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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: A priōri; À propos; Aprosexĭa nasālis; Aprosōpus; Apsăras; Apschĕron

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A priori - Apscheron

Kunstausdruck in der Musik, bezeichnet, daß ein Tonstück (für Instrumente oder für Gesang) ohne vorherige Einübung ausgeführt wird. Im Deutschen sagt man dafür «vom Blatt» spielen oder singen und bezeichnet die Fähigkeit überhaupt, ein Musikstück in solcher Weise auszuführen, mit «vom Blatt lesen». Im Englischen bedeutet «at sight» dasselbe.

A priōri (lat.), ein in der Erkenntnistheorie namentlich seit Kant gebräuchlicher Kunstausdruck, der seinen Ursprung hat in der von Aristoteles aufgestellten Unterscheidung solcher Erkenntnis, die aus dem sachlich und logisch Frühern oder Vorausgehenden (a priori), d. h. aus allgemeinern Grundsätzen oder Principien gewonnen wird, von solcher, die aus dem Spätern, d. h. Abhängigen (a posteriori), nämlich aus weniger allgemeinen Erkenntnissen und zuletzt aus den einzelnen empirischen Thatsachen abgeleitet ist. Danach deckt sich Erkenntnis a posteriori mit induktiver oder Erfahrungserkenntnis, Erkenntnis a priori mit deduktiver oder Vernunfterkenntnis. Ungefähr so ist der Gebrauch beider Ausdrücke noch bei Leibniz. Nachdem aber die erkenntnis-theoretische Frage sich hauptsächlich auf die Grundsätze, die «allgemeinen und notwendigen» Wahrheiten, konzentriert hatte, ging die Bezeichnung Erkenntnis a priori vorzugsweise auf diese über. Die Grundsätze galten ehedem als von selbst verständlich und unmittelbar evident (gemeinhin als angeboren, s. d.); Kant zog gerade sie in Prüfung und verlangte für jeden Begriff und Satz, der a priori gelten will, eine besondere Deduktion (Nachweisung seiner Gültigkeit), die darin besteht, daß er als eine notwendige Bedingung oder ein Grundgesetz der Erfahrung selbst erwiesen wird. Nach dieser Auffassung sind die apriorischen Bestandteile der Erkenntnis weder in einem abgesonderten Gebiet jenseit der Erfahrung zu suchen, noch sind sie jemals zulänglich zu einer Erkenntnis von Objekten, die außerhalb des Bereichs unserer Erfahrung liegen; insofern bedeutet das A. p. nicht mehr einen Gegensatz zur Erfahrung, sondern beide Begriffe entsprechen sich genau. Nur indem Erfahrung nicht allein für das Ganze der empirischen Erkenntnis, sondern daneben auch für den einen Faktor derselben (denjenigen nämlich, der nicht auf dem Erkenntnisgesetz, sondern auf dem gegebenen sinnlichen Stoff beruht) gebraucht wird, steht das Apriorische dem Empirischen gegenüber und lehnt Kant eine empirische Begründung der von ihm behaupteten Erkenntnisse a priori (z. B. des Kausalgesetzes) ab. Noch besonders verwahrt er sich gegen die Gleichsetzung des Apriorischen mit dem Angeborenen. Alle Erkenntnis ist nach ihm erworben, aber ihr Erwerb beruht selbst auf solchen Principien, die in der Erkenntnis ursprünglich und für sie grundlegend sind. Sie werden uns erst bewußt im Laufe der Erfahrung selbst, die auf ihnen beruht; ja sie sind vielleicht dasjenige, worin wir am spätesten eine volle, abgeschlossene Einsicht gewinnen.

À propos (frz., spr. -poh), «bei passender Gelegenheit», da fällt mir eben ein, was ich noch sagen wollte; als Hauptwort: ein guter Einfall, besonders das Treffende eines Scherzes und dieser selbst (auch als Bühnenstück).

Aprosexĭa nasālis, eigentümlicher Symptomenkomplex, bestehend aus Schwindel, Kopfschmerzen, Unlust zu jeder Thätigkeit, allmählich zunehmendem Verlust des Denk- und Reproduktionsvermögens, Gehörstörungen und einem unbezwinglichen Widerwillen gegen Alkohol. Die Ursache der A. n. liegt meist in chronischen Krankheiten der Nasen- und Rachenhöhle, mit deren Beseitigung auch die A. n. verschwindet. ^[Spaltenwechsel]

Aprosōpus (grch.), eine Mißbildung mit fehlendem Antlitz.

Apsăras, im Sanskrit Name der Götterhetären. Sie gelten als Frauen der Gandharven (s. d.), sind von unvergänglicher Schönheit und Jugend und im Epos eine Zierde von Indras Himmel, wo sie bei Aufführungen als Tänzerinnen und Schauspielerinnen mitwirken. Der Lieblingsaufenthalt der A. sind Flüsse und Gewässer, weshalb sie im Veda auch «Wasserfrauen» genannt werden. Sie gelten als geistesverwirrend und werden oft von Indra auf die Erde gesandt, um einen Büßer zu verführen, dessen strenge Buße die Götter fürchten. Nach Geburt eines Kindes kehren sie in den Himmel zurück, ohne sich um das Kind zu kümmern. Die bekannteste A. ist Urvaçī, deren Liebesabenteuer mit Purūravas schon im Rigveda geschildert und in der spätern Litteratur häufig erzählt wird, auch dramatisch von Kālidāsa behandelt worden ist (Geldner in Pischel und Geldner, «Vedische Studien», Bd. 1, Stuttg. 1889). Das bekannteste Kind einer A. ist Çakuntalā, die Tochter der Mēnakā, deren Geschichte ebenfalls Kālidāsa dramatisch behandelt hat. – Über die A. vgl. A. Holtzmann in der «Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft», Bd. 33 (Lpz. 1879).

Apschĕron, eine zum russ. Gouvernement Baku in Transkaukasien gehörige Halbinsel, mit der das Südostende des Kaukasus als mächtiges Vorgebirge unter dem Namen Gjurgany über 60 km in das Kaspische Meer vorspringt und an deren Südküste Baku (s. d.) liegt. Die Halbinsel ist sehr hoch gelegen, eben, steinig und den Winden ausgesetzt, die den Sand vom Meeresufer in das Innere wehen und dort Dünen bilden. Nach der Sage der Perser soll sie sich früher bis zum Vorgebirge Taru, dem entgegengesetzten Ufer des Kaspisees, hingezogen und diesen in zwei Hälften geteilt haben.

Besonders merkwürdig ist A. durch seine Salsen oder Schlammvulkane, seine mächtigen Erdfeuer und andere Eruptionserscheinungen, in deren Bereich auch die umliegenden Inseln gehören. Das Petroleum liegt in den mittlern Tertiärschichten, unterhalb deren sich eine davon ganz durchdrungene Schicht über einer undurchlässigen Thonschicht vorfindet, und aus welcher es infolge von Gasdruck aufsteigt. Die mittlere Temperatur des Bodens ist 15°, die des Petroleums 16–18°, die der Gasquellen 20° C. Das Kleine Ewige Feuer liegt westlich, das Große Ewige Feuer 16 km nordöstlich von Baku, zwischen den Dörfern Surachany und Emir-Hadschan, an der Stelle Ataschga, d. h. Feuerort, wo die feueranbetenden Parsen oder Gebern einen Tempel gebaut hatten. Hier brennt das von Kohlenwasserstoffgas genährte, ohne Rauch und Geruch aufflammende Feuer in einer unregelmäßig gestalteten, 38 m langen und über 3 m tiefen Grube, deren Grund mehr felsig als erdig ist; doch brennt es nicht überall gleich hoch, nirgends über 6 m hoch. Über die Mauer des Tempelgebäudes ragten vier steinerne Röhren, aus denen große Flammen emporstiegen; auf den Mauern selbst erhoben sich andere kleinere Röhren. Jede Vertiefung, die man im Umkreise von 2 km in die Erde macht, läßt Gas ausströmen, das sich zwar nicht von selbst entzündet, aber, nachdem es angezündet, fortbrennt, bis man die Öffnung mit Erde zudeckt. An der Stelle des ehemaligen Tempels