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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bleicheroder Berge; Bleichkalk; Bleichlorid; Bleichpulver; Bleichröder; Bleichromat; Bleichsalze; Bleichsellerie; Bleichsucht

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Bleicheroder Berge - Bleichsucht (beim Menschen)

wollene Waren, außerdem Bleicherei, ausgezeichnete Flachsbereitungsanstalten, Orgelbauanstalt, Dampfziegelei, 4 Mühlen und Dampfbäckerei. Nahe im W. auf den Bleicheroder Bergen (s. Eichsfeld) die Löwenburg. B. ist Geburtsort des berühmten Geographen Aug. Petermann; der Geh. Kommerzienrat von Bleichröder in Berlin hat die Berechtigung zur Führung des Stadtwappens im Familienwappen.

Bleicheroder Berge, s. Bleicherode und Eichsfeld.

Bleichkalk, Chlorkalk.

Bleichlorid, Chlorblei, Hornblei, Magisterium plumbi, als Erz Cotunnit genannt, PbCl2 ^[PbCl<sub>2</sub>], entsteht als ein in kaltem Wasser schwer löslicher, krystallinischer Niederschlag beim Versetzen einer konzentrierten Bleizuckerlösung mit Salzsäure, oder unter Entwicklung von Schwefelwasserstoff beim Kochen von feingepulvertem Bleiglanz mit konzentrierter Salzsäure, wobei die Lösung beim Erkalten das B. in feinen Krystallen ausscheidet. Es ist in 30 Teilen siedendem, in etwa 130 Teilen kaltem Wasser löslich und verbindet sich mit Bleioxyd zu verschiedenen Oxychloriden.

Bleichpulver, soviel wie Chlorkalk (s. d.).

Bleichröder, S., Bankhaus in Berlin, wurde 1803 von Samuel B., gest. 30. Dez. 1855, als Wechselgeschäft und Lotteriekollektion gegründet, und hob sich unter dem Sohne, Gerson B., geb. 22. Dez. 1822, zu einem der ersten Privatbankhäuser Europas. Diese Bedeutung erlangte es durch enge Beziehungen zu den Häusern Rothschild (seit 1828) und durch das Vertrauen, das Fürst Bismarck dem Chef des Hauses jahrzehntelang schenkte. Eine Rolle in der Geschichte der preuß. Finanzen begann es Anfang der fünfziger Jahre zu spielen, durch Unterbringung großer Beträge von Prioritätsobligationen zur Erbauung der preuß. Eisenbahnen. 1865 wurde auf Anraten von Gerson B., der zu diesem Zweck vom König Wilhelm nach Karlsbad berufen wurde, an Stelle einer beabsichtigten Anleihe die Ablösung des Anteils des preuß. Staates an der Köln-Mindener Eisenbahn vorgenommen, wodurch die Regierung in den Besitz einer bedeutenden Geldsumme (zur Kriegführung gegen Österreich 1866) gelangte, die damals in der Konfliktszeit vom Abgeordnetenhause verweigert worden war. Eine zweite Berufung Gerson B.s erfolgte im Jan. 1871 durch den Fürsten Bismarck ins Hauptquartier der deutschen Armee in Versailles, wo er an den Verhandlungen über die von Frankreich zu zahlende Kriegsentschädigung teilnahm. Er wurde 1872 in den erblichen Adelstand erhoben und starb 19. Febr. 1893. Das Geschäft wird fortgeführt von seinen Söhnen Hans und Georg, die 1881 und 1885 als Teilhaber eintraten, und einem Vetter Gerson von B.s, Geh. Kommerzienrat Julius Leopold Schwabach, der bereits seit 1847 im Hause thätig und seit 1866 Teilhaber ist. Das Haus B. hat in den letzten Jahrzehnten fast an allen größeren Finanzgeschäften des In- und Auslandes teilgenommen.

Bleichromat. 1) Monochromsaures Blei, PbCrO4 ^[PbCrO<sub>4</sub>], entsteht als schön gelber Niederschlag beim Vermischen der Lösung eines Bleisalzes mit einem chromsauren Salz oder bei der Digestion von unlöslichem schwefelsaurem Blei mit einer Lösung von dichromsaurem Kalium, auf Zusatz von wenig Alkalihydrat färbt es sich rot. Im Überschuß von Alkali ist es löslich. Es wird als vielfach verwendete Malerfarbe, Chromgelb, fabrikmäßig dargestellt. Auch zur organischen Elementaranalyse findet es Anwendung. 2) Basisch monochromsaures Blei, Pb2CrO5 ^[Pb<sub>2</sub>CrO<sub5</sub>], entsteht als schön rot gefärbte Verbindung, wenn man auf monochromsaures Blei so viel Alkalihydrat einwirken läßt, wie erforderlich ist, um die Hälfte der darin erhaltenen Chromsäure zu binden, oder wenn man ein basisches Bleisalz mit Chromatlösung mischt. Als Malerfarbe führt dieser Körper die Namen Chromrot oder Chromzinnober. Versetzt man die Bleisalzlösungen bei der Darstellung des Chromgelb mit Alkali, so erhält man Gemische der beiden Salze von Orangefarbe, die das Chromorange der Maler bilden.

Bleichsalze werden die Salze der unterchlorigen Säure, die Hypochlorits, genannt, da ihre Lösungen organische Farbstoffe zerstören. Es geschieht dies durch Oxydation, indem die B. an oxydierbare Körper ihren gesamten Sauerstoffgehalt abgeben und zu Chlormetallen werden. (S. Chlorkalk.)

Bleichsellerie, s. Sellerie.

Bleichsucht (Chlorosis, vom grch. chloros, grünlichgelb), beim Menschen eine besondere, namentlich bei weiblichen Individuen häufige Form der chronischen Blutarmut (s. d.), wobei das Blut sehr arm an roten Bestandteilen (Blutkörperchen und Blutfarbstoff) geworden ist, und daher die Haut eine wachsartig-bleiche, selbst blaßgrünliche Färbung annimmt, die Lippen (besonders an der Innenfläche) blaßrot und die Hautvenen nur als dünne, rötliche oder violette Linien sichtbar sind. In den Halsadern solcher Kranken hört man mit dem Stethoskop die unter dem Namen "Nonnengeräusch" bekannten brummenden Geräusche. Infolge beträchtlicher Verminderung der roten Blutkörperchen und dadurch beschränkter Aufnahme von Sauerstoff in das Blut kommt es zu den mannigfachsten Beschwerden, zu leichter Ermüdung und Muskelschwäche, zu Herzklopfen, Atembeschwerden, Verdauungsstörungen, Magenkrampf, Schwindel, hartnäckigen Kopfschmerzen u. dgl. Ein solcher Grad von Blutmangel, der oft mit Blutwässerigkeit (daher Wassersuchten, Knöchelanschwellungen u. s. w.) verbunden ist, findet sich allerdings bei den verschiedensten Altern und Geschlechtern. Wo er aber im Gefolge anderer Krankheiten auftritt (z. B. bei Schwindsüchtigen, Krebskranken, Verbluteten), hat man ihn bisher nicht mit besondern Namen hervorgehoben. Dagegen findet er sich oft beim weiblichen Geschlecht in den zeugungsfähigen Jahren oder beim Herannahen derselben als Hauptübel, meist mit Störungen der Menstruation (verspätetes Auftreten derselben, allzu spärlicher oder übermäßiger Monatsfluß u. dgl.) verbunden. Hier hat man ihn als besondere Krankheit (Jungfernbleichsucht, Pubertätätschlorose) unterschieden, jedoch mit Unrecht. Denn die B. ist hier meist erst Folge einer aus der Kindheit mitgebrachten Blutarmut und Muskelschwäche, oft mit unvollkommener Entwicklung der innern Genitalien sowie mit mangelhafter Entwicklung des Gefäßapparates, besonders des Herzens, verbunden. Solange solche Mädchen noch leidlich rote Wangen und Lippen zeigen (rote B., Chlorosis rubra), werden sie von unachtsamen Ärzten und Eltern fälschlich für gesund gehalten.

Die gewöhnlichsten Ursachen der B. sind schlechte oder unpassende Kost, Mangel an Sonnenlicht und frischer Luft (daher man eine B. der Gefangenen und der Bergleute unterschieden hat), anhaltend sitzende