die Rupel aufnimmt; letztere ist durch Kanäle mit Brüssel und Löwen verbunden. Das Klima ist mild, aber feucht. Neben Getreide und Kartoffeln werden Flachs, Rübsamen, Krapp, Futterkräuter, Gemüse und Wiesenheu gebaut. Ferner bestehen Pferde- und Viehzucht sowie Fabrikation von Spitzen, Hüten, Zucker, Tuch-, Woll- und Baumwollwaren; Brauerei und Brennerei.

2) Bis ins 17. Jahrh. Hantwerpen, von ane de Werv, am Hafen, Hauptstadt der Provinz A., zugleich Hauptfestung und einer der wichtigsten Seehäfen Europas, 14 km von der holländischen, 102 km von der deutschen Grenze, 67 km von der Nordsee und 39 km von Brüssel, rechts an der Schelde, die vor der Stadt bei der Ebbe 350 m breit ist (bei Fort Lillo 745 m) und zur Flut durchschnittlich 4,29 m ansteigt. Die Stadt liegt 50° 13' nördl. Br. und 4° 23' 45" östl. L. von Greenwich, wenige Meter über dem Meeresspiegel. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 10,13° C., der Luftdruck 759,4 mm; der Temperaturwechsel ist

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