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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Aprikosenäther - A prima vista

praecocia genannt; daraus entstand bei den Byzantinern prekokkia, bei den Arabern alberkuk (neugrch. berýkukkon); nach Italien kam sie später als albercoco und nach Spanien als albericoque zurück, woraus die Franzosen abricot machten. Der Aprikosenbaum wird entweder freistehend als Halb- oder Hochstamm gezogen oder als Spalier besonders an Westwänden angebracht; die Vermehrung erfolgt durch Okulation auf Zwetschen oder Damascenen; er kommt in jedem gut gelockerten Gartenboden fort, verlangt aber etwas geschützte Lage und über Winter in Norddeutschland Schutz gegen strenge Kälte. Die Früchte werden roh, namentlich aber eingemacht vielfach in den Handel gebracht; aus Italien kommen sie halbiert und getrocknet, aus Südfrankreich und den Donaufürstentümern eingemacht und kandiert in den Handel. In Nordamerika wird die A. im großen angebaut und zur Branntweinbereitung sowie gedörrt und gepreßt zur Verproviantierung der Schiffe, selbst als Schweinefutter benutzt; ebenso in Centralasien, wo das Holz des Aprikosenbaums das beste Brennholz liefert; es läßt sich auch auf der Drehbank gut verarbeiten. In Briancon wird aus den Kernen ein Öl, Huile de marmotte, gewonnen. Beste Sorten sind, Ende Juli reifend: A. von Nancy (s. Tafel: Steinobst, Fig. 4), Suinets A., A. von Syrien, Ruhm von Pourtales; Anfang August: A. von Breda, Andenken an Robertsau; Mitte August: Ambrosia-Aprikose, Moorpark.

Aprikosenäther, ein künstlich bereiteter Fruchtäther für die Bonbonfabrikation, besteht aus einer alkoholischen Lösung verschiedener Äthyl- und Amyläther. In sehr konzentriertem Zustande wird diese Mischung fälschlich als Aprikosenöl (s. d.), in verdünntem als Aprikosenessenz bezeichnet.

Aprikosenbaum, s. Aprikose

Aprikosenessenz, s. Aprikosenäther.

Aprikosenkerne, Aprikosensteine, die die Samen umschließenden Steinkerne der Aprikosenfrüchte; sie sind an der einen Seite mit einer Kante versehen und haben eine etwas zusammengedrückte Gestalt. Innerhalb ihrer harten Schale enthalten sie entweder einen süßen oder einen bittern Samenkern, ähnlich den Mandeln. Die A. bilden namentlich in Ostindien einen Handelsartikel; sie kommen als Ware meist aus Italien und Kleinasien, namentlich von Samsoun und Damaskus; der Export aus letzterer Stadt belauft sich allein auf jährlich 40-50 000 Säcke entschälter A. Dieselben enthalten etwa 50 Proz. fettes Öl (s. Aprikosenöl); aus den bittern Samen läßt sich durch Destillation mit Wasser ein ätherisches Öl gewinnen.

Aprikosenöl, das aus den Samen der Aprikosen durch Auspressen gewonnene fette Öl; es ist ebenso fein und wohlschmeckend wie das fette Mandelöl und wird zuweilen zum Verfälschen des letztern benutzt. Das A. ist etwas dunkler als das Mandelöl, hat ein spec. Gewicht von 0,9204 und erstarrt noch nicht bei -20° C. In Ostindien wird das A. im großen bereitet und als Speise-, Brenn- und Haaröl verwendet. Im Pandschab wird es Chooli-Ki-Tel genannt, in den Bazaren Indiens wird es als Badam-Kohee verkauft. Auch in Deutschland wird A. aus importierten Kernen bereitet.

Aprikosenpflaume, s. Pflaume.

Aprikosensteine, s. Aprikosenkerne.

April (mittelhochdeutsch abrille, abrelle, wie das franz. avril aus dem lat. aprilis), nach dem Julianischen der vierte, nach dem alten röm. Kalender der zweite Monat im Jahre, hat, wie schon die Alten annahmen, den Namen von dem lat. aperire, eröffnen, weil mit dem zweiten Monat in Italien das Frühjahr begann. Bei den Angelsachsen hieß der A. eastermonadh, d. i. Ostermonat. Auch Karl d. Gr. wollte die deutsche Benennung Ostermonat eingeführt wissen. Andere (Eschenburg) haben in neuerer Zeit dafür Wandelmonat oder Wandelmond gebraucht. Die Holländer nennen den A. Grasmonat. Der A. hat jetzt 30 Tage, vor Einführung des Julianischen Kalenders (s. Kalender) 29. Während der ersten zwei Drittel des A. steht die Sonne im Zeichen des Widders, während des letzten Drittels in dem des Stiers.

Die Temperaturmittel des A. liegen in fast ganz Europa über dem Eispunkt. Die Nullisotherme zieht sich längs der norweg. Küste herab bis zur Breite von Umea und geht von hiernach der Onegabai, Tobolsk und dem Nordende des Baikalsees. Die Isotherme für +5 °C geht über Kristiania, Kopenhagen, Königsberg nach dem Nordrand des Kaspischen Meers. Die 10 °C.-Isotherme verläuft von Nantes nach München, Wien, Konstantinopel und über den Kaukasus nach Chiwa. Temperaturen von 15° C. liegen auf der Linie Cadix, Marseille, Palermo. Athen, Cypern nach dem Südende des Kaspisees zu. In Nordamerika verläuft die Nullisotherme ungefähr längs der 50° nördl. Br. Die Isothermen über Null nehmen etwa folgenden Verlauf: +5 °C.: Sitka, Toronto, Halifax; +10 °C.: Neu-Westmünster, Leavenworth, Philadelphia; +15 °C.: St. Francisco, St. Louis, Richmond; +20 °C.: längs des Golfs von Mexiko. Die Schwankung der Wärme von Tag zu Tag stellt sich in Mitteldeutschland zu durchschnittlich 1,7 °C.

Über den Ursprung der noch jetzt vielfach in Deutschland und anderwärts (in Frankreich, England und Schottland) am 1. April üblichen Sitte des Aprilschickens (In den A. schicken; frz. donner un poisson d'avril "einen Aprilfisch geben", da die Fischerei erst wieder beginnt) und des Foppens der sog. Aprilnarren (engl. april-fool; schott. gowk, d. i. Gauch, Einfaltspinsel) sind verschiedene Meinungen aufgestellt worden. Gewöhnlich wurde bisher der Brauch als Nachahmung des Hin- und Herschickens Christi von Hannas zu Kaiphas, von Pilatus zu Herodes angesehen, weil im Mittelalter am Osterfeste, das meistenteils in den A. fällt, auch diese Scene bei den Passionsspielen aufgeführt wurde. Andere fanden darin eine Andeutung auf die Veränderlichkeit des Aprilwetters (das als Vergleich im gewöhnlichen Leben gebraucht wird und auch den Ausdruck Aprillaunen für schnell geänderte Ansichten veranlaßte). Doch ist er dem deutschen Altertum unbekannt und scheint, wie Grimm annimmt, erst in den letzten Jahrhunderten aus Frankreich eingeführt. Obgleich der Ursprung auch dort nicht aufgeklärt ist, so spricht manches dafür, daß er der Rest eines alten heidnischen, vielleicht kelt. Festes ist, das mit dem Beginn des Frühlings zusammenhing. Im Volksglauben gilt der 1. April als Unglückstag; an ihm Begonnenes mißlingt; geschlossene Ehen werden unglücklich; Krankheiten enden tödlich. Der 14. und 15. April (Tiburtius und Olympia) sind in Thüringen heilige Tage, an ihnen darf kein Dünger aufs Feld gefahren werden.

Aprilnarr und Aprilschicken, s. April.

A prima vista. (ital., "auf den ersten Anblick"), auch bloß prima vista und a vista, ein ital.