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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arminius

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Arminius (Feldherr)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Arminianer'

ländischen, 2 Tle., Lemgo 1781–84); Schneckenburger, Vorlesungen über die Lehrbegriffe der kleinern prot. Kirchenparteien (Frankf. a.M. 1863); Dresbach, Die prot. Sekten der Gegenwart (Barm. 1888).

Arminĭus (der Name wird vielfach, aber mit Unrecht, für die röm. Form von «Hermann» gehalten), der Befreier des westl. Deutschlands von der Herrschaft der Römer, ward im J. 17 oder 16 v.Chr. als der Sohn eines cherusk. Häuptlings Segimer geboren. Er trat frühzeitig mit seinem Bruder Flavus in röm. Kriegsdienst, erwarb sich als Führer cherusk. Hilfstruppen das röm. Bürgerrecht und die Ritterwürde, gewann Kenntnis der lat. Sprache und einen tiefern Einblick in die röm. Kriegs- und Staatskunst. Als er nach Deutschland heimkehrte, während Flavus unter den Römern zurückblieb, fand er den kurz vorher nach Germanien gesandten röm. Statthalter Quintilius Varus seit dem Sommer 7 n.Chr. damit beschäftigt, die niederdeutschen Länder zwischen Rhein und Weser in eine röm. Provinz zu verwandeln. A. faßte den Plan, sein Vaterland von der Fremdherrschaft zu befreien. Das war aber unmöglich in offener Erhebung gegen eine ausgesuchte und erprobte Armee, die sich überdies durch ein System von Straßen und Befestigungen auf die wohlgesicherte Rheinlinie stützte. Deshalb griff A. zur List; Varus wurde, als er im Sommer des J. 9 n.Chr. mit etwa 25000 Mann an der Weser in der Gegend von Minden stand, durch A. und dessen Freunde in falsche Sicherheit gewiegt; vergeblich warnte ihn Segest, der Führer der röm. Partei unter den Cheruskern. Um zunächst die auf Betrieb A.' aufrührerischen Bewohner eines abgelegenen Landstrichs zu züchtigen, zog das röm. Heer auf dem Marsche von der Weser zu Anfang des September in westl. Richtung und kam in den unwegsamen Teutoburger Wald, wo es plötzlich von allen Seiten her durch die Scharen der Deutschen, deren Führer sich bis zum letzten Augenblick im röm. Hauptquartier als angebliche Bundesgenossen aufhielten, angegriffen und nach dreitägigem Kampfe vernichtet wurde. Die Besatzung von Aliso (s. d.) mit einer Anzahl Flüchtlingen vom Heere des Varus schlug sich durch. Die Feste selbst wurde erobert. Die Kunde dieses Schlags erregte in Rom die höchste Bestürzung; die Folge war die vorläufige Aufgabe des Plans, die Elbe zur Grenze des Römischen Reichs zu machen. Die Römer begnügten sich zunächst mit Sicherung der Rheingrenze. Im J. 14 begannen sie aber unter Führung des Germanicus (s. d.) den Angriff von neuem. Im J. 15 verwüstete dieser das Land der Katten. Auf dem Rückmarsch nach dem Rhein trafen bei ihm Gesandte von Segest ein, der die Römer gegen A. zu Hilfe rief. Nach dem Siege im Teutoburger Walde nämlich hatte A. die schon an einen andern verlobte Tochter Segests, Thusnelda, entführt, war darauf von Segest gefangen, aber wieder befreit worden. Darauf hatte Segest Thusnelda in seine Gewalt gebracht und auf seine Burg geführt, wurde nun aber von A. belagert. In raschem Zuge kehrte daher Germanicus um und entsetzte Segest. So kam mit letzterm und einer großen Anzahl seiner Verwandten und Freunde auch Thusnelda zu den Römern und gebar kurz darauf in röm. Gefangenschaft einen Sohn, den man Thumelicus nannte. Segest wurde zwar hoch geehrt, mußte aber zwei Jahre später in Rom zusehen, wie sein Sohn Segimund und Thusnelda mit ihrem Kinde den Triumphzug ↔ verherrlichten. Die Wegführung der Thusnelda entflammte A. aufs höchste, und aufs neue rief er die Cherusker und die Nachbarvölker unter die Waffen. Germanicus brach dagegen mit seiner ganzen Macht, etwa 80000 Mann, gegen A. auf, der sich in Wald- und Sumpfland zurückzog, bis er die Gelegenheit ersah, den nachrückenden Römern an einem nicht mehr näher bestimmbaren Punkte so wirksam entgegenzutreten, daß nach der Niederlage der Reiterei und der Hilfskohorten die Legionen nur mit Mühe das Schlachtfeld behaupteten und der Rückzug angetreten werden mußte. Auf diesem wurde die Abteilung des Cäcina von den Deutschen unter A. hart bedrängt und entging der vollständigen Vernichtung nur dadurch, daß das Ungestüm Inguiomers, des Oheims A.', den wohlberechneten Plan des letztern vereitelte. Noch großartigere Vorbereitungen traf Germanicus für den Feldzug des J. 16 n.Chr. Mit 1000 Schiffen lief er im Juni in die Ems ein, marschierte die Ems hinauf bis an die Haasemündung, von hier durch das Werrathal an die Weser, wo bereits A. mit dem deutschen Heere die Feinde erwartete. In dieser Gegend, unweit von Bückeburg, auf dem Felde Idistavisus (s. d.), ward nun die größte Schlacht der Römer in Deutschland geschlagen. Diese ging den Deutschen verloren, weil ihr Ungestüm, ihr Mangel an taktischer Übung und Kriegszucht die Befehle A.' durchbrach; aber trotz schwerer Verluste lieferten sie, wahrscheinlich bei Bergkirchen an dem sog. Steinhuder Meer, den Römern eine zweite blutige Schlacht, in der diese zwar siegten, aber doch nur den ungestörten Rückzug erkauften. Schwerere Verluste noch erlitt der auf der Flotte heimkehrende Hauptteil des röm. Heers durch heftige Stürme und Unwetter. Germanicus hoffte zwar im nächsten Jahre den Krieg zu beendigen, aber der Kaiser Tiberius rief ihn nach Rom zurück, wo er ihn im J. 17 einen glänzenden Triumphzug feiern ließ und mit Ehren überhäufte.

Kein röm. Heer wagte seitdem wieder, vom Rheine nach dem innern Deutschland vorzudringen. Kaum war indes der Feind vertrieben, als die Kämpfe unter den Deutschen selbst wieder um so heftiger ausbrachen. Der Markomanne Marbod, der Gründer eines mächtigen, von Böhmen bis zur Ostsee ausgedehnten Reichs, hatte seiner Zeit den von A. ihm zugesandten Kopf des Varus den Römern ausgehändigt und später dem Kampfe gegen Germanicus teilnahmlos zugesehen. Jetzt, als A. den deutschen Völkern als Hort der Freiheit erschien, fielen Semnonen, Gothonen und Langobarden vom Markomannenreiche ab und wandten sich zu A., während dagegen dessen Oheim Inguiomer mit seinem Anhange zu Marbod überging. Daraus entspann sich ein Krieg, und wahrscheinlich im J. 17 trafen die Heere A.' und Marbods aufeinander. Die Schlacht selbst blieb zwar unentschieden, indem beide rechte Flügel geschlagen wurden, aber Marbod zog sich zurück und mußte 19 n.Chr. bei den Römern Hilfe suchen, die ihm Ravenna zum Wohnort anwiesen. Auch A. überlebte Marbods Fall nicht lange. Wie es scheint, wollte er auch im Frieden die Obermacht bewahren und erlag in einem darüber ausgebrochenen Kampfe schon im J. 21 der Hinterlist seiner Verwandten in einem Alter von 37 Jahren. Weib und Kind hatte A. nie wiedergesehen, es fehlt überhaupt jede Nachricht über ihr weiteres Schicksal. Nur so viel weiß man, daß schon im J. 47 vom cherusk. Fürstenstamme nur noch der einzige Italicus, ein Sohn von A.' Bruder Flavus,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 909.