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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arni; Arnica; Arnikaöl; Arnikatinktur; Arnim

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Arni - Arnim (Adolf Heinr., Graf von)

dem holländ. Seefahrer Arnhem, der 1623 die Küsten des austral. Kontinents in dieser Gegend umfuhr.

Arni (Bubalus Arni Pall.), s. Büffel und Ochs.

Arnica L., Pflanzengattung ans der Familie der Kompositen (s. d.), mit nur 10 Arten, vorzugsweise in den Gebirgsgegenden der nördl. Halbkugel und bis in die arktische Zone hinauf. Die bekannteste Art ist die in manchen Gebirgen Deutschlands häufige Arnika oder Wohlverleih, A. montana L. (s. Tafel: Aggregaten I, Fig. 4; a Röhrenblütchen, b Durchschnitt desselben). Diese heilkräftige Pflanze treibt aus ihrem schief im Boden liegenden Wurzelstock einen 30 - 60 cm hohen, meist einfachen, mit zwei oder vier gegenständigen Blättern besetzten Stengel, der an seiner Spitze (ebenso die etwa vorhandenen Äste) ein bis 5 cm im Durchmesser haltendes Blütenkörbchen mit dunkelgoldgelben Strahl- und Scheibenblüten trägt. Die gegenständigen Blätter bilden am Grunde eine Rosette. Diese Pflanze wird sowohl von Ärzten als in der Volksheilkunde vielfach angewendet, und zwar benutzt man Blüten (offizinell als Flores Arnicae) und Wurzel. Sie sind kräftige Erregungsmittel für das gesamte Nerven- und Gefäßsystem, weshalb man die Blumen im Aufguß in kleinen Gaben innerlich giebt. In großen Gaben bewirkt die Wurzel heftiges Erbrechen. Außerdem bereitet man aus den Blüten die Arnikatinktur (s. d.). In der Wurzel und in den Blüten findet sich in geringer Menge ein eigentümlicher Stoff, das Arnicin, das als ein goldgelber amorpher, in Weingeist und Äther leicht löslicher Körper dargestellt wird; außerdem enthält die Arnikapflanze ein ätherisches Öl, das sog. Arnikaöl (s. d.).

Arnikaöl, ein in der Arnikawurzel zu etwa 1 Proz. enthaltenes ätherisches Öl von gelblicher Farbe und eigentümlichem Geruch, besitzt bei 16° C. ein spec. Gewicht von 0,9975, besteht zum größern Teile aus dem Dimethyläther des Thymohydrochinons und enthält außerdem noch Isobuttersäurephloroläther; in Weingeist ist es leicht löslich. Auch die Arnikablüten enthalten ein ätherisches Öl, das aber einen etwas andern Geruch hat.

Arnikatinktur, Arnika (Tinctura Arnicae), eine bräunlichgelbe Flüssigkeit, die für sich oder mit Bleiwasser u. s. w. gemischt zu Umschlägen bei Quetschungen u. s. w. sowie als Wundheilmittel verwendet wird. Sie ist offizinell und wird nach dem Deutschen Arzneibuch durch Ausziehen von 1 Teil Arnikablüten mit 10 Teilen verdünntem Weingeist dargestellt.

Arnim, altes märk. Adelsgeschlecht, das seinen Namen von dem Dorfe Arnim in der Altmark (Kreis Stendal) trägt. Dort erscheint 1204 der erste A. (Allard von A.). Mit den Schauenburger und Geldernschen Dynasten gleichen Namens (Arnheim, Arnhem, Arnem) besteht keine Stammverwandtschaft. Falsch ist auch die Annahme, die Familie sei aus der Stadt Arnheim nach den Marken gekommen. Das Geschlecht erscheint dann öfter im 14. Jahrh. als begütert, hauptsächlich in der Ukermark und in der Landschaft Barnim. Anfang des 15. Jahrh. beginnt mit den drei Brüdern Ludecke, Klaus und Wilke die ununterbrochene Namensreihe der ganzen Familie, die sich allmählich auch in Pommern, Franken, dem Magdeburgischen, in Sachsen, Mecklenburg und Preußen ausbreitete. Die Hauptbesitzungen waren und sind in der Ukermark, dort lagen auch die Schlösser Zehdenick, Zichow und Gerswalde, nach welchen die Nachkommen jener drei Stammväter sich benannten und in drei Linien schieden. Aus der Linie Zehdenick entstand Haus Fredenwalde und Crussow. Vom Hause Zichow zweigte sich Haus Seidewitz in Franken ab, aus dem die sächs. Arnims hervorgingen, begründet von Wolf Christian von A. (gest. 1668). Ebenfalls im 17. Jahrh. trennte sich Boitzenburg (erworben 1528) von Gerswalde.

In der Ukermark hatten die A. als das angesehenste Geschlecht fast regelmäßig von 1424 bis 1738, wo das Amt einging, die Landvogtei inne. - Von einzelnen Gliedern des Geschlechts sind zu nennen: Hans Georg von A. (s. d.) aus dem Hause Gerswalde-Boitzenburg. - Georg Abraham von A., geb. 27. März 1651 zu Boitzenburg, der Stifter des Suckowschen Majorats, diente vom 16. Jahre an in der preuß. Armee, wohnte 25 Schlachten und 17 Belagerungen bei und starb 19. Mai 1734 als preuß. Generalfeldmarschall. - Georg Dietlof von A., aus dem Hause Boitzenburg, geb. 8. Sept. 1679, wurde 1749 preuß. Wirkl. Geh. Staats-, Kriegs- und dirigierender Minister sowie Generalpostmeister und starb 20. Okt. 1753. - Friedrich Wilhelm von A., geb. 31. Dez. 1739, gest. 21. Jan. 1801, erbgesessen auf Boitzenburg und Zichow, war preuß. Staats- und Kriegsminister, wurde 2. Okt. 1786 in den preuß. Grafenstand erhoben. - Sein Enkel war der preuß. Staatsminister Graf Adolf Heinrich von A. (s. d.). Dessen Sohn, Dietlof F. A. von A. (s. d.), hinterließ als Erben den Grafen Dietlof (geb. 22. Aug. 1867).

Ein Zweig der Boitzenburger Linie ist das Haus Heinrichsdorff und Werblow, aus dem Heinrich Friedrich von A. (s. d.) von Friedrich Wilhelm IV. 1841 in den Grafenstand nach dem Rechte der Erstgeburt (erloschen 1861) erhoben worden ist. Sein Bruder Heinrich Leonhard von A. aus Heinrichsdorff (geb. 29. Sept. 1801, gest. 18. Nov. 1875) war von 1849 bis zu seinem Tode, mit Ausschluß der Wahlperiode 1862-65, Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses und Führer der Konservativen.

Einem andern Zweige dieser Linie, dem Hause Suckow, gehörte Freiherr Heinrich Alexander von A. (s. d.) an. Sein Neffe war der 1870 nach dem Recht der Erstgeburt zum Grafen erhobene Harry von A. (s. d.).

Ein Glied des Hauses Kröchlendorf, ebenfalls zu der Boitzenbnrger Linie gehörig, war Albrecht Heinrich von A., geb. 1744 zu Kröchlendorf bei Prenzlau, unter Friedrich Wilhelm III. 1798 Wirkl. Geh. Staats- und Justizminister, nahm 1802 seinen Abschied und starb 25. Okt. 1805.

Zu Ehren der Familie A. wurde 1889 nach ihr das 2. brandenb. Dragonerregiment Nr. 12 benannt.

Arnim, Achim von, s. Arnim, Ludwig Joachim.

Arnim, Adolf Heinr., Graf von, preuß. Staatsminister, geb. 10. April 1803 in Berlin als der jüngere Sohn des Grafen Friedr. Abrah. Wilh. von A., wurde durch Verlosung der Familiengüter Eigentümer des größern Teils des sehr erheblichen Grundbesitzes. Er studierte in Göttingen, wurde Landrat, 1833 Regierungspräsident in Stralsund, dann in Aachen, hierauf in Merseburg und 1840 Oberpräsident der Provinz Posen. Seit 1837 Mitglied des Staatsrates, wurde er 1842 der Nachfolger von Rochows im Ministerium des Innern. Zu einer Ausführung seines Programms einer ständischen Verfassung mit fester Periodicität des Landtages konnte es nicht kommen, da Friedrich Wilhelm IV. gerade die letztere nicht zugestehen wollte, und manche Maßregelungen, welche die öffentliche Mei-^[folgende Seite]