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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ben-Ghazi – Beni Msab

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Bengel (Joh. Albr,)'

«Ordo temporum a principio per periodos oeconomiae divinae historicus atque propheticus» (Tüb. 1741), die beide das 1000jährige Reich Christi auf 1836 festsetzten (s. Chiliasmus), die kritische Ausgabe des Neuen Testaments (Tüb. 1734), der äußerst klare Kommentar «Gnomon Novi Testamenti» (ebd. 1742 u. ö.: neu hg. von Steudel, 5. Aufl., 2 Bde., Stuttg. 1800: deutsch von Werner, 3. Aufl., Bas. 1876; neue deutsche Bearbeitung in der «Bibliothek theol. Klassiker», Bd. 49–54, Gotha 1894), der aber schroff die Inspiration vertrat, wie auch «60 erbauliche Reden über die Offenbarung» (Stuttg. 1747) und "Bekräftigtes Zeugnis der Wahrheit" (ebd. 1748). Der «Abriß der Brüdergemeine» (ebd. 1751) wendet sich gegen deren einseitige Blut- und Wundentheologie. – Vgl. Burk, B.s Leben und Wirken (Stuttg. 1831); ders., B.s litterar. Briefwechsel (ebd. 1836): Wächter, Johann Albrecht B. (ebd. 1865); ders., B. und Ötinger (Gütersloh 1886); Reiff, B. und seine Schule (Heidelb. 1882); Nestle, B. als Gelehrter (Tüb. 1893).

Ben-Ghazi, Stadt, s. Bengasi.

Bengler, eine Rittergesellschaft des rhein. und westfäl. Adels zur Bekämpfung des Landgrafen Hermann von Hessen und des Bischofs von Paderborn, Ende des l4. Jahrh., benannt nach ihrem Zeichen, einem silbernen Knüppel (Bengel), den sie auf der Brust trugen. Ferner hießen so die Flagellanten (s. d.).

Benguella, Distrikt der portug. Kolonie Angola (s. d.) in Westafrika.

Benguellastrom, s. Atlantischer Ocean (S. 39b).

Beni, Veni oder Uchapara, Strom in der südamerik. Republik Bolivia, entsteht aus mehrern Quellflüssen (deren hauptsächlichster der Rio de la Paz) im Nordwesten von La Paz auf den Ostabhängen der Anden von Bolivia, erhält von diesen links mehrere wasserreiche Nebenflüsse, fließt in vorwiegend nördl. Richtung durch das Depart. La Paz, wendet sich im Departamento B. nach Nordosten und vereinigt sich nach einem Laufe von etwa 1500 km bei einer Tiefe von zuletzt 55 m mit dem Rio Mamoré, der von hier ab den Namen Madeira annimmt, dessen wasserreichster Quellfluß der B. ist. – Das Departamento El Beni, das größte und nördlichste der Republik Bolivia, grenzt im W. an Peru, im N. und O. an Brasilien, im S. an die Departamentos La Paz, Cochabamba und Sta. Cruz, zählt auf über 700000 qkm aber nur 16700 E., abgesehen von den nomadisierenden wilden Indianern (Mojo u.a.). Das zum großen Teile noch unerforschte Departamento zerfällt in die vier Provinzen Caupolican, Mojos, Yuracares und Guarayos und ist nur im SW. gebirgig (Sierra von Apolobamba und andere Ausläufer der Cordilleren), im übrigen eben und von sumpfigen und seereichen Urwäldern fast ganz bedeckt. Hauptort unweit des Rio Mamoré ist Trinidad mit 4535 E.

Beni Amer, ein mohammedanischer, den Hamitenvölkern zugehöriger Nomadenstamm in dem nördlich von Abessinien gelegenen Lande Baraka (s. d.) und in der nordöstlich davor liegenden Küstenebene Sóhel oder Sahil. Die B. A., deren Zahl auf höchstens 200000 geschätzt wird, reden teils die Bedja- (s. Bischarin), teils die Tigresprache und bestehen aus den unterworfenen Hassa und Bedawi und den herrschenden Nebtab und Belu. Oberster Herr ist das Familienhaupt der Nebtab, Deglel genannt; doch waren sie dem Chediv tributpflichtig, bis sie der Aufstand des Mahdi (s. d.) von Ägypten ↔ losriß. Ihre Industrie beschränkt sich auf das Flechten von Palmenmatten und Anfertigung von Lederarbeiten. – Vgl. Heuglin, Reise in Nordostafrika (2 Bde., Braunschw. 1877).

Benicarló, Stadt in der span. Provinz Castellon de la Plana im ehemaligen Königreich Valencia, am Mittelmeere, an der Linie Almansa-Valencia-Tarragona, hat (1887) 7916 E., Ringmauern, ein altes Kastell und eine schöne Kirche. Als Verschiffungsort des nach B. benannten sehr beliebten Rotweins, der in der Umgebung in sehr großer Menge gewonnen wird, hat die Stadt in der Neuzeit größere Bedeutung erlangt. Dieser Wein geht hauptsächlich nach Frankreich und England, wo man ihn zur Verschneidung des Bordeauxweins oder Claret verwendet.

Beniczky-Bajza (spr.-nitzki), ungar. Dichter, s. Bajza, Joseph.

Benignität (lat.), Güte.

Benihāssan, Dorf in Mittelägypten, auf dem östl. Ufer des Nils, berühmt durch seine hoch in der Thalwand eingehauenen Felsengräber (s. Tafel: Ägyptische Kunst I, Fig. 4). Die Anlage der Gräber fällt in die 12. Manethonische Dynastie, also in das mittlere Reich (etwa 2200–1900 v. Chr.). Die Stadt, zu der sie gehörten, hat keine Ruinen zurückgelassen. Wahrscheinlich wurde sie von den Hyksos, die um 1700 v.Chr. Ägypten unterjochten, zerstört. Die nördlichsten Grabkammern der Felsengräber sind die ältesten und am reichsten ausgeführten. Sie enthalten überaus wichtige Darstellungen und Inschriften zur polit. und Kulturgeschichte des mittlern Reiches. – Eine besondere Berühmtheit haben die Gräber von B. noch durch die verschiedenen Arten von Säulen, die in ihnen vertreten sind, erhalten. Es findet sich in ihnen die aus dem viereckigen Pfeiler durch Abkantung der vier scharfen Ecken entstandene achtseitige Säule mit Basis und Abacus (aber ohne Kapitäl), ferner die 16seitige Säule, die aus der achtseitigen durch abermaliges Abschlagen der Kanten entstanden ist und bei der man dann die einzelnen Seiten leicht ausgehöhlt, d. h. kanneliert hat. Die letztgenannte Säule hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der dorischen und ist deshalb von Champollion als die protodorische bezeichnet worden. Doch besteht kein innerer Zusammenhang der dor. und protodor. Säule. Auch die bereits aus älterer Zeit bekannte Säule mit Knospenkapitäl findet sich in B. Sie stellt 4 Lotosstengel dar, die so zusammengebunden sind, daß die Stengel den Schaft und die Knospen das Kapital der Säule bilden.

Beni Msāb" (Beni M'zâb) oder M'zabiten, ein Berberstamm am Rande oder bereits innerhalb der Sahara, das südlichste Volk, welches (seit 1853) die Herrschaft der Franzosen in Algerien anerkennt, einen Teil der Subdivision Medea des Territoire de commandement (s. Algerien) bildet und vier Oasen bewohnt, von denen die von W. gegen O. gestreckte Oase des Wadi-Mesab die größte ist. Außer dem Fluß Mesab hat die Oase zahlreiche Brunnen und, da Regen nicht mangelt, auch Gärten und Palmenpflanzungen. Das Plateau selbst ist entblößter Fels, wo einige Gräser spärlich fortkommen. Trotzdem finden dort das Mufflon und das Guineaschwein ihre Nahrung. Die B. M. zählen mit Ausschluß der 3000 im Tell ansässigen Kaufleute und Arbeiter 50–60000 Köpfe und wohnen in sieben mit Mauern umgebenen Städten. In Algerien gelten sie als der rührigste und handelsthätigste Volksstamm. Viele M'zabiten wandern nach der

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 725.