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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Behr; Behr-Negendank; Behrend; Behrens; Behrenssche Säule; Behring; Behrings Heilserum; Behrisch

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Behr - Behr-Negendank

gesetzter B. unabhängige Stellung nehmen mehrfach solche oberste Finanzbehörden ein, welche zur Kontrolle der gesamten Finanzwirtschaft des Staates in rechnerischer und sachlicher Beziehung berufen sind; Muster und Vorbild hierfür ist die von Friedrich Wilhelm Ⅰ. 1717 eingesetzte preuß. Oberrechnungskammer (Reichsrechnungshof) geworden.

Behr, Joh. Aug. Heinr. von, sächs. Staatsmann, geb. 13. Nov. 1793 in Freiberg, widmete sich nach den Studienjahren dortselbst und in Leipzig dem königlich sächs. Justizverwaltungsdienste und wurde 1847 Geh. Finanzrat. Als nach der Bewältigung des Maiaufstandes 1849 das Ministerium unter der Leitung von Zschinsky neu gestaltet wurde, übernahm B. die Finanzen. Später (1859), wo er auch geadelt wurde, übernahm er das Justizministerium. In diesen Stellungen half er die Verwaltungsreform und die Neugestaltung des Justizwesens vollenden und hatte namentlich an dem trefflichen Bürgerlichen Gesetzbuch von 1865 Anteil. 1866 trat er in den Ruhestand. Er starb 20. Febr. 1871 in Dresden.

Behr, Ulr. K. A. W. H. Axel, Graf von, s. Behr-Negendank.

Behr, Wilh. Jos., Publizist, geb. 26. Aug. 1775 zu Sulzheim, studierte in Würzburg und Göttingen die Rechte, hierauf die Praxis der beiden Reichstribunale in Wien und Wetzlar, war von 1799 bis 1821 Professor des Staatsrechts an der Universität zu Würzburg. Später wählte ihn die Stadt Würzburg zum Bürgermeister. Seiner Wahl zum Abgeordneten für den Landtag von 1831 ward die königl. Genehmigung versagt. Wegen einiger der Regierung mißfälliger Reden wurde er dann aus dem Bürgermeisteramte entlassen, 1833 zu Würzburg verhaftet und nach mehrjähriger Untersuchungshaft wegen Teilnahme an demagogischen Umtrieben und Majestätsbeleidigung 1836 zu unbestimmter Festungsstrafe verurteilt und nach der Feste Oberhaus bei Passau gebracht. Im Febr. 1842 erhielt er die Erlaubnis, in Regensburg, unter besonderer polizeilicher Aufsicht, seinen Wohnsitz zunehmen, bis ihm die Amnestie vom 6. März 1848 die Freiheit vollständig wiedergab. Im Frühjahr 1848 wurde er von dem Wahlkreise Kronach in die Deutsche Nationalversammlung gewählt. Seit seiner Freilassung lebte B. in Bamberg, wo er 1. Aug. 1851 starb. Unter seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: «Versuch einer allgemeinen Bestimmung des rechtlichen Unterschieds zwischen Lehen-Herrlichkeit und Lehen-Hoheit» (Würzb. 1799), «System der Staatslehre» (Bamb. 1804), «System der Staatskunst» (3 Bde., Frankf. 1810), «Verfassung und Verwaltung des Staats» (2 Bde., Nürnb. 1811‒12), «Darstellung der Bedürfnisse, Wünsche und Hoffnungen deutscher Nation» (Aschaffenb. 1816), «Lehre von der Wirtschaft des Staats» (Lpz. 1822), «Von den rechtlichen Grenzen der Einwirkung des Deutschen Bundes auf die Verfassung, Gesetzgebung und Rechtspflege seiner Gliederstaaten» (2. Aufl., Stuttg. 1820), «Anforderungen an Bayerns Landtag im J. 1827 und unparteiische wissenschaftliche Beurteilung seiner Verhandlungen» (3 Bde., Würzb. 1827‒28), «Bedürfnisse und Wünsche der Bayern» (Stuttg. 1830), «Allgemeine Polizei-Wissenschaftslehre »(Nürnb. 1848), «Kurze Andeutung der Aufgabe der bevorstehenden konstituierenden Versammlung zu Frankfurt» (1848).

Behrend, Heinr. Theod., liberaler Politiker, geb. 26. April 1817 zu Danzig, studierte ein Jahr zu Berlin, wurde dann Kaufmann, hielt sich 3 Jahre in Geschäften zu Rio de Janeiro auf und trat dann in das Geschäft seines Vaters zu Danzig ein. Seine Vaterstadt wählte ihn 1856 in das Abgeordnetenhaus, wo er sich anfangs zur liberalen Partei hielt, aber nach Eintritt der Regentschaft eine entschiedenere Fraktion («Junglitauen») gründete und sich 1861 bei Konstituierung der Deutschen Fortschrittspartei beteiligte. 1862 wurde B. zum Vicepräsidenten erwählt, legte aber 1863, als das große Getreide-Exportgeschäft, das er mit seinem Bruder zusammen leitete, plötzlich zusammenbrach, sein Mandat nieder. Er starb 11. März 1893 in Danzig. ^[Spaltenwechsel]

Behrend, Jakob Friedrich, Rechtsgelehrter, geb. 13. Sept. 1833 zu Berlin, habilitierte sich daselbst 1863 und wurde 1873 ord. Professor für deutsches, preußisches und Handelsrecht in Greifswald, 1884 in Breslau, 1887 zum Reichsgerichtsrat in Leipzig ernannt. B. veröffentlichte: «Die Magdeburger Fragen» (Berl. 1865), «Ein Stendaler Urteilsbuch» (ebd. 1868), «Zum Prozeß der Lex Salica» (in den «Festgaben für A. W. Heffter», ebd. 1873), eine Ausgabe der «Lex Salica» (ebd. 1874), «Anevang und Erbengewere» (ebd. 1885). Sein Hauptwerk ist das «Lehrbuch des Handelsrechts» (Berl. 1880 fg.).

Behrens, Bertha, bekannt unter dem Pseudonym W(ilhelmine) Heimburg, Novellistin, geb. 7. Sept. 1850 zu Thale am Harz, verlebte ihre Jugend in Quedlinburg, Glogau und Salzwedel; ihr späterer Wohnort war Frankfurt a. M., dann Arnstadt, seit 1882 Kötzschenbroda, jetzt Dresden. Ihre Novellen erschienen meist zuerst in der «Gartenlaube». Sie schrieb u. a.: «Aus dem Leben meiner alten Freundin» (1878; 8. Aufl., Lpz. 1890), wohl ihre beste Arbeit, «Lumpenmüllers Lieschen» (3. Aufl., ebd. 1888), «Ihr einziger Bruder» (9. Aufl., ebd. 1893), die Sammlung von kleinen Erzählungen «Waldblumen» (1882; 5. Aufl., ebd. 1890), «Ein armes Mädchen» (2. Aufl., ebd. 1886), «Dazumal. 8 Novellen» (2. Aufl., ebd. 1887), «Trudchens Heirat» (2. Aufl., ebd. 1887), «Eine unbedeutende Frau» (2 Bde., ebd. 1891), «Mamsell Unnütz» (ebd. 1893). Auch vollendete sie 1888 «Das Eulenhaus», den nachgelassenen Roman der Marlitt, die sie nachahmt. Eine illustrierte Ausgabe ihrer «Gesammelten Romane und Novellen» erschien 1890‒93 (10 Bde., Leipzig; 2. Aufl., ebd. 1894 fg.).

Behrenssche Säule, soviel wie Zambonische Säule (s. d.).

Behring, Behringinsel, Behringmeer u. s. w., s. Bering u. s. w.

Behrings Heilserum, s. Schutzimpfung.

Behrisch, Ernst Wolfgang, Freund Goethes, geb. Frühjahr 1738 auf Gut Naunhof unweit Dresden, Sohn eines Hofrats, studierte in Leipzig und lebte seit 1765 daselbst als Hofmeister eines Grafen Lindenau. In dieser Zeit lernte er Goethe kennen und trat ihm nahe, wie «Dichtung und Wahrheit», Ⅵ und Ⅶ, schildert, und Briefe Goethes an B. (Weimarer Goetheausgabe, «Briefe», Bd. 1) bestätigen. Goethes drei «Oden an B.» sind infolge von B.' plötzlicher Entlassung und Fortgang von Leipzig im Herbst 1767 entstanden. B. war 1767‒73 in Dessau Erzieher des Grafen Waldersee, seit 1773 des Erbprinzen Friedrich. Er wirkte hier auch für das Philanthropin und als Gelegenheitsdichter. Als Hofrat pensioniert, starb er zu Dessau 21. Okt. 1809. – Vgl.Hosäus, E. W. B. (Dessau 1883).

Behr-Negendank, Ulr. K. A. W. H. Axel, Graf von, preuß. Staatsmann, geb. 9. Mai 1826 auf dem