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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Atmungskunde; Atmungsorgane; Ätna

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Atmungskunde - Ätna

dung steht deshalb in genauem Verhältnis zur A., und man hat nicht mit Unrecht das ganze Verhältnis in der Weise darzustellen gesucht, daß bei der Verbrennung der tierischen Substanzen im Körper die Atemorgane den Rauchfang darstellen, durch welchen die flüchtigen Stoffe entweichen, während die Harnorgane die Asche nach außen führen.

Für Erhaltung der Gesundheit ist es nötig, daß die einzuatmende Luft die gehörige Beschaffenheit habe, d. h. reine atmosphärische Luft sei. Die Verunreinigung der Luft durch gewisse sog. irrespirable Gasarten, wie Kohlenoxydgas, Koblenwasserstoffgas, Schwefelwasserstoffes u. s. w. wirkt wenigstens auf die höher organisierten Körper geradezu vergiftend. Aber auch ganz reine atmosphärische Luft wird in einem geschlossenen Raume, wo keine Erneuerung derselben stattfindet, schon durch die A. selbst allmählich untauglich zur Unterhaltung des Respirationsprozesses, indem sich ihr Sauerstoff immer mehr vermindert, dagegen ihr Gehalt an Kohlensäure immer mehr zunimmt. Hieraus ergiebt sich die Notwendigkeit, in den Wohnzimmern nicht nur der Gesunden, sondern auch der Kranken stets für gehörige Lüftung zu sorgen. (S. Ventilation.) Eine gesunde, reine Luft ist für das Gedeihen des Körpers noch weit wichtiger, als eine gesunde, nahrhafte Kost. Gleichwohl legt man auf letztere ein viel größeres Gewicht als auf erstere. Namentlich an Orten, wo Menschen in geschlossenen Räumen stundenlang atmen müssen, in Sälen, Theatern, vor allen Dingen aber in Schulzimmern und Schlafstuben ist die Sorge für reine Luft erste Bedingung. Die Gewohnheit hat hier die schädlichsten Dinge eingewurzelt. Der Mensch bringt etwa ein Drittel seines Lebens im Schlafzimmer zu, und nichtsdestoweniger wählt man dazu die engsten, dunkelsten Räume der Wohnung und verwehrt zudem noch der Luft durch dichte Vorhänge den Zutritt. Zahllose Krankheiten stammen aus der Vernachlässigung der A. Jeder also, insbesondere der Kranke und Genesende, suche sich reine Luft zu verschaffen, sorge aber auch dafür, daß er sie gehörig atme. Alles, was die kräftige Entwicklung des Brustkastens hemmt, was die Ausdehnung desselben beim Einatmen hindert, muß möglichst beseitigt werden. Enge Kleidungsstücke um Brust und Bauch, Gurte, Schnürleiber, feste Hosenträger u. s. w. sind durchaus zu vermeiden. Männern ist eine erkünstelte Taille noch viel schädlicher als Frauen, weil Männer mehr mit den untern Teilen des Brustkastens atmen und überhaupt ein stärkeres Atmungsbedürfnis haben als Frauen. Dauerndes Stehen und Sitzen mit gekrümmtem Rücken ist immer und besonders in der Jugend schädlich. Manche gewöhnen sich dabei, eine so oberflächliche, ungenügende A. an, daß bald der ganze Körper darunter leidet. Wer sich bei seiner Beschäftigung nicht genügende Bewegung machen kann, unterbreche dieselbe also wenigstens von Zeit zu Zeit durch einige Atemzüge bei stehendem Körper.

Vgl. Speck, Physiologie des menschlichen Atmens (Lpz. 1892).

In der Botanik versteht man unter A. denjenigen Stoffwechsel im vegetabilischen Organismus, bei dem Sauerstoff aufgenommen und Kohlensäure infolge Verbrennung des Kohlenstoffs abgeschieden wird. Zahlreiche Untersuchungen haben sicher festgestellt, daß alle lebenden Pflanzen und Pflanzenteile atmen, und daß diese A. eine Notwendigkeit für die Lebensthätigkeit der Pflanzen ist. Die A. ist nicht wie die Assimilation (s. d.) abhängig vom Chlorophyll (denn alle, auch die nichtgrünen Pflanzen atmen), sondern sie findet höchstwahrscheinlich im lebenden Protoplasma überhaupt statt, und diejenigen Stoffe, die vorzugsweise bei der A. verbrannt werden, sind vor allem die Kohlenstoffverbindungen, die bei der Assimilation in grünen Pflanzen gewonnen werden oder bei nicht chlorophyllführenden bereits als organische Körper aus Fäulnisprodukten und lebenden Organismen aufgenommen wurden. Während bei der Assimilation Kohlensäure aufgenommen und Sauerstoff abgegeben wird, findet bei der A. das Umgekehrte statt; es ist deshalb nicht richtig, allgemein zu sagen, daß die Pflanzen Kohlensäure der Luft entziehen und Sauerstoff an dieselbe abgeben. Bei nichtgrünen Pflanzen ist nur A. vorhanden; es kann also von einer Sauerstosfausscheidunq hier nicht die Rede sein. Bei chlorophyllführenden Pflanzen findet Assimilalion und A. bei genügender Beleuchtung gleichzeiig statt, während des Tages überwiegt die Assimilation, während der Nacht dagegen findet nur A. statt. - In der Pflanzenphysiologie unterscheidet man noch eine intramolekulare A., bei der die Pflanze nicht den Sauerstoff der Luft zur Verbrennung benutzt, sondern den, der sich in gewissen organischen Verbindungen in dem vegetabilischen Organismus selbst befindet. Dieser Atmungsprozeß findet statt, wenn Pflanzen unter Abschluß von Sauerstoff kultiviert werden; wesentliches Produkt derselben ist ebenfalls Kohlensäure. Als Verbrennungsmaterial dienen bei diesem Atmungsprozeß gleichfalls gewisse Kohlenstoffverbindungen, vorzugsweise die Kohlehydrate (s. d.), wie Stärkemehl und Zucker. Formen der intramolekularen A. sind höchstwahrscheinlich die verschiedenen Arten der Gärung (s. d.).

Atmungskunde, s. Atmiatrie.

Atmungsorgane oder Respirationsorgane, die zur Atmung (s. d.) dienenden Organe des tierischen und menschlichen Körpers (s. Lunge, Kiemen, Tracheen).

Ätna (ital. Etna oder Mongibello, aus monte und arab. Dschebel, Berg), der höchste der feuerspeienden Berge Europas, erhebt sich im nordöstl. Teile Siciliens terrassenförmig aus der Ebene von Catania bis zu 3313 m. Seine Basis hat einen Umfang von etwa 130 km, und auf seinen Abhängen liegen 65 Ortschaften mit etwa 300000 E. Er ist ringsherum durch tiefe Einsenkungen von dem umgebenden Kalk- und Thongebiet getrennt, namentlich durch die Flüsse Alcantara im N. und Simeto im W. und S. Seine Unterlage, besonders an den östl. Steilküsten mehrfach aufgeschlossen, scheint durchweg aus denselben Schichten zu bestehen wie die übrige Insel. Über dieser Basis steigt sein mächtiger Kegel empor, besetzt mit mehr als 200 kleinen Kraterbergen, bis zur Höhe von etwa 3000 m. Hier findet sich ein Gipfelplateau, der Piano del Lago, von etwa 3 km Durchmesser, über dem der eigentliche Kegel noch 300 m emporsteigt. An der Südseite des Piano del Lago ist die für Besteigungen des Ä. unentbehrliche Casa Inglese (2942m), 1811 von Engländern angelegt. Hier kocht das Wasser bei 89° C., und die Flora schließt ab. Daneben ist ein astron. Observatorium errichtet, das auch noch Gelegenheit zur Unterkunft für Reisende bietet. An der Ostseite des Plateaus findet sich eine tiefe Einsenkung, nach dem Meere geöffnet, das Val del Bove, das als ehe-^[folgende Seite]