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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bernikelgans; Bernina; Berninapaß; Bernini; Bernis

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Bernikelgans - Bernis

und Graukopfgans, die Magalhaesgans, sowie auch die Sandwichgans. Alle finden sich häufig in den zoolog. Gärten und halten dort bei einfacher Gerstenfütterung gut aus. Der Preis für die amerik. Arten stellt sich auf 200-400 M. das Paar, der für die einheimischen auf 20-25 M.

Bernikelgans, s. Bernicla und Gans.

Bernina, mächtiger vergletscherter Gebirgsstock aus Granit und älterm Eruptivgestein auf der Grenze des schweiz. Kantons Graubünden und Italiens, zu den Rhätischen Alpen (s. Ostalpen) gehörend, gipfelt in dem Piz B. (4052 m), der sich zwischen den Gletschern Tschierva, Morteratsch und Scerscen erhebt; die Spitze wurde zuerst 1850 vom eidgenössischen Geometer Coaz, dann 3. Okt. 1858 von Sarraz, Jenni und Ruodi und, obgleich sehr schwierig, seither häufig bestiegen. Das Gletschergebiet der B. umfaßt 8 Gletscher I. und etwa 30 II. Ordnung; die größten (Forno-, Roseg-, Morteratschgletscher) verlaufen nach Norden zum Bergell und Oberengadin. Quer durch das Massiv führt zum Malojapasse nach Sondrio im Veltlin der rauhe Murettopaß (2626 m) und scheidet die Gruppe des Monte della Disgrazia (3677 m) von dem Berninastocke. Über das Joch am Ostende des Stocks führt die ungefähr 56 km lange Kunststraße des Berninapasses aus dem Oberengadin (Samaden) in das Puschlav und Veltlin (Tirano). Sie ist in guten Weinjahren durch Fuhrwerk sehr belebt, auch im Winter täglich von 60 bis 70 Pferden befahren. Unterhalb der Paßhöhe liegen die Seen Lago Nero und Lago Bianco, von denen der erstere zum Gebiete des Inn, der letztere zu dem der Adda gehört. Auf dem Nordabhange bieten die Berninahäuser (2049 m), auf der aussichtsreichen Paßhöhe das Hospiz B. (2309 m) Unterkunft.

Bernina, Bezirk im schweiz. Kanton Graubünden, nach dem Berge Piz B. benannt, hat (1888) 4172 E., darunter 884 Evangelische, und zerfällt in die Kreise Brusio und Poschiavo.

Berninapaß, s. Bernina (Gebirgsstock).

Bernini, Giovanni Lorenzo, ital. Bildhauer und Baumeister, geb. 7. Dez. 1598 zu Neapel, genoß den Unterricht seines Vaters, ging mit diesem nach Rom, wo er bald von Papst Paul V. und Gregor XV. beschäftigt wurde; Urban VIII. ernannte ihn 1629 zum Architekten der Peterskirche und zum Leiter aller öffentlichen Arbeiten Roms, welche Stellung er auch unter den folgenden Päpsten behielt. 1665 ging B. auf Einladung Ludwigs XIV. zum Zwecke des Louvrebaues nach Paris, wo er mit hohen Ehren empfangen wurde; doch mußten seine Entwürfe hinter denen Perraults zurücktreten. B. hat bis zu seinem Tode (28. Nov. 1680 in Rom) das röm. Kunstleben beherrscht. Sein Hauptbauwerk ist die Vollendung der Peterskirche in Rom; ferner schuf er den großartigen Säulengang vor der Peterskirche (mit den 162 Heiligenstandbildern), durch dessen wohlberechnete perspektivische Anordnung die Kirche erst ihre volle Wirkung erhielt. Weiter erfand er den wirkungsvollen Altarüberbau unter der Kuppel der Peterskirche (s. Tafel: Altäre II, Fig. 5). Sodann vollendete er den Palast Barberini und Odescalchi, das Vorbild für den spätern Palaststil. Ein Meisterwerk perspektivischer Wirkung schuf er in der großen Treppe Scala regia) im Vatikan; dann die Centralkirchen San Tommaso da Villanova in Castel Gandolfo (1661), Sta. Assunzione di Maria Vergine zu Ariccia (1664), San Andrea auf dem Quirinal (1678) u. a. B. erbaute auch die in neuerer Zeit wieder beseitigten Seitentürme, die sog. Eselsohren des Pantheons. Als Bildhauer schuf B. zunächst Kapelleneinbauten in ältere Kirchen mit Altären und Bildsäulen, ferner Grabdenkmäler (namentlich das Urbans VIII. in der Peterskirche und das Clemens' IX. in der Heiligengeistkirche zu Pistoja 1668), endlich Brunnen, darunter die Fontana la Barcaccia, den Tritonsbrunnen auf dem Barberiniplatze und den prunkhaften Brunnen auf dem Ravonaplatze. Ferner arbeitete B. zahlreiche Einzelwerke, als Bildnisbüsten (Ludwig XIV. und Kardinal Richelieu), Reiterstandbilder (Kaiser Konstantin an der Scala regia), antike Gestalten (Raub der Proserpina in der Villa Ludovisi, Apollo und Daphne in der Villa Borghese) und christl. Gestalten (Longinus in der Peterskirche, die heil. Ludovica in San Francesco a Ripa, die heil. Theresa in der Kirche Sta. Maria della Vittoria, nach B.s Ansicht sein bestes Werk). B.s technisch höchst vollendete Bildwerke kennzeichnet ein malerisch-theatralischer Zug und das Streben nach sinnlicher Wirkung in dem weichen, üppigen Fleisch der weiblichen, der überkräftigen Muskulatur der männlichen Körper. Dazu kommt übermäßige Beweglichkeit und oft übertriebene Empfindung. B. ist lange in Architektur, in welcher er Größe und Kraft mit schwungvoller Wirkung zu verbinden wußte, und Plastik mustergültig und vorbildlich geblieben. Er ist der eigentliche Ausbilder des prunkvollsten Barockstils, der den echtesten Ausdruck seiner Zeit bietet.

Bernis (spr. -nih), Francois Joachim de Pierre de, Kardinal und Minister Ludwigs XV. von Frankreich, geb. 22. Mai 1715 zu St. Marcel de l'Ardèche, widmete sich dem geistlichen Stande und studierte zu Paris im Seminar von St. Sulpice. Kaum 18jährig, trat er als Abbé in die vornehme Welt, wo sein einnehmendes Äußere, sein liebenswürdiges Wesen und das Talent, gefällige Verse zu machen, sein Emporkommen begünstigten. Die Marquise von Pompadour stellte ihn Ludwig XV. vor, der ihn lieb gewann und ihm eine Wohnung in den Tuilerien nebst einer Pension von 1500 Livres gab; 1744 ward er Mitglied der Akademie. Im Anfang der fünfziger Jahre erwarb er sich als Gesandter in Venedig durch die Ausgleichung eines zwischen dem Papste und der venet. Regierung obwaltenden Zwistes Gunst und Ansehen. Nach Paris 1755 zurückgekehrt, trug er unter Anregung der Pompadour zur Herstellung des Bündnisses mit Österreich bei, das Frankreich in den Siebenjährigen Krieg verwickelte. Am 1. Mai 1756 unterzeichnete er den Versailler Bündnisvertrag, 1. Mai 1757 den Vertrag bezüglich einer Teilung Preußens. Am 25. Juni 1757 übernahm er an Stelle Rouilleés das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten. Als der an Österreichs Seite geführte Krieg ungünstige Resultate aufwies, riet er dem König und seiner Geliebten vergebens zum Frieden. 1758 erhielt er seine Entlassung in demselben Augenblick, wo er vom Papste den Kardinalshut erhielt; in die Provinz verwiesen, blieb er in Ungnade bis 1764, wo ihn der König zum Erzbischof von Alby ernannte. 1769 wurde er Gesandter in Rom und hatte vornehmlich die Aufhebung des Jesuitenordens zu betreiben. Die Revolution, die er nicht anerkannte, vernichtete seine Stellung sowie seinen Besitz. Er blieb in Rom bis an seinen Tod, 2. Nov. 1794. Seine Poesien sind von geringem Wert. Das Gedicht «La religion vengée» wurde nach seinem Tode von Azara und Gerdil