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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bierwage - Biester (João Ernesto)

16. Jahrh. zur höchsten Blüte. Besonders gepflegt wurde das Bier in den Klöstern, wo man angeblich schon im 15. Jahrh. starkes Bier für die Patres und schwaches Bier für den Konvent, ersteres Patresbier und letzteres Kovent genannt, braute. Die Bezeichnung Kovent für schwaches Bier findet man verschiedentlich wieder. Die Klöster haben auch den Hopfenbau gefördert. Zahllose gesetzliche Bestimmungen beziehen sich auf die Bierbereitung und den Biergenuß, deren Regelung bis in die ältesten Zeiten mit gewissen Rechten der Städte verknüpft war. Viele Städte waren durch die Herstellung besonderer Biersorten berühmt, wie z. B. Einbeck durch sein Einbecker, Braunschweig durch sein Mumme. Wenn auch der Dreißigjährige Krieg der deutschen Bierbrauerei eine empfindliche Stockung brachte, so entwickelte sich das Brauwesen doch bald wieder und gestaltete sich in der Neuzeit zu einem hervorragenden, die technischen Errungenschaften im vollsten Maße ausnutzenden Betriebe, dessen Ausdehnung einen großen Anteil an dem Nationalwohlstand der bierbrauenden Länder hat. Die großen Bierbrauereien des Kontinents, diejenigen von England und Amerika haben eine Leistungsfähigkeit, welche zu überraschen vermag. München bildet den Hauptort der Bierfabrikation in Bayern mit einem namhaften Export. Die größte Bierbrauerei, Gabriel Sedlmayer zum Spaten, verbraute 1890/91 allein 233 488 hl Malz, die nächst größern dortigen Bierbrauereien, nämlich Löwenbräu, Augustiner-, Leistbräu und Pschorr, verbrauten zusammen mehr als 600 000 hl Malz. Wiens größte Brauerei von A. Dreher erzeugt jährlich etwa 450 000 hl Bier.

Litteratur. Lintner, Lehrbuch der Bierbrauerei (Braunschw. 1878): Fasbender, Die mechan. Technologie der Bierbrauerei und Malzbereitung (3 Bde., Lpz. 1883-87, und I. Supplement, 1891-92); Leyser, Die Bierbrauerei mit besonderer Berücksichtigung der Dickmaischbrauerei (9. Aufl., Stuttg. 1893); Thausing, Die Theorie und Praxis der Malzbereitung und Bierfabrikation (4. Aufl., Lpz. 1893); Peltz' und Habichs' Praktisches Hand- und Hilfsbuch für Bierbrauer und Mälzer (2. Aufl. von Peltz und Krandauer, Braunschw. 1888); Ehrich, Handbuch der Bierbrauerei, hg. von Schneider und Behrend (5. Aufl., Halle 1890); Langer, Grundriß der Chemie für Brauer und Mälzer (2. Aufl., Lpz. 1890); Hansen, Untersuchungen aus der Praxis der Gärungsindustrie (Heft 1, 2. Aufl., Münch. 1890); Michel, Lehrbuch der Bierbrauerei (2. Aufl., Augsb. 1893); Struve, Entwicklung des bayr. Braugewerbes im 19. Jahrh. (Lpz. 1893); Moritz und Morris, Handbuch der Brauereiwissenschaft (deutsch Berl. 1893) u. a. - Brauer- und Mälzerkalender für Deutschland und Österreich (18. Jahrg., 3 Tle., Stuttg. 1894; seit 1877).

Zeitschriften: Der Bierbrauer (begründet von Habich 1859, Neue Folge, hg. von C. Schneider, Lpz. und Halle 1869 fg.); Allgemeine Brauer- und Hopfenzeitung, hg. von J. Carl (Nürnb. 1861 fg.); Der bayr. Bierbrauer, hg. von Lintner (Münch. 1866-77), fortgesetzt u. d. T. Zeitschrift für das gesamte Brauwesen; Organ der wissenschaftlichen Station für Brauerei in München, hg. von K. Lintner sen., C. J. Lintner, L. Aubry und G. Holzner, redigiert von C. J. Lintner und L. Aubry (ebd. 1878 fg.); Allgemeine Zeitschrift für Bierbrauerei und Malzfabrikation, hg. von F. Fasbender (Wien 1872 fg.); Der böhm. Bierbrauer, hg. von A. St. Schmelzer (Prag 1874 fg.); Gambrinus, hg. von S. Spitz und A. Lichtblau (Wien 1874 fg.); Norddeutsche Brauerzeitung (Berl. 1875-87), fortgesetzt u. d. T. Deutsche Brauindustrie (ebd. 1888 fg.; Herausgeber seit 1876 B. Johannesson); Der deutsche Bierbrauer, hg. von E. Leyser (Stuttg. 1884 fg.); Wochenschrift für Brauerei, hg. von M. Delbrück und M. Hayduck (Berl. 1884 fg.); Österr. Brauer- und Hopfenzeitung, hg. von K. Tiller (Prag 1888 fg.); Bayr. Brauer-Journal, hg. von E. Prior (Nürnb. 1891 fg.) u. a.

Bierwage, ein Saccharimeter (s. d.), mittels dessen der Extraktgehalt der Würze und die Attenuation (s. d.) bestimmt wird.

Biesbosch, Binsenbusch, ein mit dem Meere in Verbindung stehender, inselreicher und verschlammter Busen zwischen den niederländ. Provinzen Südholland und Nordbrabant, zwischen den Städten Dordrecht, Geertruidenberg und Willemstad, entstand in der Sturmnacht vom 18. zum 19. Nov. 1421 durch einen Deichbruch der Maas, wobei 72 wohlhabende Flecken und Dörfer und 100 000 Menschen mit den fruchtbarsten Fluren zu Grunde gingen. Die ganze Fläche nimmt fast 200 qkm ein. Seit dem 18. Jahrh. hat man durch Einpolderung einen großen Teil des Landes wiedergewonnen. In der letzten Zeit sind die vielen südlichen, die B. durchschneidenden Seitenabhänge der Merwede in einen breiten neuen Stromarm (die Neue Merwede) abgelenkt, wodurch die meisten der zahlreichen kleinen Inseln zu einer einzigen großen zusammenwuchsen und die ungeheure Wassermasse der Merwede bessern Abfluß erhielt. Die Neue Merwede vereinigt sich mit dem Amer (Abfluß eines Maasarmes der alten Maas) zu dem Hollandsch-Diep (s. d.).

Biese, Wilh., Pianofortefabrikant, geb. 20. April 1822 in Rathenow, ist seit 1851 Inhaber einer der größten Pianofortefabriken in Berlin und gewann seinen Ruf durch eigenartig konstruierte und von ihm vielfach verbesserte Pianinos, die sich durch Wohlklang und Fülle des Tons auszeichnen. Bis 1891 lieferte die Fabrik etwa 18 000 Instrumente.

Biesen, Bezeichnung für die auffallende Unruhe der Rinder bei Annäherung der Biesfliegen (s. d.).

Biesenthal, Stadt im Kreis Oberbarnim des preuß. Reg.-Bez. Potsdam, an der Finow, an der Linie Berlin-Stettin-Stargard (Bahnhof 4 km entfernt) der Preuß. Staatsbahnen, hat (1390) 2408, nach einer Erweiterung des Stadtgebietes 2551 evang. E., Post, Telegraph, evang. Kirche, schwache Eisenquelle; 2 Dampfschneidemühlen und Ackerbau.

Biesfliegen, Brems- oder Dasselfliegen (Oestridae), eine Familie aus der Unterordnung der Fliegen, die trotz des übereinstimmenden Namens nichts mit den Bremsen (s. d.) gemein hat. Die B. sind große bis mittelgroße, in ihrer Gestalt meist an die Hummeln erinnernde Fliegen mit verkümmertem Rüssel, der zur Nahrungsaufnahme gänzlich untauglich ist. Ihre Larven, meist Engerlinge genannt, sind häufig mit Dornen und Stacheln besetzt und schmarotzen bei Säugetieren unter der Haut oder im Innern des Körpers. Der Name rührt her von "Biesen", dem Aufruhr, der beim Herannahen der B. unter den weidenden Tieren entsteht, die sich wie rasend gebärden und davonstürzen. Die wichtigsten Gattungen der B. sind die Nasenbremsen (Oestrus), Hautbremsen (Hypoderma), Rachenbremsen (Cephenomyia) und Magenbremsen (Gastrophilus). (S. die betreffenden Artikel.)

Biester, João Ernesto, portug. Dramatiker, geb. 1329 als Sohn eines Kaufmanns von deut-^[folgende Seite]