Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Atlas; Atlasbrokat; Atlascedernholz; Atlasholz; Atlaspapier; Atlasspat

42

Atlas (in der Mythologie) - Atlasspat

die die Verbindung mit dem auch zum Atlassystem gehörenden, aber westöstlich streichenden Er-Rif (d. h. Küstengebirge) an der Mittelmeerküste bildet.

Der mittlere Teil des A. in Algerien besteht aus zwei südwestlich-nordöstlich streichenden Ketten, den Fortsetzungen jener Zweige, in die sich die marokk. Hauptkette geteilt hat; zwischen beiden liegt die Hochebene der Schotts oder Salzsümpfe (etwa 1000 m), die mehr als 900 km weit Algerien durchzieht. Die zahlreich über das Plateau zerstreuten Schotts sieht man, ebenso wie die großen Schotts im W. des Golfs von Gabes, als Reste eines ehemals sich hierher erstreckenden Meeresarms an; jetzt ist die Hochebene mit dichten Beständen von Halfa, Artemisia und Thymian bedeckt und enthält Weiden für zahllose Schafe und Kamele.

Das nördl. Randgebirge, das Tell oder der Kleine A. im Gegensatz zum Großen A. am südl. Rande, im Dschebel Dschurdschura 2317 m hoch, wird von einigen Flüssen der Hochebene durchbrochen und durch die von ihnen durchfl offenen Längsthäler in elf, oft bestimmt voneinander getrennte Gruppen geteilt: das Udscha- und Hadadagebirge zwischen den Flüssen Muluja und Tafna; das Tessalagebirge zwischen Tafna und Sig; das Gebirge von Tlemsen zwischen marokk. Grenze und oberm Sig; das Saidagebirge zwischen Sig und Mina; der Dschebel Wanscherisch zwischen Mina und dem Scheliff; das Gebirge von Algier zwischen dem Scheliff und der Küste mit der fruchtbaren Metidscha-Ebene; der Dschurdschura zwischen Isser und Sabel; das Dirah-Uannughagebirge südlich vom Dschurdschura; das Setifgebirge zwischen Sahel und dem Fluß von Constantine; das Numidische Gebirge zwischen dem Constantinefluß und Seybouse; das Afrikanische Gebirge zwischen Medscherda und der Küste von Tunesien. Der Abfall zur Mittelmeerküste ist wie im Rif ein steiler, und nur von wenigen Punkten aus kann man in das Innere eindringen. Das südl. Randgebirge, der Große oder Saharische A., ist eine 150 km breite Zone unter sich paralleler Ketten, die im Scheliah bis 2328 m ansteigen. Der innere Abhang ist mit reicher Vegetation bedeckt, während der äußere nur steile nackte Felsen zeigt, schmale Schluchten führen vom Plateau in die Wüste hinab und sind jetzt von den Franzosen gegen die Einfälle der Wüstenstämme durch Forts geschützt. Tunesien wird von den östl. Ausläufern des A. durchzogen, die, nach W. an Höhe abnehmend, in vielen kleinen Zügen das Land durchziehen.

Silurisches und devonisches Ubergangsgebirge, ihrem Alter nach unbestimmte Dolomite, Jura und Kreide, Nummulitenkalk und jüngere Tertiärgebirge setzen den A. zusammen. Krystallinisches Gestein tritt an zahlreichen Küstenpunkten des Mittelmeers und in einzelnen elliptischen Massen im Innern auf. Die wenig aufgeschlossenen, aber zahlreich vorhandenen Mineralprodukte sind Kupfer, Eisen, Blei, Steinsalz, Kalk, Marmor u. s. w. Firn- und Gletscherbildung fehlt im A. vollständig. Auf den höchsten Gipfeln bleibt der Schnee nur einen großen Teil des Jahres liegen, und selbst auf dem Miltsin (3476 m) schmilzt der Schnee, wenn auch nur in 20 Jahren einmal, vollständig. Der Nordabhang ist im Winter oft wochenlang ganz mit Schnee bedeckt.

Die Bewohner des Gebirges, wahrscheinlich bereits vor dem Eindringen der Vandalen und Araber schon im Besitz des Landes, sind Berber, die in den unzugänglichen Teilen des Gebirges noch nicht unterjocht sind. Im westlichen A. sind es Schilluh, die feste Wohnsitze haben, die fruchtbaren Thäler bebauen und einige Industrie betreiben; im östlichen Masigh, die in Zelten und Höhlen wohnen und hauptsächlich Viehzüchter sind. (S. die Karten: Marokko und Algerien und Tunesien.)

Vgl. Schnell, Das marokk. Atlasgebirge (im Ergänzungsheft 103 zu Petermanns «Mitteilungen»), Gotha 1892); Wichmann, DerHohe A. (Marb.1892).

Atlas, in der griech. Mythologie der Träger des Himmels, Sohn des Titanen Japetos und der Klymene und Bruder des Menoitios, Prometheus und Epimetheus, Gemahl der Pleione, Tochter des Okeanos, die ihm auf dem Kyllenegebirge in Arkadien die Plejaden gebar; nach einigen war er auch Vater der Hyaden und nach Diodorus durch Hesperis Vater der Hesperiden. A. ist offenbar ein Bild der den Himmel scheinbar tragenden Berge. Zu dieser Auffassung stimmt der Umstand, daß er hauptsächlich in Arkadien, wo der Himmel auf den Bergen zu ruhen scheint, lokalisiert wird. Schon früh findet sich die Ansicht, es sei A. als Strafe auferlegt worden, den Himmel zu tragen. Als sein Vergehen betrachtete man später die Teilnahme am Kampfe der Titanen gegen die Götter. Dargestellt und erwähnt wird A. besonders im Zusammenhang mit dem Hesperidenabenteuer des Herakles (s. d. und Hesperiden), und zwar tritt er entweder auf, wie er die für Herakles, der inzwischen die Himmelskugel auf die Schultern genommen hat, herbeigeholten Äpfel diesem darbietet, oder er erscheint allein, die mit Sternbildern verzierte Himmelskugel mit aller Anstrengung auf den Schultern emporhaltend. Nach der die Mythen rationalistisch umdeutenden Erzählung späterer Schriftsteller galt A. endlich als ein durch genaue Kenntnis der Gestirne ausgezeichneter König, der die erste Himmelskugel verfertigt haben sollte, eine Vorstellung, an die der moderne Gebrauch des Wortes anknüpft.

Atlasbrokat, s. Atlas (Gewebe).

Atlascedernholz, das Nutzholz der Atlasceder, Cedrus atlantica Manetti, die nur in Algerien vorkommt und überhaupt erst seit 1838 bekannt ist. Dieses Holz ist sehr feinfaserig, ohne schwer zu sein, besitzt eine schöne rote Färbung, läßt sich leicht bearbeiten, biegt sich nicht und sein angenehmer Geruch schützt es vor dem Angriff der Insekten; es nimmt eine sehr schöne Politur an. Diese Bäume haben oft einen sehr beträchtlichen Umfang; sie wachsen häufig in den Provinzen Constantine und Algier; die Wälder von d'Ain, Talacit und Teniel el-Haad sind beinahe ausschließlich von ihnen gebildet.

Atlasholz, Satinholz oder Seidenholz, nicht der Name einer bestimmten Holzart, sondern Bezeichnung einer größern Anzahl verschiedener ausländischer Holzarten, die sich sämtlich durch einen feinen seidenartigen Glanz auf ihrer polierten Schnittfläche auszeichnen.

Atlaspapier oder Satinépapier, Papier, das, auf der einen Seite mit einer hellen Körperfarbe bestrichen, durch Einreiben mit fein gepulvertem Talk (Federweiß) einen seidenartigen, beim Befeuchten nicht verschwindenden Glanz erhält.

Atlasspat oder Atlasstein, nach ihrem seidenschimmernden Glanze benannte, sehr feinfaserige Form des kohlensauren Kalks. Er ist meist nur an den Kanten durchscheinend, schnee- und rötlichweiß, oder durch verschiedene Metalloxyde bläulich oder grünlich gefärbt und nimmt trotz feiner geringe Härte eine schöne Politur an, weswegen er nament-^[folgende Seite]