Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bili-bili-Insel – Bilk

Bili-bili-Insel, Eiland in der Astrolabebai von Kaiser-Wilhelms-Land, bekannt wegen des zutraulichen und schönen Papua-Stammes, der dieselbe bewohnt und von hier aus die Küste bis zur Ruk-Insel mit seinen Thonwaren versorgt.

Bilifuscin, s. Gallenfarbstoffe.

Bilin, die Sprache der Bogos (s. d.).

Bilin, czech. Bilina, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Teplitz in Böhmen und berühmter Brunnenort, 8 km südwestlich von Teplitz, in 199 m Höhe, an der Biela und in einem schönen Kesselthale, an den Linien B.-Türmitz (26 km) der Aussig-Teplitzer und Pilsen-Dux der Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 5890, als Gemeinde 6051 E., Bezirksgericht (230 qkm, 10 Gemeinden, 71 Ortschaften, 24807 E.), ein schönes Schloß des Fürsten von Lobkowitz (1680 erbaut), mit Park und Fideïkommißherrschaft (59 qkm), 1 fürstl. Brauerei und 2 Dampfmühlen. In dem Laboratorium wird durch Vermischung des Biliner Sauerbrunnens mit Saidschützer Bitterwasser Magnesia gewonnen. In der Umgegend mächtige Kalk- und Braunkohlenlager mit bedeutendem Bergbau auf Braunkohle. Die Stadt, historisch merkwürdig als ehemaliger Hauptort des Biliner Gaues im 11. Jahrh. (die Überreste der Gauburg sind noch vorhanden), seit 1464 in beständigem Besitz der Fürsten von Lobkowitz, ist von Basaltfelsen umgeben, unter denen sich besonders der 538 m hohe Bořen (Biliner Stein) im Vorort Ujesd (540 E.) aufzeichnet, einer der größten Phonolithe Mitteleuropas, mit schönen Fernsichten in die Thäler Böhmens und seltener Flora, und der Basaltberg Nadelstein (750 m). Ungefähr 1,3 km westlich von B. der berühmte Biliner Sauerbrunnen (203m) mit schönem, 1878 erbautem Kurhause und reizenden Parkanlagen, der zu den alkalischen Mineralwässern gehört und durch seinen Reichtum an kohlensaurem Natron unter allen Säuerlingen Mitteleuropas den ersten Platz einnimmt. Von den drei Quellen ist die Josephsquelle die vorzüglichste; dann folgen die Felsen- und die Gemeinquelle. Die 1890 erbohrte Kaiser-Franz-Joseph-Quelle, mit 2 m hohem Sprudel, ist kunstvoll gefaßt und mit prächtigem Oberbau versehen. Die vorzugsweise zu Heilzwecken benutzte Josephsquelle hat eine Temperatur von 7,6° C. und enthält in 1000 g festen Bestandteilen 30 g kohlensaures Natron, 4 g kohlensauren Kalk, 1,4 g kohlensaure Magnesia, 8 g schwefelsaures Natron, 3,8 g Chlornatrium u. s. w., außerdem noch 26 g freie Kohlensäure. Das Wasser hat einen säuerlichen Geschmack, perlt stark, vorzüglich mit Wein und Zucker vermischt und wird zum Trinken und Baden benutzt gegen Säurebildung im Magen, Magenkatarrh, Hämorrhoidalleiden, chronischen Katarrh des Nierenbeckens, Blennorrhöe, chronischen Katarrh der Atmungsorgane, chronischen Rheumatismus, Gicht, die Brightsche Krankheit, Skrofulose, Steinleiden. Obgleich ein besonderes Gebäude zur Aufnahme von Brunnengästen (jährlich etwa 300) errichtet und die Gegend umher durch Kunst verschönert worden ist, wird doch das Wasser mehr auswärts getrunken. Besonders wird es in benachbarten böhm. Badeorten ↔ und namentlich in Teplitz zur Nebenkur gebraucht. Die Zahl der jährlich versendeten Flaschen beläuft sich auf über 2 Mill. Die durch Abdampfen des Mineralwassers gewonnenen Salze werden zur Bereitung der Biliner Pastillen verwendet, von denen jährlich etwa 100000 Dosen versandt werden. – Vgl. Seiche, Schilderungen des Sauerbrunnens zu B. (2. Aufl., Meißen 1855); Der Kurort B., Biliner Sauerbrunnen (Bilin 1879); Reich, Bericht über die drei ersten Jahre der Kuranstalt (ebd. 1881); Hutter, Die Stadt B. und ihre Geschichte (ebd. 1893).

Bilineurin, s. Cholin.

Bilinguisch (lat.), zwei-, doppelsprachig; doppelzüngig.

Bilinski, Leon, Ritter von, österr. Politiker und Nationalökonom, geb. 15. Juni 1846 zu Zaleszčzyki in Galizien, vollendete seine jurist. Studien 1867 an der Universität Lemberg, habilitierte sich dort 1868 als Privatdocent für polit. Ökonomie und wurde 1871 zum außerord., 1874 zum ord. Professor ernannt. Schon frühzeitig beteiligte er sich am öffentlichen Leben. 1875 wurde er in das Zentralkomitee der k. k. Galizischen Landwirtschaftsgesellschaft gewählt, wo er 8 Jahre lang Referent für Steuern, Eisenbahnen und landwirtschaftlichen Unterricht war; 1878 war er als Rektor der Universität Lemberg Mitglied des Landtages; 1883 wurde er vom Städtebezirk Stanislau in den Reichsrat gewählt, dem er fortan ohne Unterbrechung angehörte, und wo er eins der angesehensten Mitglieder des Polenklubs war und mit wichtigen Referaten, z. B. über die Verlängerung des Privilegiums der Nordbahn, über das Budget, über die Krankenversicherung u. a. betraut wurde. Anfang Jan. 1892 zum Präsidenten der Generaldirektion der Staatsbahnen ernannt, entsagte er der parlamentarischen Thätigkeit. Er veröffentlichte eine Reihe von Werken in poln. Sprache: «Studien über die Einkommensteuer» (2 Bde., 1870), «Der Zins» (1872), «Handbuch der Nationalökonomie» (2 Bde., 1873–74), umgearbeitet als «System der Nationalökonomie» (2 Bde., 1882–84), «System der Finanzwissenschaft» (1876), «Wesen, Entwicklung und gegenwärtiger Stand des Socialismus u. s. w.» (1883); in deutscher Sprache verfaßte er: «Die Luxussteuer als Korrektiv der Einkommensteuer» (1875), «Die Eisenbahntarife» (1875), «Die Stellung der Vermögens- und Verkehrssteuern im Steuersystem» (1876), «Die Gemeindebesteuerung und deren Reform» (1878).

Biliös, s. Bilis.

Biliprasin, s. Gallenfarbstoffe.

Bilirubin, ein rotbrauner Gallenfarbstoff von der Zusammensetzung C32H36N4O6, der in der Leber wahrscheinlich aus dem Farbstoffe des Blutes, dem Hämatin, gebildet wird. Das B. verhält sich wie eine Säure, es liefert mit Alkalien lösliche, mit alkalischen Erden unlösliche Salze, die einen Bestandteil der Gallensteine ausmachen.

Bilis (lat.), Galle; atra bilis, schwarze Galle, Schwarzgalligkeit; biliös, gallig, gallsüchtig.

Biliverdin, ein grüner Gallenfarbstoff, der durch Oxydation aus dem Bilirubin gebildet wird. Zusammensetzung: C32H36N4O8.

Bilk, Vorort von Düsseldorf (s. d.).