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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Apokryphenstreit; Apolda; Apolima; Apollinaris

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Apokryphenstreit - Apollinaris (der Jüngere)

und erst die Kirchenversammlung zu Trient hat in ihrer vierten Session 8. April 1546 die Gleichstellung der in der lat. Kirchenbibel (der sog. Vulgata) enthaltenen A. (außer dem 3. und 4. Esrabuche) mit den übrigen Schriften des Alten Testaments ausgesprochen; 1672 hat sich auf der Synode zu Jerusalem die griech. Kirche für die Inspiration der A. entschieden. Dagegen achtete Luther, obwohl er die A. mit wenigen Ausnahmen ins Deutsche übersetzte und als Anhang zum Alten Testament herausgab, diese für Bücher, "so der Heiligen Schrift nicht gleichzuhalten und doch nützlich und gut zu lesen sind". Es ist das eine Halbheit, die sich daraus erklärt, daß Luther den specifisch kath. Kanonsbegriff nicht überwunden hat. Luth. Theologen haben mehrfach versucht, die A. als religiös und ethisch minderwertig gegenüber dem Alten Testament hinzustellen; doch ist leicht nachzuweisen, daß hierin viele Stellen des kanonischen Alten Testaments noch tiefer stehen. Für die evang. Kirche handelt es sich lediglich um die Frage, inwiefern die A. des Alten Testaments das Wort Gottes für die christl. Gemeinde enthalten. Das richtet sich lediglich nach Inhalt und Wirkungen. Eine katholisierende Verkennung dieses Standpunktes ist daher die bei reform. Theologen namentlich Englands zu treffende absolute Verwerfung der A., weshalb die Englische Bibelgesellschaft nur Bibeln ohne die A. verbreitet. - Vgl. Zöckler, Die A. des Alten Testaments (Münch. 1891).

Von weit geringerer Bedeutung als die A. des Alten Testaments sind die des Neuen Testaments. Unter diesem Namen faßt man eine Menge untergeschobener Evangelien, Apostelgeschichten, Apokalypsen und Briefe zusammen, die zum Teil bis ins 2. Jahrh. hinaufreichen, sich aber durch Abenteuerlichkeit des Inhalts und abgeschmackte Übertreibung der Wundergeschichten von den neutestamentlichen Schriften unvorteilhaft unterscheiden; hg. u. a. von Tischendorf: "Evangelia apocrypha" (2. Aufl., Lpz. 1876); "Acta apostolorum apocrypha" (ebd. 1851); "Apocalypses apocryphae" (ebd. 1866); ferner von Lipsius und Bonnet: "Acta apostolorum apocrypha" (ebd. 1891). Die apokryphischen Evangelien behandeln meist die Kindheitsgeschichten Jesu (so das sog. Protevangelium Jacobi, der falsche Matthäus, das Evangelium des Thomas u. a.); die früher unter dem Namen Evangelium des Nikodemus bekannten Pilatusakten (aus der Mitte des 4. Jahrh.) erzählen die Passions- und Auferstehungsgeschichte Jesu mit fabelhaften Zusätzen. Außerdem giebt es eine ganze Reihe apokrypher Apostelgeschichten, wie die Akten des Paulus und Petrus, Andreas, Matthäus, Thomas, Philippus, Johannes und Bartholomäus. Diese stammen zum Teil aus judenchristlichen, zum Teil aus gnostischen Quellen, und wurden im Interesse des kath. Volks vielfach überarbeitet. Ein beliebtes Lesebuch der lat. Kirche waren seit den Zeiten Gregors von Tours die aus jenen apokryphen Apostelgeschichten hervorgegangenen, unter dem Namen des Abdias gedruckten "Virtutes" und "Passiones apostolorum". Erst neuerdings wurden interessante Bruchstücke der Petrusapokalypse (s. d.) und des Petrusevangeliums (s. d.) aufgefunden. - Vgl. Rud. Hofmann, Das Leben Jesu nach den A. erzählt (Lpz. 1851); Stichart, Die kirchliche Legende über die heiligen Apostel (ebd. 1861); Lipsius, Die apokryphen Apostelgeschichten und Apostellegenden (3 Bde. und Ergänzungsheft, Braunschw. 1888-90).

Über eine Reihe anderer altchristl. Schriften, die in verschiedenen Gegenden längere Zeit hindurch im kirchlichen Gebrauche waren, sich zum Teil auch in alten Bibelhandschriften finden, aber, weil nicht von Aposteln herrührend, aus dem neutestamentlichen Kanon ausgeschieden wurden, s. Bibel.

Apokryphenstreit, s. Bibelgesellschaften.

Apolda. 1) Verwaltungsbezirk im Großherzogtum Sachsen-Weimar, hat 797,24 qkm, (1890) 93 763 (45 789 männl., 47 974 weibl.) E., 13 790 bewohnte Wohnhäuser, 21 123 Haushaltungen und Anstalten, 151 Gemeindebezirke, 234 Wohnplätze, und umfaßt die Amtsgerichtsbezirke Allstedt, A., Buttstädt und Jena. - 2) Hauptstadt des Verwaltungsbezirks A., 14 km nordöstlich von Weimar am Zusammenfluß des Schötten- und Herresserbaches, die zur Ilm gehen, und an der Linie Halle-Gerstungen der Preuß. Staatsbahnen, Sitz der Bezirksdirektion, eines Amtsgerichts (Landgericht Weimar), Zoll- und Steueramtes und einer Reichsbanknebenstelle, hat (1890) 20 880 E., darunter 296 Katholiken und 52 Israeliten, einen Bürgermeister, 24 Stadtverordnete, Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, lateinlose Realschule, höhere Mädchenschule, Handels-, Volksschule, Krankenhaus, Wasserleitung, Feuermeldeeinrichtung; ferner Fabrikation von Wollwaren (67 Fabriken mit 8000 Arbeitern und Faktoreien in ganz Thüringen), Maschinen, Posamenten, Kartons, Kisten, Konditoreiwaren, geräucherten Fleisch- und Wurstwaren, Färbereien, Brauereien, Eisen- und Glockengießereien und Ziegeleien. Der jährliche Gesamtumsatz der Wollwaren beträgt gegen 20 Mill. M. - Das im Süden der Stadt auf einer Anhöhe gelegene Schloß ist Stammsitz der Herren von Vitzthum, deren Urahnen sich Herren von A. nannten. Am 15. Okt. 1633 kam Schloß und Rittergut mit allen Gerechtsamen, nachdem das Geschlecht 1631 ausgestorben, als Geschenk der Herzöge von Weimar und Altenburg an die Universität Jena, der es noch gehört. - Vgl. Kronfeld, Geschichte und Beschreibung der Fabrik- und Handelsstadt A. (Apolda 1871).

^[Abb.]

Apolima, eine der kleinsten der Samoa-Inseln (s. d.), an der Westküste von Upolu, gehört politisch mit der etwas größern Insel Manono zusammen. A. ist ein erloschener Krater, dessen Rand an einer Seite so weit eingestürzt ist, daß das Innere einen See bildet, der mit dem Meere in Verbindung steht. Dieser Eingang wird von einem davor liegenden Felsen gegen Einsicht geschützt. A. ist politisch wichtig, da es von den Samoanern für uneinnehmbar gehalten wird.

Apollinaris (richtiger Apollinarius) der Jüngere, Bischof von Laodicea in Syrien um die Mitte des 4. Jahrh., war ein eifriger Gegner des Arianismus (s. Arianer) und bildete im Kampfe gegen diesen eine eigentümliche, von der Kirche als ketzerisch verdammte Lehre von der Person Christi aus. Davon ausgehend, daß ein vollständiger Gott und ein vollständiger Mensch sich unmöglich zu einer Person vereinigen könnten, daß Christus ferner als vollständiger Mensch sündhaft, also zur Erlösung unfähig sein würde, lehrte A.: das Menschliche an Jesus bestand nur aus Leib und Seele, entbehrte