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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bhāgavata; Bhagelapur; Bhagirathi; Bhagulpore; Bhamar; Bhamo; Bhamr; Bhandārā; Bhang; Bhanmo; Bhar; Bharatpur; Bhāravi; Bharōtsch

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Bhagavata - Bharotsch

lichen Gehalt nach zu der Litteratur der Pāntscharātra gehört, setzt die Existenz verschiedener philos. Schulen voraus und ist sicher nicht vor dem 3. Jahrh. n. Chr. entstanden. In Indien genießt das Werk ein unbedingtes Ansehen und ist daher auch oft kommentiert und in die verschiedenen Sprachen Indiens übersetzt worden. Die besten Ausgaben des Sanskrittextes lieferten A. W. von Schlegel (2. Aufl., Bonn 1846) und Thomson (Hertford 1855); in das Deutsche wurde das Gedicht übersetzt und kommentiert von Peiper (Lpz. 1834), Lorinser (Bresl. 1869), Boxberger (Berl. 1870) und Fr. Hartmann (Braunschw. 1892), in das Englische von Arnold (1885) und Chatterjee (1889). Das beste Werk überdies, ist die geistvolle Abhandlung W. von Humboldts «Über die unter dem Namen B. bekannte Episode des Mahābhārata» (Berl. 1826).

Bhāgavata, ind. Sekte, s. Pāntscharātra.

Bhagelapur, s. Bhagalpur.

Bhagirathi, Quellstrom des Ganges (s. d.).

Bhagulpore, s. Bhagalpur.

Bhamar, s. Bhamo.

Bhamo, Bhamr, Bhamar, Bamo oder Bhanmo, birman. Bhamaw, in der Schansprache Manmaw, chines. Sin-kai («Neumarkt»), bedeutendste Handelsstadt in Birma in Hinterindien, am östl. Ufer des Irawadi unterhalb der Einmündung des Taping, hat (1891) 6986 E. Der sehr belebte Ort ist Hauptsitz des birman.-chines. Handels. Alljährlich treffen hier vom Oktober bis Mai (nur die Regenzeit unterbricht den Verkehr) die mit Seide, Manufaktur- und andern Waren beladenen Karawanen chines. Kaufleute, zunächst aus der Provinz Jün-nan (deren Grenze 5 Tagemärsche ostwärts entfernt ist) und die flachen Boote der Birmanen mit ihren Baumwollballen und andern Produkten zusammen. Der Überwert der Baumwollausfuhr sowie der Wert des übrigen Exports findet seine Ausgleichung zum Teil durch Einfuhr von Quecksilber, Zink, Zinnober, Sammet- und Seidenzeugen, Opium, russ. Tuch u. s. w., teils durch Zahlung in chines. Silber (Sj’-Szi-Silber) und Blattgold. Neben der Baumwolle kommen für den Export nach China noch in Betracht: Schmuckfedern, Serpentinstein oder Ju, Bernstein, fleischfarbener Feldspat zu Rangknöpfen, außerdem eßbare Vogelnester, Arekanüsse, Elfenbein, Rhinoceros- und Hirschhorn. Die Gesamtausfuhr an Waren wird auf 6‒7 Mill. M., die Gesamteinfuhr auf 5‒6 Mill. M. geschätzt. Engl. Dampfer mit flachen Schleppschiffen vermitteln den Verkehr mit Rangun. Versuche der Engländer, von hier aus den Handel mit Südwestchina zu leiten, sind an der Landesnatur gescheitert, da zwischen B. und Jün-nan hohe schneebedeckte Ketten zu überwinden sind. – Vgl. Kreitner, Im fernen Osten (Wien 1885).

Bhamr, s. Bhamo.

Bhandārā. 1) Distrikt der zu dem Hauptkommissariat (Chief-Commissionership) «Centralprovinzen» in Britisch-Ostindien gehörenden Division Nagpur, grenzt im N. an die Distrikte Seoni und Balaghat, im S. an Tschanda, im O. an Raïpur und im W. an Nagpur, hat 10158 qkm und (1891) 742887 E. – 2) Hauptort des Distrikts B. unter 21° 9’ nördl. Br. und 79° 42’ östl. L., in 260 m Höhe auf dem rechten Ufer des Flusses Wainganga, und hat (1891) 13389 E. (fast alle Hindu nicht hoher Kasten) und einen lebhaft besuchten Bazar.

Bhang (Bang), Guaza Sidhee, Handelsname der geringern Sorte des Indischen Hanfes (s. d.), aus den zur Blütezeit abgestreiften zerkleinerten Blättern, Kapseln und jüngern Zweigen bestehend. Diese werden in Indien und im Orient mit Wasser oder mit Milch unter Zusatz von Gewürzen verrieben und bilden so ein beliebtes Berauschungsmittel (s. auch Ganjah und Haschisch).

Bhanmo, birman. Stadt, s. Bhamo.

Bhar, Handelsgewicht, s. Bahar.

Bharatpur oder Bhartpur (engl. Bhurtpoor). 1) Vasallenstaat, das wichtigste Dschatfürstentum (s. Dschat) in der brit.-ostind. Agentschaft der Östlichen Staaten in Radschputana, grenzt im N. an den brit. Distrikt Gurgaon, im O. an die Distrikte Mathura und Agra, im SO., S. und SW. an die unabhängigen Staaten Dholpur, Karauli und Dschaipur, im W. an Alwar, und hat 5113 qkm und (1891) 640620 E. Das Land leidet an Wassermangel; doch sind bedeutende Anlagen für künstliche Bewässerung gemacht worden. – 2) Hauptstadt des Staates B., liegt unter 27° 13’ nördl. Br. und 77° 32⅓’ östl. L., an der Eisenbahn Agra-Adschmir-Bombay in einem vertieften Terrain, ein Umstand, der ihr in militär. Hinsicht Bedeutung verleiht, da infolgedessen ihre Umgegend aus einem kleinen, höher gelegenen See in der Nähe unter Wasser gesetzt werden kann. Dies geschah 1805 und machte den Angriff von Lord Lake auf B. fruchtlos. Bei dem Angriffe von Lord Combermere 1827 glückte es den Engländern noch zu rechter Zeit, die Ableitung des erwähnten Sees nach der Umgegend von B. zu verhüten. Seitdem sind die früher berühmten Festungswerke von B. größtenteils nur noch Trümmer. Die entwaffnete Citadelle enthält drei voneinander getrennte Paläste, einen für den Fürsten, den andern für die Frauen der fürstl. Familie, den dritten für die Rechtspflege. B. ist noch immer ein bedeutender Ort, hat einen Umfang von 13 km und (1891) 68033 E., darunter 50210 Hindu, 16665 Mohammedaner, 1154 Dschain und 4 Christen. Die Bewohner treiben einen beträchtlichen Handel, namentlich mit Salz aus dem See Sambhar in Radschputana. Das Land zwischen B., Agra und Mathura und die Sprache heißt Bradsch oder Bridsch.

Bhāravi, in Indien hochgefeierter Kunstdichter. Er wird zusammen mit Kālidāsa in einer Inschrift aus dem J. 634 n. Chr. genannt, war also damals bereits berühmt. Er ist Verfasser des Kunstepos «Kirātārjunīya» (der Kampf Ardschunas mit dem Kiraten) in 18 Gesängen (sarga), dessen Stoff frei nach einer Episode des Mahābhārata, bearbeitet ist. Herausgegeben wurde das «Kirātārjunīya» mit dem Kommentar des Mallinātha zuerst in Kalkutta 1814, seitdem sehr oft in Indien. Die beste Ausgabe ist die von Godabole und Paraba (Bombay 1889). Die beiden ersten Gesänge wurden übersetzt von C. Schütz (Bielef. 1845), der in der Einleitung eine Analyse des Gedichts giebt.

Bharōtsch (engl. B[a]roach), Hauptstadt des Distrikts B. der Provinz Gudschrat in der indobrit. Präsidentschaft Bombay, 21° 43’ nördl. Br., 73° 2’ östl. L., am rechten (nördl.) Ufer der Narbada, ungefähr 48km von deren Einmündung in den Golf von Cambay. Die jährliche Regenhöhe beträgt 987 mm. B., einer der ältesten Seehäfen im westl. Ostindien, bietet von der Südseite der Narbada, über welche eine 1¼ km lange Eisonbahnbrücke mit 67 Bogen führt, einen malerischen Anblick dar. Umgeben ist die Stadt von einer vielfach zerfallenen Mauer, die nur nach der Flußseite hin ziemlich vollkommen erhalten ist und hier 5 Thore hat; in einer Höhe von 9 bis 12 m