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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Beata - Beattie

Beāta (Femininum vom lat. beatus, glückselig), eine weibliche Person, die, ohne Nonne zu sein, wie eine solche lebt, Betschwester; auch eine vom Papst Seliggesprochene; B. oder Beatissima Virgo, selige (allerseligste) Jungfrau, Bezeichnung der Jungfrau Maria;Beatae memoriae, seligen Andenkens.

Beāten (vom lat. beatus), frz. Béates, Dévotes oder Sœurs converses, Bekehrte Schwestern, Tertiarierinnen mehrerer religiöser Orden.

Beatenberg, Sankt, s. Sankt Beatenberg.

Beatenbergbahn, s. Sankt Beatenberg und Schweizerische Eisenbahnen.

Beaten-Handicap (spr. bihten hänndĭkäpp), Wettrennen (s. d.) mit Gewichtsausgleichung für Pferde, die gelaufen sind, aber geschlagen wurden.

Beatifikation (lat.), s. Seligsprechung.

Beatĭkum (lat.), soviel wie Viatikum (s. d.).

Beāti possidéntes, lat. Sprichwort: «glücklich, wer im Besitz ist»; auch jurist. Formel dafür, daß der, welcher im thatsächlichen Besitz einer Sache ist, nicht gezwungen werden kann, die Rechtmäßigkeit dieses Besitzes zu beweisen, daß also ein anderer, der auf dieselbe Sache Anspruch hat, für diesen Anspruch die Beweislast zu tragen hat. Es ist das ein großes Vorrecht des thatsächlichen Besitzers, da die erforderlichen Beweise oft schwer zu führen sind.

Beatitūdo (lat.), Seligkeit, Glückseligkeit; B. vestra, Ew. Seligkeit, sonst Ehrentitel der Bischöfe und auch weltlicher Personen, jetzt nur dem Papste zukommend.

Beaton (spr. biht'n) oder Bethune, David, Kardinal-Erzbischof von St. Andrews in Schottland, entstammte einer franz., nach Schottland übergesiedelten Familie und war 1494 geboren. Frühzeitig wurde er zu diplomat. Sendungen und zur Vertretung Schottlands in Frankreich benutzt und hat dauernd für eine Frankreich freundliche und England feindliche Haltung Schottlands gearbeitet. 1528 wurde er unter Jakob Ⅴ. Geheimsiegelbewahrer, 1538 Kardinal und 1539 Erzbischof von St. Andrews. Er vermittelte die beiden franz. Ehen Jakobs Ⅴ., hintertrieb 1541 die Annäherungsversuche Heinrichs Ⅷ. und rief den mit der Niederlage bei Solway Moß endenden Krieg hervor. (S. Schottland.) Nach Jakobs Tod (1542) beanspruchte er angeblich nach dem Willen des verstorbenen Königs die Regentschaft; diese wurde dem Grafen Arran übertragen, B. verhaftet und Schottland mit England ausgesöhnt, bis er im Bunde mit der Königin-Mutter Maria von Guise wieder zur Macht kam und die Abmachungen für eine Ehe der jungen Maria Stuart mit Heinrichs Ⅷ. Sohn Eduard durchkreuzte. Mit besonderer Energie und blutiger Strenge verfolgte er alle prot. Bestrebungen. Als er vor seinen Augen 2. März 1546 den prot. Prediger George Wishart verbrennen ließ, schworen dessen Freunde ihm Rache, und B. wurde von John Leslie in dem Schlosse von St. Andrews 29. Mai 1546 ermordet.

Beatrice (spr. bíättriß), Hauptstadt des County Gage im südöstl. Teile des nordamerik. Staates Nebraska, am Blue-River, Knotenpunkt mehrerer Bahnen, hat (1890) 13836 E., einige Industrie, Viehzucht und Steinbrüche in der Umgebung.

Beatrice (spr. -trihtsche), s. Dante.

Beatricĭus, s. Beatrizet.

Beātrix, der 83. Planetoid.

Beatrizet (spr. -triseh), Nicolas, auch Beatricius Beautrizet genannt, franz. Kupferstecher, gest. um 1570, hielt sich hauptsächlich in Italien auf. Von 1540 bis 1565 scheint er in Rom gelebt zu haben. Er bildete sich nach Agostino Veneziano und Marc Anton Raimondi und lieferte u. a. gute Stiche nach Michelangelo (Verkündigung, Bekehrung Pauli, Jüngstes Gericht) und nach Raffael (Joseph, seinen Brüdern die Träume auslegend). ^[Spaltenwechsel]

Beatson (spr. bihts'n), Alex., engl. General und Landwirt, nahm 1799 als Wellingtons Adjutant an dem Kriege gegen Tippo-Saib in Indien teil und schrieb später ein Werk über diesen Krieg. Nach England zurückgekehrt, zog er sich auf seine Besitzung Knowle-Farm in der Grafschaft Sussex zurück und verfaßte daselbst die Broschüre «A new system of cultivation without lime or dung or summer-fallows» (Lond. 1820; deutsch von Haumann u. d. T.: «Neues Ackerbausystem ohne Dünger, Pflug und Brache», Weim. 1841). Dieses System bestand darin, daß der schwere Thonboden, zunächst in der genannten Grafschaft, nicht mehr mit Pflug, Düngung und Brachhaltung kultiviert, sondern nur mittels einer besondern, von B. selbst konstruierten Egge bearbeitet und statt der Brache und Düngung ein rationeller Fruchtwechsel mit gleichzeitigem Brennen des Bodens eingeführt wurde. B. erzielte mit diesem System auf seiner Farm ausgezeichnete Erfolge, wenn diese auch, wie Liebig nachgewiesen hat, mehr der momentanen physik. Verbesserung des Bodens, als einer dauernden Erhaltung der Fruchtbarkeit, welche bei B.s System nicht möglich, zu verdanken waren. Später wurde B. Generalmajor und Gouverneur von St. Helena, wo er 1833 starb.

Beattie (spr. bihtĭ oder behtĭ), James, schott. Philosoph und Dichter, geb. 25. Okt. 1735 zu Lawrencekirk in Kincardine, war anfangs Theolog, seit 1760 Professor der Moralphilosophie am Marishal-College zu Aberdeen und starb daselbst 18. Aug. 1803. Er erregte Aufsehen durch den «Essay on the nature and immutability of truth» (Edinb. 1770 u. 1776; Lond. 1848; deutsch von Gerstenberg, Kopenh. 1772), worin er Humes Skepticismus durch Berufung auf den gesunden Verstand und die natürliche Sittlichkeit bekämpfte, ohne jenem gewachsen zu sein. Wertvoller sind «Dissertations moral and critical» (Lond. 1783; deutsch von Große, 3 Bde., Gött. 1789–91) und «Elements of moral science» (2 Bde., Lond. 1790–93; deutsch von Moritz, Berl. 1790), welch letztere bemerkenswerte ästhetische Erörterungen enthalten. In der vielgelesenen Schrift «Evidences of the christian religion» (2 Bde., Lond. 1786) bekennt er sich zu einem gemäßigten Theismus. In der Poesie begründete B. seinen Ruf durch «The minstrel, or the progress of genius» (2 Tle., Lond. 1771–74). Neue Ausgaben dieses «in Spensers Stil und Stanze» geschaffenen Gedichts erschienen 1777 (Edinb. 1854; Lond. 1871) in Gilfillans «Library edition of the British poets», mit Illustrationen von Birket Foster (Lond. 1861). Außerdem veröffentlichte er: «On poetry and music» (3. Ausg. 1779), «Original poems and translations» (Lond. 1761), «On laughter and ludicrous composition» (1764), «The judgement of Paris» (1775), mehr moralisierend als dichterisch, «Theory of language» (2. Aufl. 1788), auch kleine Abhandlungen, wie «On memory and imagination», «On the utility of classical learning», «A list of Scotticisms» (1779). Eine Sammlung der Gedichte erschien 1799 (2 Bde.). Die beste moderne Ausgabe ist die von Alex. Dyce in der «Aldine Series» 1830, 1854, 1866. – Vgl. die Biographie