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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ballistik - Ballon d'essai

zusammen, so daß, wenn man zum Fortschleudern des Geschosses die Verbindungssehne losließ, deren natürliche Schnellkraft sich mit der Gewalt der beim Vorschnellender Arme sich zurückdrehenden senkrechten Sehnencylinder vereinigte.

Eine den Römern eigentümliche Art von B. war der Onager (s. nachstehende Figur).

^[Abb.]

Er hatte nur einen Arm, der mit dem einen Ende zwischen starken, zusammengedrehten, horizontal im Gerüst liegenden Sehnen steckte, während das andere freie Ende in Form eines kolossalen Löffels, zur Aufnahme des Geschosses, gestaltet war. Zum Laden des Geschützes zog man das freie Ende des in einer vertikalen Ebene sich bewegenden Arms mittels eines Windewerks nieder, hielt den Arm mit einem Haken fest und belastete den Löffel. Der horizontale Sehnenstrang war durch das Niederziehen des Arms gespannt, also zur Kraftentwicklung bereit. Wollte man schleudern, so schlug man den Haken heraus; der Arm wurde nun von der sich aufdrehenden Sehne in die Höhe gerissen und schleuderte dabei den Inhalt des Löffels im hohen Bogen fort.

Die B. wurden den Römern durch die Griechen bekannt. Sie bedienten sich ihrer bereits in den Punischen Kriegen, und diese Maschinen bildeten wahrscheinlich bis in den Anfang des 3. Jahrh. n. Ehr. die einzigen Wurfgeschütze der Römer. Von da ab ward der Önager als Wurfgeschütz und neben ihm ein Bogengeschütz mit einem eisernen Bogen, welches nun den Namen B. erhielt, als Horizontalgeschütz im Sinne der Katapulten (s. d.) verwendet. Erst in der spätesten Kaiserzeit kommen vierräderige B., auch Carroballisten genannt, als Horizontalgeschütze im Feldkrieg vor. Die schwersten B. warfen Körper von 2 bis 6 Ctr. Gewicht auf Entfernungen von etwa 1000 Schritt.

Vgl. Rüstow und Köchly, Geschichte des griech. Kriegswesens (Aarau 1852); Jähns, Handbuch einer Geschichte des Kriegswesens (Berl. 1880); Droysen, Heerwesen und Kriegführung der Griechen, in Hermanns «Lehrbuch der griech. Antiquitäten», Bd. 2 (Freiburg 1888).

Ballistik (vom grch. bállein, d. h. werfen), die Lehre von der Bewegung geworfener oder geschossener Körper, namentlich der aus Feuerwaffen fortgetriebenen Geschosse. Soweit die Bewegung des Geschosses im Feuerrohr erfolgt, spricht man auch von innerer B., im Gegensatz zur äußern, die die Bewegung außerhalb des Rohrs betrachtet. Die praktische B. oder Schießkunst umfaßt den rationellen Betrieb des praktischen Schießens. Die Hauptaufgabe der wissenschaftlichen B. ist die Entwicklung der Abhängigkeit der Flugbahnkurve, der sog. ballistischen Linie (s. Flugbahn), von ihren Faktoren (Geschwindigkeit, Richtung und Drehung, mit der das Geschoß den Lauf verläßt, Schwerkraft der Erde und Luftwiderstand). Hierzu ist das Verständnis der höhern Mathematik erforderlich, und die gewonnenen Ergebnisse haben nur für Männer der Wissenschaft und Waffenkonstrukteure Wert. Annähernd lassen sich einzelne Gesetze auch mittels der Elementarmathematik darstellen. Für den Soldaten ist das Schießen aber ein Versuchen, das durch die aus der Erfahrung hergeleiteten Lehren geregelt werden kann. Litteratur s. Flugbahn.

Ballistische Linie, Ballistisches Pendel, Ballistisches Problem, s. Flugbahn.

Ballistit, s. Nobels rauchschwaches Pulver.

Ballivus, s. Bailli.

Ballon (frz., spr. -óng), kugelförmiger hohler Körper, insbesondere Luftballon (s. d.); in der Technik Bezeichnung für die großen bauchigen Glasflaschen von etwa 40 bis 50 l Inhalt, deren man sich zum Aufbewahren und Versenden der starken Säuren, destillierten Wassers u. dgl. bedient; sie werden allgemein, um sie vor Beschädigungen zu schützen, durch Strohgeflecht in starten, aus ungeschälten Weiden angefertigten Körben befestigt.

^[Abb.]

Beim Gebrauch setzt man sie zweckmäßig in ein eisernes Gestell, das an zwei Zapfen in einem Lagerbocke (s. beistehende Figur); mittels eines an dem Gestell befestigten langen Handhebels kann man dem B. leicht jede beliebige Neigung geben, wodurch das Aufgießen der Flüssigkeit sehr erleichtert wird. Über die Herstellung der B. s. Glas.

Mit B., oder dem franz. technischen Ausdruck Bombonne, bezeichnet man auch die aus hartgebranntem Steinzeug angefertigten, mit zwei weiten und einem engen Halse und auch wohl mit einem dicht über dem Boden befindlichen thönernen Ablaßhahn versehenen flaschenförmigen Apparate, welche in der Fabrikation der Salpetersäure, früher auch der Salzsäure, zur Verdichtung der Säuredämpfe dienen.

Ballon (frz., spr. -óng), deutsch Belchen, heißen wegen ihrer kuppel- oder domartigen Gestalt mehrere der höchsten Gipfel der Vogesen im Oberelsaß, die den Belchen des gegenüber liegenden Schwarzwaldes entsprechen. Die wichtigsten sind: der B. de Giromagny oder d' Alsace (Welscher oder Elsasser Belchen) bei Giromagny, 1245 m hoch. Über denselben führt eine Verbindungsstraße von Belfort nach Epinal. Der B. von Gebweiler, auch B. von Sulz, und als höchster Gipfel der Vogesen auch schlechthin B. oder Großer Belchen genannt, erbebt sich 1423 m zwischen Thann und Gebweiler. Dieser Sulzer Belchen ist, wie mehrere der höchsten Vogesengruppen, von dem höchsten Grat und der Wasserscheide des Gebirges nach O., dem Rheinthale näher gerückt, wodurch die Steilheit des Abfalls nach der Rheinseite vergrößert wird. 9 km nördlich von ihm liegt der Kleine Belchen (Kahle Wasen), 1268 m.

Ballonbrief, s. Ballonpost.

Ballon captif (frz., spr. -óng, «gefesselter Ballon»), s. Fesselballon.

Ballon d'essai (frz., spr. -óng. dessäh, d. h. Versuchsballon), Bezeichnung für eine öffentliche Mitteilung, die als «Fühler» verbreitet wird, um