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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bernhardy; Bernheim; Bernhöft; Berni; Bernicla

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Bernhardy - Bernicla

Vater, ein franz. Beamter, ließ sie taufen und in einem Kloster erziehen. Sie trat 1858 ins Pariser Konservatorium, wo sie mehrere Preise erhielt, und wurde, nachdem sie Gymnasium, in der Porte-Saint-Martin und im Odéon gewirkt und als Königin in V. Hugos «Ruy Blas» Ruf gewonnen hatte, 1872 Mitglied, dann Teilhaberin der Comédie francaise, wo sie sich durch eine zur Vollkommenheit entwickelte sentimental-tragische Darstellung die reichste Gunst des Publikums erwarb. Ihre Rollen (Phèdre, Andromaque, Zaire, Cherubin in «Le Mariage de Figaro", Dona Sol in «Hernani» u. s. w.) gehören zu den ergreifendsten, die je auf dem Théatre francais geboten wurden. Im April 1880 verlieft sie kontraktbrüchig Paris, ging nach Amerika, wo sie viel Beifall erntete, unternahm Gastreisen durch ganz Europa, außer Deutschland, und kehrte dann wieder nach Paris zurück, wo sie an der Porte-Saint-Martin auftrat, eine Zeit lang auch, in Gemeinschaft mit ihrem natürlichen Sohn, Maurice B., selbständig eine Direktion führte. Ihre neuesten Rollen waren «La Tosca» von Sardou (1887), «Jeanne d'Arc» von Barbier (1889) und «Kleopatra» von Sardou und Moreau (1890). Eine Kollegin, Marie Colombier, griff sie an in den scharfen Pamphleten «Le voyage de Sarah B. en Amérique» (1882; neue Ausg. 1888) und «Les mémoires de Sarah Barnum» (1. bis 63. Aufl., 1884), woran sich ein von der B. gewonnener Prozeß schloß. Im April 1882 heiratete sie den Schauspieler Daria (eigentlich Jacques d'Amala, gest. 1889). Sie versuchte sich auch als bizarre und eitle Schriftstellerin («Dans les nuages, impressions d'une chaise», Par. 1878 u. 1883, über eine Fahrt im Ballon captif; das vieraktige Lustspiel «L'épingle d'or»; das einaktige Lustspiel «L'aven", 1888), als Malerin und Bildhauerin. Ihre Reklamesucht ist sprichwörtlich geworden. Für wildes Pathos reicht ihre zarte Natur, besonders ihre weiche Stimme nicht aus. - Vgl. Clamant, S. B., ses débuts, sa vie (1879); Castaner und Rivas, Vida de S. B., por dos de sus admiradores (Madr. 1882).

Bernhardy, Gottfr., Philolog, geb. 20. März 1800 zu Landsberg in der Neumark, bezog im 17. Jahre die Berliner Universität, wo er sich vorzugsweise philos. und philol. Studien widmete. Seit 1820 Lehrer am Werderschen Gymnasium, machte er sich bereits durch die gediegene Schrift «Eratosthenica» (Berl. 1822) vorteilhaft bekannt, habilitierte sich 1823 und wurde 1825 außerord. Professor. Seit 1829 ord. Professor zu Halle, erhielt er daselbst 1844 auch die Stelle als Oberbibliothekar. B. starb 14. Mai 1875 zu Halle. In Berlin beschäftigten ihn namentlich zwei größere Arbeiten, die Ausgabe der «Geographi Graeci minores», wovon jedoch nur der erste Band (Lpz. 1828), Dionysius Periegetes enthaltend, erschienen ist, und die «Wissenschaftliche Syntax der griech. Sprache» (Berl. 1829; dazu «Paralipomena», Halle 1862). In letzterm Werke versuchte er, die Gliederung der griech. Syntax als eines organischen Ganzen auf histor. Wege noch über die klassische Periode hinaus zu entwickeln. Dieselbe Richtung auf die tiefere Erkenntnis des innern Zusammenhangs der histor. Erscheinungen bekunden auch sein «Grundriß der röm. Litteratur» (Halle 1830; 5. umgearbeitete Aufl., Braunschw. 1872) und der «Grundriß der griech. Litteratur» (3 Abteil, in 2 Bdn., 3. bez. 5. umgearbeitete Aufl., Halle 1876-92). Von seinen übrigen Arbeiten sind, außer zahlreichen Beiträgen zu Zeitschriften und zu Ersch und Grubers «Encyklopädie» (z. B. über Epicharmos, Euripides, Eratosthenes), noch die Ausgabe des Suidas (2 Bde., Halle 1843-53) und die «Grundlinien zur Encyklopädie der Philologie» (ebd. 1832) hervorzuheben. - Vgl. R. Volkmann, Gottfr. B., zur Erinnerung an sein Leben und Wirken (Halle 1887).

Bernheim, Ernst, Geschichtsforscher, geb. 19. Febr. 1850 in Hamburg, studierte in Berlin, Straßburg und Göttingen Geschichte, habilitierte sich 1875 in Göttingen und wurde 1883 außerord., 1889 ord. Professorin Greifswald, 1891 in Königsberg. Außer mehrern Abhandlungen veröffentlichte B.: «Lothar III. und das Wormser Konkordat» (Straßb. 1874), «Zur Geschichte des Wormser Konkordats» (Gött. 1878), «Geschichtsforschung und Geschichtsphilosophie» (ebd. 1880), «Lehrbuch der histor. Methode» (2. Aufl., Lpz. 1893).

Bernhöft, Franz, Rechtsgelehrter, geb. 25. Juni 1852 zu Karlikow bei Lauenburg in Pommern, wurde 1875 Privatdocent in Heidelberg, 1877 ord. Professor in Rostock. Er begründete mit Cohn (Heidelberg) die «Zeitschrift für vergleichende Rechtswissenschaft» (Stuttg. 1878 fg.). Schriften B.s sind: «Beiträge zur Lehre vom Kaufe» (Jena 1874), «Der Besitztitel im röm. Recht» (Halle 1875), «Staat und Recht der röm. Königszeit im Verhältnis zu verwandten Rechten» (Stuttg. 1882), «Die Inschrift von Gortyn» (ebd. 1886), «Verwandtschaftsnamen und Eheformen der nordamerik. Volksstämme» (Rostock 1889), «Kauf, Miete und verwandte Verträge» (Heft 12 der «Beiträge zur Erläuterung und Beurteilung des Entwurfes eines bürgerlichen Gesetzbuches", hg. von Bekker und Fischer, Berl. 1889), «Die Rechtsstellung des Nießbrauchers und der Hypothekengläubiger bei der Feuerversicherung» (Rostock 1891); «Zur Reform des Erbrechts» (Berl. 1893).

Berni, Francesco, ital. Dichter, geb. 1497 oder 1498 zu Lamporecchio in Toscana, aus armer Adelsfamilie, lebte bis 1517 in Florenz und kam hierauf zu Kardinal Bibbiena nach Rom, 1524 als Sekretär zu Bischof Giberti von Verona und trat 1532 in den Dienst des Kardinals Ippolito de' Medici, der ihm ein Kanonikat am Dome von Florenz verlieh. 1533 ließ er sich hier nieder und starb 26. Mai 1535, wie man sagte, durch Gift des Kardinals Cibo. B. war ein Freund heitern Lebensgenusses und rücksichtslosen Spottes, daher beliebtes Mitglied der 1527 gegründeten «Vignajuoli» (d. i. Winzerakademie) zu Rom. Er pflegte in Capitoli (in Terzinen) und Sonetten die Burleske (s. d.), seitdem «Poesia Bernesca» genannt. Diese sprachreinen und witzigen, doch überderben Gedichte erschienen 1540, zuletzt u. d. T. «Rime, Poesie latine e Lettere» (hg. von Virgili, Flor. 1885). In seinem «Orilando Innamorato (Vened. 1541 u. ö.) strebte er dem Werke Bojardos (s. d.) eine elegantere Form zu gehen, beraubte dieses aber trotz des flüssigen Verses nicht selten der eigentümlichen Vorzüge. Die beste Ausgabe (Flor. 1827-28) bietet eine Biographie von Corniani, eine andere Biographie giebt Salvinis Ausgabe der «Rime» (Lond.1721). - Vgl. Virgili, Francesco B. (Flor. 1881).

Bernicla., Meergans, Gattung der Gänse (s. Gans), zu der die Bernikelgans oder Ringelgans (B. torquata Frisch, s. Tafel: Schwimmvögel III, Fig. 6) und Nonnengans (B. leucopsis Bchst.) unserer Meeresküsten gehören. Schöner gezeichnet sind ihre südamerik. Verwandten, die Rot-^[folgende Seite]