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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bhartpur - Bhatti

zieht sie sich, zum Schutze gegen den Strom, etwa 1½ km weit hin. In älterer Zeit war B. ein blühender Handels- und Gewerbeort; in den letzten 3 Jahrhunderten hat es durch die vielen Kriege sehr gelitten, und erst in neuerer Zeit beginnt es sich wieder zu heben. B. hatte 1872: 36 932, 1891: 40 168 E. (10 000 weniger als 1777), darunter 25 257 Hindu, 11 354 (meist arme) Mohammedaner, 2243 Parsen (meist Weber und Schiffbauer), 488 Dschain (meist Kaufleute), 93 Christen. Der Schiffbau der Parsen hat sehr nachgelassen; desgleichen auch, infolge der zunehmenden Einfuhr engl. Stoffe, ihre Weberei. Die Hindu und Mohammedaner treiben hauptsächlich Handel, Schifffahrt, Fischfang und die verschiedenartigsten Handwerke. Der schwarze Boden ist außerordentlich fruchtbar und besonders für Baumwollpflanzungen geeignet; außer Baumwolle werden auch Getreide und Hülsenfrüchte ausgeführt. Es befinden sich daselbst eine engl. Regierungsschule, ein von den Hindu unterhaltenes Krankenhaus für die verschiedensten Tiere bis hinab zu den Insekten sowie ein wohlerhaltener Kirchhof, aus der Zeit, wo B. den Holländern gehörte, mit Grabsteinen von 1685 bis 1770. - Es ist nicht unwahrscheinlich, daß B. das Barygaza des Ptolemäus und Arrian ist. Den Arabern im Mittelalter war B. unter dem Namen Barusch als Handelsplatz wohlbekannt. Nach der Eroberung von Gudschrat durch die Mohammedaner machte B. einen Teil des neugebildeten Staates Gudschrat aus, bis es der Großmogul Akbar 1583 seinem Reiche einverleibte. 1685 ward es von den Mahratten erobert, denen es 1772 die Engländer abnahmen. Dieselben traten es jedoch 1783 an den Mahrattenfürsten Mahadadschi Sindhja ab. 1803, bei dem Kriege zwischen den Mahratten und Engländern, eroberten diese B. im Sturme. Bei dem hierauf folgenden Friedensschlusse von Surdschi Andschangaon (in Berar) ward es an die Engländer abgetreten.

Bhartpur, s. Bharatpur.

Bhartrihari (im Sanskrit Bhartṛihari), Name des angeblichen Verfassers einer berühmten ind. Spruchsammlung. Der ind. Tradition nach war B. der Bruder eines Königs Vikramāditya und verbrachte seine Jugend in großen Ausschweifungen. Am Sterbebette seines Vaters beschloß er, durch dessen Kummer bewogen, der Welt zu entsagen und am Ufer der Çiprā zeigt man noch heute eine Höhle, die er als Büßer bewohnt haben soll. Nach dem Chinesen I-tsing lebte er im 7. Jahrh. n. Chr., wurde buddhistischer Mönch, bald aber wieder aus Liebe zur Welt Laie und wiederholte alsdann diesen Wechsel noch sechsmal. Unter B.s Namen gehen drei Centurien (Sanskrit çataka) von Sprüchen, von denen jeder ein abgeschlossenes Ganzes für sich bildet. Die erste Centurie führt den Namen çrngāraçatakam, d. h. "Centurie der Liebe", und ist erotischen Inhalts, die zweite nītiçatakam, d. h. "Centurie der Lebensklugheit", und enthält Sprüche über allerlei Verhältnisse des Lebens, die dritte vairāgyaçatakam, d. h. "Centurie der Leidenschaftslosigkeit", und enthält Sprüche über die Gleichgültigkeit gegen die Welt, die Aufgebung der Lebensfreuden, die Macht des Schicksals u. dgl. Neben vielem Schönen enthalten die Sprüche nicht wenig Mittelmäßiges. Sie stammen von verschiedenen Verfassern, und die Spruchsammlung, die in ihrem Umfange in den Handschriften sehr schwankt, ist mehr eine Anthologie als das Werk eines Mannes. Die erste Ausgabe besorgte Carey (Serampur 1804); dann gab von Bohlen eine kritisch sehr mangelhafte Ausgabe mit lat. Übersetzung und Anmerkungen (Berl. 1833), wozu Schütz (Bielef. 1835) und Schiefner und Weber (ebd. 1850) Nachträge und Verbesserungen gaben. Die 2. und 3. Centurie gab Telang heraus (2. Aufl., Bombay 1885), die beste vollständige Ausgabe ist die mit dem Kommentare des Krischnaçāstrin (ebd. 1888). Sämtliche Sprüche sind aufgenommen und wörtlich ins Deutsche übersetzt in Böhtlingks "Indische Sprüche" (2. Aufl., Petersb. 1870-73). Eine geschickte metrische Übersetzung gab von Bohlen (Hamb. 1835); außerdem wurde eine Auswahl übersetzt von Rückert in der "Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes", I,14 fg. (l837) und von Höfer, "Indische Gedichte" (Lpz. 1844), I,143 fg.; II,168 fg.

Bhat (neuind. bhāt), eine eigentümliche, erbliche, eine Art Kaste bildende Genossenschaft von Barden in der Westhälfte von Vorderindien, namentlich in den Ländern, welche früher zu Gudschrat gehörten. Hauptsächlich unter der radschputischen Bevölkerung daselbst stehen die B. nebst den ihnen nahe verwandten Tschārans in großem Ansehen und üben wesentlichen Einfluß aus. Die B. sind Märchenerzähler, herumziehende Barden, Aufbewahrer der Volkslegenden und Familientraditionen, mitunter auch Gaukler, Wahrsager u. s. w. Diejenigen Häuptlinge und andere Vornehme, welche sich freigebig gegen sie zeigen, werden von ihnen in Liedern gepriesen, während sie auf solche, von denen sie sich vernachlässigt glauben, Satiren machen und verbreiten, die sich meistens auf unechte Geburt und daher stammende niedrige Gesinnung der betreffenden Personen beziehen. Mitunter, wenn ein B. sich besonders empfindlich durch einen Häuptling gekränkt fühlt, befestigt er das Bildnis desselben, zugleich aber auch einen alten Schuh oben an einer Stange und zieht hiermit von Dorf zu Dorf, allenthalben Spott- und Schmählieder auf jenen vortragend, bis dieser selbst oder seine Anverwandten den B. durch reiche Geschenke versöhnen. Einen B. zu töten gilt für ein schweres Verbrechen. Deshalb begleiteten sie Reisende als Schützer und drohten bei Angriffen sich das Leben zu nehmen. Jetzt ist das Ansehen der B. immer mehr im Schwinden begriffen, namentlich in den Ebenen von Hindustan, wo sie als eingebildete und freche Bettler auftreten.

Bhatgang, s. Bhatgaon.

Bhatgaon (verderbt Bhatgang), bedeutende Stadt in dem selbständigen Staate Nepal in Ostindien, in den südl. Abhängen des Himalaja, liegt unter 27° 37' nördl. Br. und 85° 22' östl. L. 15 km östlich von Katmandu und ist gut gebaut, hat etwa 30 000 E., reinliche Straßen, einen Palast, eine Anzahl von Tempeln und dadurch ein stattlicheres Aussehen als die Hauptstadt Katmandu. Früher war es der Lieblingsaufenthalt der in diesem Lande lebenden Brahmanen; jetzt sind die Bewohner hauptsächlich hinduisierte Newar, d. h. Angehörige eines ureingeborenen Stammes, der sich durch Betriebsamkeit, namentlich in der Weberei, auszeichnet.

Bhatti, ind. Dichter, mit vollem Namen Bhattasvāmin und Bhartṛsvāmin, auch Bhartrhari, Verfasser des "Bhaṭṭikāvyam". Seinen eigenen Angaben nach lebte er unter einem Könige Çrīdharasēna aus der Valabhīdynastie. Damit ist wahrscheinlich Dharasēna I. (530-545 n. Chr.) gemeint, von dem wir wissen, daß er ein Beschützer der Ge-^[folgende Seite]