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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arianismus; Ariano di Puglia; Aribert; Arica; Ariccia

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Arianismus - Ariccia

als kirchliche Rechtgläubigkeit sanktionierte. Obgleich selbst die Freunde des Arius, von ihrem polit. Parteiführer Eusebius auch Eusebianer genannt, diese Formel unterschrieben, bildete dies Konzil doch nur den Anfang eines jahrzehntelangen Kampfes.

Als Kaiser Konstantin sah, wie widerwillig das Morgenland aus Furcht vor Sabellianismus (s. d.) die neue Formel aufnahm, wandte er seine Gunst den Arianern zu. Arius ward 328 aus der Verbannung zurückberufen und sollte 336 in die Kirchengemeinschaft aufgenommen werden, als er plötzlich starb. Athanasius ward von einer Synode zu Tyrus abgesetzt und 336 nach Trier verbannt; die Eusebianer stellten auf der Kirchweihsynode zu Antiochien 341 vier Einigungsformeln auf, in denen der entscheidende Ausdruck "Homousie", Wesensgleichheit, ausgelassen ward; ja, auf der Synode zu Antiochien, 344, ward statt derselben die bloße Wesensähnlichkeit (Homöusie, daher Homöusiasten) behauptet. Das Abendland erklärte sich zwar auf den Synoden zu Rom 341 und zu Sardica 343 mit Entschiedenheit für die Wesensgleichheit, aber das Morgenland beharrte auf der Gegensynode zu Philippopolis 343 und der ersten zu Sirmium 351 bei der Wesensähnlichkeit und Kaiser Constantius II. zwang das Abendland, auf zwei Synoden, zu Arles 353 und zu Mailand 355, der Verurteilung des Athanasius beizutreten und die vermittelnde Formel der Eusebianer anzunehmen.

Jetzt aber zerfielen die bisher vereinigten Gegner der Wesensgleichheit in drei Parteien. Die strengen Arianer, geführt von Aetius aus Cölesyrien (350 Diakon zu Antiochien, gest. 370) und Eunomius aus Kappadocien (360 Bischof in Cyzikus, gest. nach 392), behaupteten jetzt offen die Wesensunähnlichkeit, Anomöusie (daher Anomöer), Heterousie (daher Heterousiasten) des Sohnes. Die Eusebianer zerfielen in die beiden Parteien der Homöusiasten und der Homöer. Jene, seit 358 Semiarianer genannt, blieben bei der in den Antiochenischen Formeln (341, 344) behaupteten Wesensähnlichkeit des Sohnes, die auf der dritten Synode zu Sirmium allgemein anerkannt ward. Diese begnügten sich mit der Formel: der Sohn ist dem Vater ähnlich. Durch ihren Einfluß bei Hofe wußten sie es durchzusetzen, daß 359 sowohl die nicänisch gesinnte Synode des Abendlandes zu Ariminum als die semiarianisch gesinnte des Morgenlandes zu Seleucia ihre Formel annahm. Als Julianus (s. d.) Apostata 361-363 allen Parteien "zu gegenseitiger Zerfleischung" Raum gab, standen sich bald wieder nur zwei Parteien gegenüber, Nicäner und Arianer. Aber immer mehr siegten die Anhänger der zu Nicäa festgestellten Wesensgleichheit des Sohnes, durch Festigkeit und Wissenschaftlichkeit ihrer Führer ebenso gestützt wie durch das Bedürfnis der gläubigen Christenheit. Unter Theodosius d. Gr. (379-395) kam dieser Sieg zum Ausdruck, indem das zweite ökumenische Konzil zu Konstantinopel 381 in seinem Symbolum Nicaeno-Constantinopolitanum die Wesensgleichheit des Sohnes endgültig feststellte. Der Arianismus verschwand dann im Römerreiche schnell, seitdem auch im Occident Valentinian II. (375-92) aus polit. Gründen gegen ihn thätig war, erhielt sich dagegen noch lange unter den Germanen. Erst das allmähliche Überhandnehmen röm. Kultur, in Verbindung mit der steigenden Macht der röm. Bischöfe, drängte einen german. Stamm nach dem andern zum "katholischen" Glauben hinüber (s. Goten, Burgund, Vandalen). Am längsten widerstanden die Langobarden (s. d.), welche bis 662 wenigstens offiziell-kirchlich den Arianismus bewahrten. Der allgemeine Sieg des Katholicismus wurde durch das siegreiche Vordringen der Franken entschieden, deren König Chlodwig (s. d.) sich zum kath. Glauben bekehrt hatte. - Vgl. Böhringer, Athanasius und Arius (Stuttg. 1874); Kölling, Geschichte der arian. Häresie (Gütersl. 1874); Gwatkin, Studies of Arianism (Cambridge 1832); ders., Arian controversy (Lond. 1889).

Arianismus, s. Arianer.

Ariano di Puglia (spr. pulja), das alte Equus Tuticus in Samnium, Kreisstadt und Bischofssitz in der ital. Provinz Avellino, zwischen den Flüssen Calore und Tribaldo, auf hohem, steilem Tuffsteinfelsen, in 817 m Höhe, an der Eisenbahnlinie Foggia-Neapel des Adriatischen Netzes, ist schlecht gebaut, hat (1881) 14 398 E. und zahlreiche Kirchen. Durch Erdbeben hat sie 1456 und 1782 stark gelitten. In dem Kalktuff der umliegenden Berge haben sich eine Menge Einwohner Wohnungen ausgehöhlt.

Aribert, seit 1018 Erzbischof von Mailand, rief Konrad II. nach Italien und krönte ihn 1026 in Mailand zum König. Konrad übertrug ihm die Reichsrechte im mailändischen Bezirk. Als jedoch infolge der harten Ausübung der Gewalt die Valvassoren (s. d.) sich gegen A. erhoben, trat Konrad auf ihre Seite und nahm A. gefangen. Er entkam aber nach Mailand, wo er, trotz der Ächtung vom Volke geschützt, dem kaiserl. Heere tapfern Widerstand entgegensetzte. Als Zeichen der Freiheit verlieh er der Bürgerschaft den Fahnenwagen (Carroccio, s. d.). In dem sich nun entspinnenden Kampfe der Stadt gegen die Valvassoren wurde A. aus der führenden Stellung verdrängt und für die erzbischöfliche eine kommunale Stadtverfassung eingesetzt. Er mußte flüchten und starb 16. Jan. 1045. - Vgl. Pabst, De Ariberto II. Mediolanensi primisque medii aevi motibus popularibus (Berl. 1864); Annoni, Monumenti spettanti all' arcivescovo Ariberto (Mail. 1872); Bonfadini, Milano nei suoi momenti storici (ebd. 1883).

Arica, Hauptstadt des Departamento A. (14 000 qkm mit 9208 E.) der chilen. Provinz Tacna und Hafenstadt, unter 18° 28' südl. Br. in dem einspringenden Winkel der Westküste Südamerikas, ist Sitz eines deutschen Konsularagenten und hat 3900 E., zur span. Zeit 30 000, als es der Haupthandelsplatz an der südamerik. Küste des stillen Meers war. A. ist ein ungesunder Ort, hat aber gutes Trinkwasser und bedeutenden Ausfuhr- und Einfuhrhandel mit Bolivia, dessen natürlicher Hafenplatz es ist. Die Einfuhr betrug (1888) 3 266 620 Pesos, die Ausfuhr der bolivian. Produkte 5 429 389, darunter Silber für 2 058 300 Pesos, Silbererze 1 761 575, Kupfer 636 964, Zinn 543 336, Chinarinde 115 671. Eine 63 km lange Eisenbahn verbindet A. mit Tacna. Am Südende des Hafens der befestigte Morro de A. (152 m). - A. ist über zwei Jahrhunderte alt und gehörte früher zu Peru. Das furchtbare Erdbeben 1868, das fast die ganze Seeküste Perus verheerte, zerstörte auch A. Nachdem die Chilenen im Kriege mit Peru 7. Juni 1880 die Festungswerke von A. erstürmt hatten, wurde es nebst der ganzen peruan. Provinz Tacna im Frieden von 1883 zunächst auf zehn Jahre an Chile abgetreten.

Ariccia (spr. arittscha), Stadt in der ital. Provinz Rom, unweit von Albano, mit dem es ein großartiger Viadukt verbindet, auf einer Anhöhe mit