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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Argentinische Republik (Geschichte)

Verwaltungsbehörde gelten sollte. Aber es fehlte noch ein einigendes Band. Dazu kamen die Umtriebe der Unitarier (Centralisten), die die Konstitution vom 24. Dez. 1826 zu stande brachten, gemäß welcher die Konföderation durch eine an Zahl geringe Aristokratie gebildet wurde. Rivadavia wurde als Generalkapitän von Buenos-Aires Präsident der Konföderation, trat aber 7. Juli 1827 zurück.

Der größere Teil des Staates Buenos-Aires erhielt sein Gepräge von den unabhängigen Herdenbesitzern, die ihre Gewalt zu Gunsten des Föderalismus behaupten wollten. Sie fanden einen Führer in Don Juan Manuel de Rosas (s. d.), der Ende 1821 zum Gouverneur von Buenos-Aires sowie zum Haupte der Konföderation erwählt wurde. Nachdem er drei Jahre lang jeden Widerstand unterdrückt hatte, übertrug er 1832 seine Gewalt dem General Balcarce, um gegen die Indianer zu ziehen, die er über den Rio Colorado zurückdrängte. 1835 übertrug man ihm mehrmals die Diktatur, so daß er bis 1852 unumschränkter Herrscher von ganz Argentina blieb. Paraguay erhielt sich unter seinem Diktator Francia unabhängig, während auf Uruguay abwechselnd Argentina und Brasilien Anspruch machten. Erst 1828 vermittelte England die Unabhängigkeit Uruguays als einer selbständigen Republik. Dem Vertrage gemäß sollte Argentina die neue Republik beschützen; dies benutzte Rosas, um in die innern Zwiste (s. Uruguay) zwischen Oribe und Ribera einzugreifen. Während der daraus entstandenen Kämpfe fielen die Staaten Corrientes und Entre-Rios von Rosas ab, der dann, in der Schlacht von Monte-Caseros 3. Febr. 1852 durch die Truppen Brasiliens, Uruguays, Paraguays und der oppositionellen Teile Argentinas geschlagen, sich genötigt sah, nach England zu fliehen. Eine Versammlung von Abgeordneten der verschiedenen Staaten erwählte Mai 1852 Vincente Lopez zum provisorischen Gouverneur des Staates Buenos-Aires. Aber schon 23. Juni stellte sich Urquiza, der über die Armee verfügte, als Diktator an die Spitze, erkannte durch Vertrag die Unabhängigkeit Paraguays an und sicherte durch Verträge die freie Schiffahrt auf allen Nebenflüssen des La Plata. Am 11. Sept. 1852 brach jedoch eine Empörung aus, infolge deren Valentin Alsina zum Gouverneur erwählt wurde. Bueuos-Aires beschloß jetzt, sich von der Konföderation zu trennen und als selbständigen Staat zu erklären. Die 22. Jan. 1853 in Santa Fé versammelten Abgeordneten aller Staaten, Buenos-Aires ausgenommen, entwarfen eine Verfassungsurkunde, die 15. Mai veröffentlicht wurde. Man hatte in dieser den Staat Buenos-Aires ausdrücklich zum Haupt der Konföderation bestimmt in der Hoffnung, derselbe werde sich dem Bunde wieder anschließen. Zu Ende 1853 sollte die Konstitution in Wirksamkeit treten. Am 5. März 1851 wurde Urquiza zum Präsidenten der Konföderation auf fünf Jahre erwählt; zum Sitz der Regierung bestimmte man das in der Provinz Entre-Rios gelegene Bajada del Parana. Inzwischen hatte sich im Januar demselben Jahres auch Buenos-Aires eine Konstitution gegeben, in der ebenfalls die Rückkehr zur Konföderation vorgesehen war. Am 8. Jan. 1855 kam ein Vertrag zu stande, demzufolge beide Regierungen unabhängig sein sollten, aber Unteilbarkeit des Territoriums verbürgt wurde; bei drohender Gefahr von außen sollten die Staaten einander unterstützen; an den Grenzen sollten keine Pässe gefordert werden und die Schiffe beider Nationen die Nationalflagge führen, keiner von beiden Staaten sollte Steuern auf die Produkte des andern legen.

In Buenos-Aires wurde Obligado 1857 auf fünf Jahre zum Präsidenten gewählt. Alle Bemühungen, die alte Vereinigung vollends herzustellen, erwiesen sich jedoch als erfolglos, ja es wurde sogar infolge neuer Zwistigkeiten der Vertrag wieder aufgehoben. Nachdem 23. Okt. 1859 Urquiza die Truppen von Buenos-Aires bei Cepada geschlagen, wurde 10. Nov. 1859 durch den Frieden zu San José de Flores und die 6. Juni 1860 zu Parana geschlossene Union der Staat Buenos-Aires wieder mit dem argentin. Bunde vereinigt. Aber 1861 begannen wegen der Steuerfrage neue Feindseligkeiten; 17. Sept. schlug der General Mitré von Buenos-Aires die argentin. Truppen zu Pavon. Darauf dankte der Präsident des Bundes, Santiago Derqui, ab, die Nationalregierung wurde Mitré übertragen und für den 25. Mai 1862 nach Buenos-Aires eine Nationalversammlung berufen. Diese nahm eine neue Konstitution an, nach der die Stadt Buenos-Aires zur Konföderation eine ähnliche Stellung haben sollte wie der Distrikt Columbia in den Vereinigten Staaten von Amerika. Der erwählte Gouverneur sollte nur den Staat, nicht aber die Hauptstadt Buenos-Aires regieren; diese Bestimmung aber trat erst 1880 in Wirksamkeit. Mitré wurde 14. Okt. 1862 der erste Präsident der nun wieder vereinigten Argentinischen Konföderation.

Die neue Verfassung, nach dem Muster der nordamerikanischen entworfen, war den beiden polit. Hauptparteien des Landes, den Unitariern und Föderalisten, gleich gerecht geworden. Den Unitariern bot sie eine kräftige Centralgewalt, den gemäßigten Föderalisten hinreichende Selbständigkeit für die einzelnen Provinzen. Präsident Mitré war zudem ein tüchtiger staatsmännischer Kopf, der sein Volk kannte und zu leiten verstand. Aber der Übermut des Diktators von Paraguay, Lopez (s. d.), nötigte Brasilien zum Kriege und zog auch die Argentinische Konföderation mit hinein. Der vierjährige Krieg gegen Paraguay kostete der Argentinischen Konföderation 40 Mill. Dollars und 40-50 000 Mann, abgesehen von den 200 000 Opfern, welche die infolge des Krieges ins Land geschleppte Cholera forderte. Von 1865 bis 1868, während welcher Zeit Mitré an der Spitze der verbündeten Heere stand, geschah gegen Lopez nichts von entscheidender Bedeutung. Erst als im Jan. 1868 der Vicepräsident der Argentinischen Konföderation, Marcos Paz, starb und Mitré wieder verfassungsmäßig die Regierung übernahm, begannen die wirksamen Unternehmungen in Paraguay, die im Frühjahr 1870 mit gänzlicher Vernichtung der Lopezschen Macht und dessen Tode endigten. Als im Okt. 1868 Mitré's Amtsdauer ablief, wurde der damalige Gesandte der Konföderation in Nordamerika, Domingo Faustino Sarmiento, mit großer Mehrheit zum Präsidenten gewählt, der 12. Okt. 1868 seine Regierung antrat. Von dieser Zeit an nahm das Land einen mächtigen Aufschwung. Mehrere Aufstände in der Provinz Entre-Rios April 1870 und dann 1873 unter Lopez Jordan wurden bald unterdrückt. Schlimmer gestaltete sich die Lage, als die Präsidentschaft Sarmientos sich ihrem Ende näherte. Die Unitarier stellten Mitré abermals als Kandidaten auf, doch wurde Avellaneda, der Kandidat der Föderalen, 12. Juni 1874 gewählt, Mitré 26. Nov. bei La Verde geschlagen und 2. Dez. bei Junin zur Unterwerfung gebracht. Avellaneda trat 12. Okt. 1874 die Regierung an. Seiner Energie