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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Barbadosbein - Barbatimao

innerer Kämpfe zwischen den Gouverneuren und der Assembly. Hierzu gesellten sich große Verwüstungen durch Orkane, wie 1675 und 1694, und das Gelbe Fieber (1692), wodurch der Wohlstand der Kolonie schwer geschädigt wurde. Doch trugen diese Gefahren und Beschwerden auch viel dazu bei, die Volkseigentümlichkeit zu entwickeln und eine kräftigere Partei gegen die Regierung herzustellen als in irgend einer andern brit. Kolonie. Seit dem 18. Jahrh, nahm im allgemeinen die Bedeutung der Kolonie in hohem Grade zu, wenn auch wiederholte Orkane (namentlich 1780 und 1781), Erdbeben und Sklavenaufstände sie heimsuchten und die plötzliche Freilassung der Sklaven (1834) einen zeitweiligen Rückgang verursachte.

Vgl. Schomburgk, The history of B. (Lond. 1848); «Globus», Bd. 60 (Braunschw. 1891).

Barbadosbein, soviel wie Elephantiasis (s. d.).

Barbados-Hurricane, s Hurricane.

Barba Jovis, Pflanzenart, s. Sempervivum.

Barbakane, Barbigan (frz. barbacane, aus dem Arabischen), ein vor den Thoren mittelalterlicher Städte gelegenes Vorwerk.

Barbar (grch.), bei den Griechen ursprünglich jeder, der nicht griechisch redete, also ein Ausländer. Seit den Perserkriegen erhielt das Wort den Nebenbegriff des Ungebildeten, Rohen, Grausamen, den es noch jetzt einschließt. Als griech. Sprache und Sitte bei den Römern heimisch wurden, namentlich seit den Zeiten des Augustus, nannten auch die Römer alle Völker, denen griech. und röm. Bildung noch mangelte, B., besonders die Germanen.

Vgl. Roth, Bemerkungen über Sinn und Gebrauch des Wortes B. (Nürnb. 1813).

Barbara, die Heilige, ward nach der Legende um 240 zu Nikomedien in Bithynien oder 306 zu Heliopolis in Ägypten wegen ihres Bekenntnisses zum Christentum nach grausamen Martern von ihrem eigenen Vater Dioskur enthauptet. Der Vater ward unmittelbar nachher vom Blitz erschlagen. Deshalb wird die heilige B. bei Gewittern angerufen; auch ist sie die Schutzheilige der Artillerie, ihr Bild wurde häufig auf artilleristischen Etablissements, Pulvermagazinen u. s. w. angebracht. Auf franz. Kriegsschiffen heißt die Pulverkammer noch jetzt Sointe-Barbe. Berühmt ist das Altarbild von Palma Vecchio: Die heilige B., in der Kirche Santa Maria Formosa in Venedig. Gedächtnistag der B. ist der 4. Dez. - B. heißt auch der 234. Planetoid.

Barbarelli, Giorgio, ital. Maler, s. Giorgione.

Barbaresken, s. Berberei.

Barbari, Jacopo de', in Deutschland Jakob Walch (d. h. der welsche Jakob) genannt, venet. Maler, ist als Vermittler ital. und deutscher Kunst von Interesse. Von 1472 bis 1500 war er in Venedig thätig, siedelte dann nach Nürnberg über, wo er auf Dürer trotz der Verschiedenheit seiner Kunst einen bestimmenden Einfluß ausübte, namentlich in Bezug auf das Studium der Antike. Von Nürnberg ging B. nach den Niederlanden, wo er als Hofmaler der Erzherzogin Margareta 1515 zu Brüssel starb. Einzelne seiner Bilder sieht man in den Galerien zu Berlin, Weimar, Dresden. Ein sorgfältig durchgeführtes Stillleben (1504), vielleicht die älteste Darstellung dieser Art in der neuern Kunst, befindet sich in der Augsburger Sammlung. Seine Gemälde und Kupferstiche tragen meist als Zeichen einen Merkurstab, weshalb er unter dem Namen «Der Meister mit dem Caduceus» bekannt ist.

Barbarismus, ein Ausdruck, der aus einer Mundart oder fremden Sprache ungerechtfertigterweise in die Schriftsprache, besonders in das klassische Griechisch oder Lateinisch, herübergenommen ist; dann überhaupt ein sprachwidriger Ausdruck.

Barbaro, Francesco, ital. Gelehrter und Staatsmann, geb. 1398 in Venedig, früh mit der lat. Sprache, durch Guarino von Verona auch mit der griechischen gründlich vertraut, behandelte schon 1415 in dem Werke «De re uxoria libri II» (Par. 1513; Amsterd. 1639) moralisierend in fließendem Latein die Ansichten der Alten über die Ehe. Seit 1418 Senator seiner Vaterstadt, war er fortan beständig als Podestà oder Gesandter thätig. Ruhm erwarb er 1437 durch Brescias Verteidigung gegen den Herzog von Mailand. Er starb 1454 zu Venedig als Prokurator von San Marco. B. beförderte nach Kräften die humanistischen Studien. Seine Briefe (hg. von Quirini, 2 Bde., Brixen 1741-43; Sabbadini, Cento trenta lettere inedite di F. B., Salerno 1884) sind auch des polit. Inhalts wegen wichtig.

Vgl. Quirini, Diatriba praeliminaris ad F. B. epistolas (Brixen 1741); Agostini, Scrittori Veneziani, Bd. 2 (Vened. 1752).

Barbarossa (ital., «Rotbart»), Beiname des Kaisers Friedrich I. (s. d.).

Barbarossa, Seeräuber und Herrscher in Algier, s. Horuk und Cheir-eddin.

Barbaroux (spr. -ruh), Charles Jean Marie, franz. Revolutionär, geb. 6. März 1767 zu Marseille, wurde dort Advokat und gab im Beginn der Revolution das Journal «L'Observateur marseillais» heraus, das zum Aufschwung der Bewegung in Marseille mächtig beitrug. Von der Stadtgemeinde zum Sekretär erwählt, verwaltete er sein Amt mit großer Hingebung. Nachdem die Konstituierende Nationalversammlung zusammengetreten war, wurde er 1791 als Agent der Marseiller nach Paris geschickt, wo er gegen den Hof auftrat und sich später dem in Ungnade gefallenen Minister Roland anschloß. Nach dem Sturm auf die Tuilerien 10. Aug. 1792 ging er in seine Vaterstadt zurück, wo er bald darauf in den Konvent gewählt wurde. Dort hielt er sich zu den Girondisten und stimmte im Prozesse des Königs für den Tod mit Berufung an das Volk. Da er sich der Partei Marats und Robespierres widersetzte, wurde er als Royalist und Feind der Republik 31. Mai 1793 ebenfalls geächtet. Nach längerm Umherirren ergriffen und vor das Revolutionsgericht nach Bordeaux gebracht, wurde er verurteilt und 25. Juni 1794 guillotiniert. Von seinen Memoiren hat 1822 sein Sohn eine unvollständige Ausgabe veranstaltet; 1866 wurden von Dauban wichtige Nachträge veröffentlicht.

Barbastro, Distriktsstadt in der span. Provinz Huesca, in Aragonien, 45 km ostsüdöstlich von Huesca, rechts am Vero unfern von dessen Zusammenfluß mit dem Cinac und an der Eisenbahnlinie Selgua-B. (20 km), in fruchtbarer, an Gärten und Ölpflanzungen reicher Gegend, ist Sitz eines Bischofs, hat (1887) 8280 E., Post und Telegraph, eine schöne Kathedrale mit Gemälden von Antonio Galceron und Gerbereien. Bei B. fand 2. Juni 1837 ein blutiger unentschiedener Zusammenstoß zwischen Karlisten und Regierungstruppen statt.

Barbatelli, ital. Maler, s. Poccetti.

Barbatimao, Rinde zweier zu den Mimosaceen gehörender brasil. Bäume, dient wegen ihres reichen Gerbsäuregehaltes als adstringierendes Heilmittel.