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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Blandiloquenz - Blankenburg (Kreis und Kreisstadt)

berdollars prägen zu lassen. Zugleich wurde das Schatzamt ermächtigt, gegen Hinterlegung von Silbermünzen Depositenscheine oder Silbercertifikate (certificates of deposit) auszugeben, wie solche für Goldmünzen bereits bestanden. Dieses Gesetz führte zu einer starken Belastung der Vereinigten Staaten mit einer Menge unterwertiger Silbermünzen, die naturgemäß zum größten Teil in die Staatskassen zurückströmten. Bis in den Herbst 1884 waren 185 Mill. Silberdollars geprägt worden, 1884 waren etwa 42½ Mill. in Händen des Publikums, im Umlauf waren für etwa 100 Mill. Silbercertifikate, und etwa 42½ Mill. Silberdollars befanden sich im Besitz des Schatzamtes. Ende 1884 wurde vom Schatzamt eine Vorlage eingebracht, welche die Ausprägung der Silberdollars auf 3 Jahre aussetzte, vom Repräsentantenhaus jedoch abgelehnt; dasselbe Schicksal erlebte ein 1886 von Bland eingebrachter Antrag auf Gestattung freier Silberausprägung. Die 13. Aug. 1890 in Kraft getretene Windombill (s. d.) ist eine Erweiterung der B.; die anzukaufenden Silbermengen werden nicht nach dem Wert, sondern nach dem Gewicht bezeichnet: die anzukaufenden Silbermengen werden nicht nach dem Wert, sondern nach dem Gewicht bezeichnet: das Schatzamt muß monatlich 4½ Mill. Unzen Silber kaufen, solange der Marktpreis des Silbers einen Dollar für 371,25 Gran Feinsilber nicht übersteigt.

Blandiloquenz (lat.), Schmeichelei in Worten, Schmeichelrede.

Blanditien (lat.), Schmeicheleien, Liebkosungen.

Blandrata, Giorgio, eigentlich Biandrata, Unitarier, geb. um 1515 zu Saluzzo, studierte Medizin und wirkte als königl. Leibarzt in Polen. Nach Pavia zurückgekehrt, ward er der Inquisition als Anhänger der Reformation verdächtig und floh 1556 nach Genf. Hier kam er durch seine antitrinitarische Anschauung in Widerspruch mit Calvin und ging 1558 nach Polen. Auch dort verfolgt, ging er 1563 als Leibarzt des Fürsten Joh. Sigismund nach Siebenbürgen, wo er großen Einfluß gewann und um 1590 von seinem kath. Neffen getötet sein soll. - Vgl. Trechsel, Die prot. Antitrinitarier vor F. Socin (Heidelb. 1839).

Blangini (spr. blandschihni), Giuseppe Maria Felice, ital. Komponist, geb. 18. Nov. 1781 zu Turin, kam 1799 nach Paris, wo er bald als Gesanglehrer und Komponist von Romanzen, ein- und zweistimmigen Kanzonetten und Notturnen, später auch durch Opern bekannt wurde. 1809 wurde er in Cassel Kapellmeister des Königs Jérôme von Westfalen. Von da aus ging seine Oper "La fée Urgèle" über die deutschen Bühnen. B. starb 18. Dez. 1841 zu Paris.

Blanik Berg, im mittlern Böhmen, s. Launowitz.

Blänkeln, s. Plänkeln.

Blankenberg, s. Blámont.

Blankenberghe, Marktflecken und Seebad in der belg. Provinz Weststandern, an der Nordsee, 20 km nordöstlich von Ostende, 15 km nordwestlich von Brügge an der Linie Brügge-Heyst der Belg. Staatsbahnen und der Vicinalbahnlinie B.-Ostende, hat (1889) 4057 E., neuen Zufluchtshafen, Leuchtturm und Fischerei. Als Seebad ist B. erst seit 1840 aufgekommen, hat sich aber seit dieser Zeit zum ebenbürtigen Nebenbuhler Ostendes, mit dem es durch Dampf-Trambahn verbunden ist, aufgeschwungen (jährlich über 10 000 Gäste). Ein elegantes Kurhaus ist seit 1860 gebaut, und jährlich mehren sich die stattlichen Häuser und Gasthöfe auf dem prächtigen Steindamme. Der Strand gleicht dem von Scheveningen.

Blankenburg. 1) Kreis im Herzogtum Braunschweig, der südöstl. Teil desselben, der im Bereiche des westlichsten Unterharzes und einzelner Teile des Oberharzes von preuß. Harzanteilen eingeschlossen ist und nur südöstlich an Anhalt grenzt, hat 474,70 qkm und (1890) 29 356 (14 818 männl., 14 538 weibl.) E., darunter 840 Katholiken und 36 Israeliten, 3782 Wohngebäude mit 6921 Haushaltungen, 2 Städte, 22 Landgemeinden und umfaßt die Amtsgerichtsbezirke B., Hasselfelde und Walkenried. Von der Gesamtfläche sind 63 Proz. mit Wald bedeckt. - Mit Ausschluß der ehemaligen Abtei Walkenried bildete B., das bis ins 12. Jahrh. der Hartinggau (Hardago) hieß, eine Grafschaft, die nach dem Tode des letzten Grafen von B., Johann Ernst, 1599 als eröffnetes Lehen an Braunschweig fiel, 1690 Ludwig Rudolf, dem zweiten Sohne Anton Ulrichs von Wolfenbüttel, übergeben, 1707 zum Fürstentum erhoben und bis 1731 selbständig regiert, dann endgültig mit Braunschweig vereint wurde. - Vgl. Steinhoff, Geschichte der Grafschaft bez. des Fürstentums B., der Grafschaft Regenstein und des Klosters Michaelstein (Quedlinb. 1891).

2) B. am Harz, Kreisstadt im Kreis B., dicht am Nordrande des Harzes in 234 m Höhe, an der Linie Halberstadt-Tanne der Halberstadt-Blankenburger Bahn (Nebenbahn, von B. nach Tanne Zahnradbahn), Sitz einer Kreisdirektion, eines Amtsgerichts (Landgericht Braunschweig), der Direktion der Harzer Werke und der Direktion der B.-Halberstädter Eisenbahn, hat (1890) 7703 (3930 männl., 3773 weibl.) E., in Garnison (540 Mann) das 3. Bataillon (Braunschweig. Leibbataillon) des 92. Infanterieregiments, Post erster Klasse, Telegraph; eine luth. und eine kleine kath. Kirche, eine schöne Kaserne, Denkmal für 1870-71 auf dem Schnappelnberge, herzoglich luth. Gymnasium (Direktor Müller, 16 Lehrer, 9 Klassen, 240 Schüler) in neuem Gebäude (1877), 2 Bürgerschulen, Altertumsmuseum des Harzgeschichtsvereins im Rathause, städtisches Krankenhaus, Herzog Wilhelm-Hospital, 2 Heilanstalten für Nervenkranke, Vorschußverein; Kalk-und Ziegelbrennereien, Handel mit Berg- und Hüttenerzeugnissen. Neuerdings ist B. als klimatischer Kurort, besonders für Nervenleidende, in Aufnahme gekommen. - Die Stadt wurde 1182 und 1386 verwüstet, 1625 durch Wallenstein hart bedrängt. Im Siebenjährigen Kriege gewährte ihre völlige Neutralität dem braunschw. Hofe eine sichere Zuflucht, die auch später, 24. Aug. 1796 bis 10. Febr. 1798, Ludwig XVIII. unter dem Namen eines Grafen von Lille hier fand. - Die Umgebung ist romantisch und historisch höchst interessant. Südlich von B. auf einem Sandsteinfelsen, dem Blankensteine (334 m), das in einfachem Stil erbaute Schloß des Herzogs von Braunschweig mit 150 Zimmern, alten Rüstungen, Trinkgeschirren und ältern Gemälden (unter anderm ein Christus im Tempel, von 1527). Im S. des Schloßbergs der noch höhere Calvinusberg mit schöner Aussicht. Im NW. der Stadt befindet sich ein großes Hüttenwerk zur Gewinnung von Roheisen; etwas entfernter das ehemalige Cistercienserkloster Michaelstein mit sehenswerten Kreuzgängen. Im O. der Stadt ragen die Sandsteinklippen der Teufelsmauer empor mit bedeutenden Steinbrüchen, und 8 km südöstlich bricht die Bode durch die Granitfelsen der Roßtrappe (s. d.). Ungefähr 2 km nördlich erhebt sich ebenfalls in den schroffsten Formen eine bis zu 75 m steil aus