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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Begga; Beggenried; Beggiatōa; Begharden; Beghīnen

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Begga - Beghinen

wird, sei es in Gedanken, Gefühlen, Bestrebungen oder Handlungen. Daher versetzt alles dasjenige in B., was neue, bisher schlummernde Kräfte in uns in Thätigkeit und unser inneres Leben für neue Ideale in Bewegung setzt, z. B. Kräfte zur Verteidigung des Vaterlandes, zur Erforschung der Wahrheit, zur Erwerbung von Ruhm und Ehre.

Begga, die Heilige, Tochter Pippins von Landen, vermählt mit Ansegis, dem Sohne des Bischofs Arnulf (s. d.) von Metz, war die Mutter Pippins von Heristall und Urgroßmutter Pippins des Kleinen. Sie gründete um 680 ein Frauenkloster zu Andane an der Maas, das als das Stammhaus der Beghinen (s. d.) galt, so daß dieser Name fälschlich von B. abgeleitet wurde. Um 698 starb sie und wurde kanonisiert. Ihr Gedächtnistag ist der 17. Dez.

Beggenried (Beckenried), schweiz. Luftkurort, s. Buochs.

Beggiatōa Trev., Pilzgattung aus der Gruppe der Schizomyceten (s. d.) oder Spaltpilze. Man kennt nur wenige Arten, die sehr häufig als schleimige oder gallertartige Massen sowohl in süßen wie salzigen Gewässern vorkommen. Es sind fadenförmige Pilze, die eine ganz ähnliche pendelartige Bewegung zeigen wie die Oscillarien unter den Algen. Die ziemlich langen Fäden sind anfangs einzellig oder nur durch wenige Querwände an einem Ende gefächert, später zerfallen sie zum Teil durch nahe aufeinanderfolgende Querwände in eine größere Anzahl von Zellen (s. Tafel: Pilze Ⅲ, Fig. 1 a, c). Häufig teilen sich die Fäden auch in schraubenlinige Partien (Fig. 1b), die wie die Spirillen lebhafte Schwärmbewegungen mittels Cilien ausführen. Fast in allen Zellen befinden sich zahlreiche dunkle, stark lichtbrechende Körperchen, die aus Schwefel bestehen und für die Beggiatoen charakteristisch sind, denn keine andere Spaltpilzform besitzt derartige Schwefeleinlagerungen. Dieses Vorkommen von Schwefel im Innern der Zellen steht offenbar im Zusammenhang mit der merkwürdigen Eigenschaft der Beggiatoen, gewisse Schwefelverbindungen zu zersetzen und reichlich Schwefelwasserstoff zu bilden. Deshalb finden sich diese Pilze auch immer in großen Mengen in den schwefelhaltigen Abfallwässern von Fabriken sowie in schwefelhaltigen warmen Quellen und vielen Mineralquellen, die schwefelsaure Salze führen. Die starke Entwicklung von Schwefelwasserstoff in den Schwefelthermen ist nach neuern Untersuchungen wohl ausschließlich auf das Vorhandensein dieser Pilze zurückzuführen, die selbst bei +55° C. und mehr noch üppige Vegetation zeigen. Doch können dieselben Arten, die bei dieser hohen Temperatur noch gedeihen, auch in von Eis überdeckten Gräben, die Abflußwässer aus Fabriken führen, sich weiter entwickeln. Die am häufigsten vorkommende Art ist B. alba Trev., sowohl in Schwefelquellen wie auch in schlammigen Gewässern, Abflüssen von industriellen Anlagen u. s. w., den wesentlichsten Bestandteil der unter dem Namen Badeschleim bekannten gallertigen oder schlammigen Masse bildend.

Eine andere Art, B. mirabilis Cohn, mit etwas dickern Fäden, findet sich besonders als schleimiger Überzug auf dem Grunde seichten Brackwassers an den Meeresküsten; auch in Aquarien, die mit Seewasser gefüllt sind, tritt sie auf und tötet durch Entwicklung von Schwefelwasserstoff häufig die darin gezogenen Tiere und Pflanzen. Sowohl in süßen wie in salzigen Gewässern kommt B. roseopersicina Zopf. vor, deren Fäden sich durch weiße, schön rosenrote oder violette Färbung auszeichnen und ähnlich wie die der B. alba in schraubenförmige Schwärmer sowie in Kokken (Fig. 1d) zerfallen können. Hauptsächlich in der letztern Form bildet dieser Pilz umfangreiche gallertige Kolonien, die auf faulenden organischen Körpern aller Art vegetieren, besonders zwischen abgerissenen und zusammengetriebenen Seegrasmassen sowie auf dem Grunde seichter Stellen an den Meeresküsten. Sie bildet hier ebenso wie die B. alba den sog. toten Grund des Meers, wie ihn die Fischer nennen, weil an diesen Orten wegen der reichlichen Schwefelwasserstoffentwicklung keine Fische sind. In süßen Gewässern tritt diese Art oft stark auf und bewirkt lebhafte rote Färbung des Wassers, die man, wie andere Färbungserscheinungen des Wassers, Wasserblüte nennt. ^[Spaltenwechsel]

Begharden, s. Beghinen.

Beghīnen (Beguinae, Beguttae), Vereine von Frauen und Jungfrauen zu gemeinsamem andächtigem Leben, gegen Ende des 12. Jahrh. in den Niederlanden entstanden. Sie wurden früh B. oder Begutten genannt; doch stammt der Name weder von der heil. Begga (s. d.) noch von dem altsächs. Worte «beggen», das in der Bedeutung «beten» nicht vorkommt; wahrscheinlicher von dem Priester Lambertus de Bègues oder le Bèghe, der 1180 in Lüttich einen derartigen Verein gestiftet haben soll. Der Name Begutten wird von der Formel «bei Gott» abgeleitet, deren sich die B. bedienten. Jedenfalls waren diese Namen ursprünglich eher Spott- und Scheltnamen; sie selbst nannten sich einfach Schwestern (oder Brüder). Ohne Klostergelübde abzulegen oder der Regel eines Ordens zu folgen, vereinigten sich die B. unter einer frei gewählten Vorsteherin zu Übungen der Andacht und Wohlthätigkeit; doch stand ihnen jederzeit der Rücktritt ins Privatleben oder die Verheiratung frei. Sie wohnten zusammen in Beghinenhöfen, die ursprünglich außerhalb, erst später in den Städten, z. B. in Gent, angelegt waren, bestehend aus einzelnen Häusern mit Kirche, Krankenhaus und Herberge. Bald gewannen sie durch Schenkungen und Vermächtnisse Vermögen, so daß manche Häuser einträgliche Pfründen gewährten, während in den ärmern die B. durch Handarbeit ihren Unterhalt verdienten. Auch Männergesellschaften dieses Namens, meist Begharden (Beghardi, auch Beguini) genannt, traten Anfang des 13. Jahrh. in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich auf und verbreiteten sich auch nach Italien als Bizachi, Bocasoti. Obwohl Gleiches bezweckend wie jene Frauengesellschaften, errangen sie dennoch die Achtung und Würde der letztern nicht, sondern wurden öfters, schon gegen Ende des 13. Jahrh. als fromme Müßiggänger, bons garçons, boni pueri oder valetes gescholten.

Ihre Blütezeit hatten die B. im 13. und 14. Jahrh., wo sie in Deutschland, Frankreich, Oberitalien, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz weit verbreitet waren. Als sich aber nach und nach Ketzer aller Art, wie Albigenser, Waldenser, Fraticellen, Brüder und Schwestern vom freien Geiste auf sie als eine geduldete Form halbgeistlicher Laienschaft zurückzogen, schritt die Inquisition gegen sie ein, verurteilte viele zur Verbrennung und Einmauerung, und Clemens Ⅴ. verfügte auf dem Konzil zu Vienne (1311) ihre Auflösung. Allein Johann ⅩⅫ nahm die rechtgläubigen weiblichen B. in Schutz und versprach durch eine Bulle vom 7. März 1319 allen denen Gnade, welche die Regel der Franzis- ^[folgende Seite]