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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Baipur; Bairak; Bairaktar; Bairam; Baird; Baireuth; Bairischblau; Bairut; Baisch; Baise; Baisemain; Baiser; Baisse

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Baipur - Baisse

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Baiocco'

Geldrechnungsstufe und Kupfermünze im ehemaligen Kirchenstaat, welche der 10. Teil eines Paolo oder der 100. Teil eines Scudo war = 4 3/8 Pf. Man hatte in Kupfer Stücke zu 1 B., zu 2 B., zu 1/2 B. und zu 1/5 B. oder 1 Quattrino, eine Zeit lang auch Stücke zu 5 B. Auf der Insel Sicilien führte früher der neapolit. Grano (der 100. Teil des Ducato), gleichfalls eine Kupfermünze, den Namen B.; er galt 2 sicil. Grana und entsprach 3 4/9 Pf.

Baipur, s. Malabar.

Bairak (türk.), Fahne, Banner.

Bairaktár (d. h. der Fahnenträger), der Beiname Mustaphas, eines der energischsten Anhänger der Reform in der Türkei. Um 1755 geb., trat er in Militärdienste und kämpfte 1806 als Pascha von Rustschuk gegen die russ. Armee. Nach der Janitscharenrevolution von 1807, wodurch Sultan Selim III. zu Gunsten Mustaphas IV. vom Throne gestoßen war, ergriff er die Partei Selims, setzte nach Ermordung desselben durch die Janitscharen Mustapha IV. ab und proklamierte 28. Juli 1808 dessen Bruder Mahmud II. als Sultan. B. wurde nun zum Großwesir ernannt. Als solcher setzte er den Großmufti, den Anführer der Janitscharen und alle Ulemas ab, die irgendwie teil an der letzten Revolution genommen hatten; zugleich aber sorgte er kräftig für die Ruhe der Hauptstadt und verstärkte die regelmäßige Armee. Sein Hauptziel war die Vernichtung der Janitscharen, die sich endlich, von dem fanatischen Pöbel begünstigt, empörten, 15. Nov. 1808 das Serail angriffen und die Wiedereinsetzung Mustaphas IV. verlangten. Tapfer verteidigte sich B. dort. Als er aber sah, daß die Flammen den Palast bedrohten, ließ er den gefangenen Sultan Mustapha erdrosseln, warf den Stürmenden dessen Kopf zu und sprengte sich in die Luft.

Bairâm oder Beirâm, in der Türkei Bezeichnung zweier Feste, einmal des nach Beendigung des Fastenmonats Ramasan auf den Anfang des Monats Schewwâl fallenden Großen B. und dann auch des 70 Tage später auf den 10. Dsulhiddsche fallenden Kleinen B. oder Opfer- (Kurban-) Bairâm, des Opferfestes der Wallfahrt nach Mekka. In arab. Ländern nennt man die Bairamfeste mit dem Namen ’Id (d. h. Feiertag), und zwar das auf das Ramasanfasten folgende Fest ’Id al-fitr (d. h. das Fest des Fastenbrechens), das Kurban-Bairâm: ’Id al-adhha (in Indien Bakr-’id).

Baird (spr. bährd), Spencer Fullerton, amerik. Naturforscher, geb. 3. Febr. 1823 in Reading (Pennsylvanien), wurde 1845 am Dickinson-Kollegium Professor für Naturwissenschaften, 1850 Hilfssekretär, 1878 (nach dem Tode von Joseph Henry) erster Sekretär der Smithsonian Institution. B. starb 19. Aug. 1887 zu Woods Hole (Massachusetts). Die Zahl seiner Arbeiten beträgt gegen 1300; hervorzuheben sind: Die Übersetzung der 1. Auflage des Brockhausschen «Bilderatlas zum Konversations-Lexikon» («Iconographic Encyclopaedia», 4 Bde. und 2 Bde. Tafeln, Neuyork 1849–51). Ferner «Catalogue of North American Mamals» (1857), «Catalogue of North American Birds» (1858), «Birds of North America» (2 Bde., mit Atlas, Washingt. 1870), «History of North American Birds» (3 Bde., Lond. 1875). 1871 ward er Vereinigten-Staaten-Kommissar für Fische und Fischereien, um die Abnahme und die Mittel zur Vermehrung der eßbaren Fische zu ergründen.

Baireuth, s. Bayreuth. ↔

Bairischblau, Name einiger blauen Teerfarbstoffe aus triphenylrosanilintrisulfosauren Salzen.

Bairût, Stadt in Syrien, s. Beirut.

Baisch, Hermann, Landschaftsmaler, geb. 12.Juli 1846 zu Dresden, ging 1868 nach Paris und von da, berührt von dem Einflusse eines Rousseau und Dupré, 1869 nach München, wo er Lier zu seinem Meister erwählte. Die feine Beobachtung der koloristischen Stimmungen, wie sie der Wechsel der Tageszeiten und die Reflexe des Lichts hervorbringen, insbesondere aber der klare Silberton, der gewöhnlich die Grundstimmung seiner Landschaften bildet, reiht ihn unter die hervorragendsten Schüler Liers. Auf der Wiener Weltausstellung 1873 prämiiert (Morgen, Mittag und Abend als Landschaften mit Tierstaffage), erhielt er 1880 einen Ruf als Professor der Landschaftsmalerei nach Karlsruhe und wurde 1886 ordentliches Mitglied der Berliner Akademie. Seine hervorragendsten Werke sind: Mühle bei Mondschein (1878; Galerie zu Stuttgart), Heimkehrende Herde (1879; Museum zu Breslau), Holländische Kanallandschaft (1882; Dresdener Galerie), Bei Dordrecht zur Ebbezeit (1884; Nationalgalerie zu Berlin). Auf der Internationalen Kunstausstellung zu Berlin 1891 war B. vertreten u. a. mit: Gegen die Brandung, Auf der Höhe der Dünen; zu München 1893 mit: Krevettenfischer nach dem Strande ziehend. Er starb 18. Mai 1894 in Karlsruhe.

Baïse oder Bayse, linker Nebenfluß der Garonne, entspringt in einer Höhe von 560 m, auf dem Plateau von Lannemezan im franz. Depart. Hautes-Pyrénées, fließt als Große B. oder Baise-Derrière über Trie und tritt in das Gers-Departement, unterhalb Condom, von wo die B. auf 56 km mittels Schleusen schiffbar ist, in das Depart. Lot-et-Garonne und erreicht bei Pascau, 3 km oberhalb der Lotmündung, nach einem durchweg südnördl. Laufe von 185–190 km in 23 m Höhe die Garonne. Die Arbeiten zur Schiffbarmachung des Flusses sind auf 83,6 km vollendet. Auf dem Flusse werden besonders Wein, Branntwein, Getreide und Baumaterialien (1887 im ganzen 161577 t) befördert.

Baisemain (frz., spr. bähs’mäng), Handkuß; Baisement (spr. bähs’máng), Fußkuß (beim Papste); in der Mathematik Berührung zweier krummer Linien von innen.

Baiser (frz., spr. bäseh), Kuß; Zuckergebäck aus steifgeschlagenem Eiweißschnee.

Baisse (frz., spr. bäß), das Sinken des Kurses der Staatspapiere, Aktien und anderer Wertpapiere. Die darauf gerichtete Spekulation wird Spekulation à la baisse genannt. Derjenige Spekulant, in dessen Vorteil jenes Sinken liegt und der absichtlich dasselbe herbeizuführen sucht, beißt Baissier, Kontermineur oder auch Fixer, an der Londoner Börse Bear. Das Mittel, B. herbeizuführen, besteht hauptsächlich in der Beeinflussung der Börsenmeinung. Das Interesse des Baissiers ist darauf gerichtet, daß sich die Börse in Täuschung über den wirklichen augenblicklichen oder wahrscheinlichen spätern Wert der fraglichen Papiere befinde. Zu diesem Ende bedient man sich ebensowohl großartiger und mit Marktschreierei ins Werk gesetzter Scheinverkäufe, als sog. flauer Berichte, selbst des Ausstreuens von Gerüchten über angebliche polit. Ereignisse u. s. w. Selbstverständlich besteht die Spekulation à la baisse darin, daß Geschäfte eingeleitet werden, die nur dann Gewinn abwerfen, wenn die in der Überzeugung der Spekulan-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 305.