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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blutgerüst; Blutgeschwulst; Bluthänfling; Blutharnen; Blutheil; Blüthgen; Bluthirse; Blüthner

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Blutgerüst - Blüthner

1742 Belohnungen von 10 bis 50 Pfd. St. denjenigen zugesichert, durch deren Zeugnis Straßenräuber, Diebe und Falschmünzer überführt würden. Bei gewissen Diebstählen, z. B. Einbruch und Pferdediebstahl, sollte nach einem Gesetze von 1699 der, welcher den Verbrecher ergriffen und zu seiner Überführung mitgewirkt hatte, außer 40 Pfd. St. noch ein Certifikat erhalten, wodurch er von den lästigen Kirchspieldiensten, z. B. als Armenaufseher, Kirchenvorsteher, frei wurde. Solche Freischeine (Tyburn tickets, Galgenscheine) waren verkäuflich, weil sie sonst dem, der sie zum zweitenmal erhielt, keinen weitern Vorteil gewährt hätten, und galten in großen Städten 250-300 Pfd. St. Die Summe der bar gezahlten B. betrug 1798 fast 8000, 1813 sogar 18 000 Pfd. St. Zahlreiche falsche Anklagen waren die Folgen dieses Systems, dem viele Menschen als Opfer fielen. Mittels Parlamentsakte von 1818 wurde das B. im allgemeinen abgeschafft, in Rücksicht auf Banknotenfälschungen blieb es aber bestehen. (S. auch Blutacker.)

Blutgerüst, s. Schafott.

Blutgeschwulst, s. Blutung.

Bluthänfling, s. Hänfling.

Blutharnen (Hämaturie) nennt man denjenigen krankhaften Zustand, bei welchem flüssiges oder geronnenes, meist mit Urin mehr oder weniger vermischtes Blut aus der Harnröhre entleert wird. Die Quelle der Blutung kann in den Nieren, den Harnleitern, der Blase oder der Harnröhre liegen. In den beiden ersten Fällen ist das Blut in der Regel innig mit dem Urin vermischt, sodaß derselbe gleichmäßig rot erscheint, während bei Blasenblutungen häufig größere Klumpen und Blutgerinnsel, meist unter Blasenbeschwerden, entleert werden. In der Regel kann man in dem entleerten Harn das Blut mit seinen einzelnen Formbestandteilen, insbesondere die roten Blutkörperchen, durch das Mikroskop leicht nachweisen; nur mitunter findet sich im Harn nur gelöster Blutfarbstoff bei gänzlicher Abwesenheit von roten Blutzellen, sodaß man zum Nachweis des ausgeschiedenen Blutes sich der Spektralanalyse bedienen muß. Man pflegt diese Fälle, welche durch den Zerfall roter Blutkörperchen im Kreislauf selbst zu stande kommen, und deren Ursachen noch nicht hinlänglich erforscht sind, als Hämoglobinurie zu bezeichnen. B. entsteht bald durch mechan. Verletzungen der Nieren und der Blase, wie durch starke Erschütterungen des Körpers, durch scharfkantige Nieren- und Blasensteine, durch scharfe Instrumente, z. B. bei der Steinzertrümmerung u. s. w., bald durch den zufälligen oder absichtlichen Gebrauch gewisser Mittel, welche einen hohen Reizzustand der Nieren- und Blasenschleimhaut herbeiführen, wie der Kanthariden, des Terpentinöls u.a., bald durch geschwürige Zerstörung der Blasenschleimhaut infolge von chronischem Katarrh, Krebs oder Tuberkulose, endlich bisweilen durch leichte Zerreißlichkeit der Gefäße bei Brightscher Krankheit, Skorbut, Bluterkrankheit, Typhus u. s. w. In den Tropen (Ägypten, Innerafrika, Kap der Guten Hoffnung) kommt auch eine endemische Form der Hämaturie vor, bedingt durch einen kleinen, im menschlichen Körper schmarotzenden Saugwurm, Distoma haematobium, der seine Eier in den Harnwegen ablegt und dadurch Gefäßverstopfungen, kapillare Blutungen und Geschwüre der Schleimhaut erzeugt. Selten bringt das B. augenblickliche Gefahr, ist aber zuweilen ein sehr hartnäckiges Leiden, welches allmählich die Kräfte des Kranken erschöpft. Die Behandlung, welche sich nach der Grundursache richten muß, besteht bei stärkern Blutungen in ruhiger horizontaler Lagerung, milder Diät, Eiswasserumschlägen auf den Leib, unter Umständen Einspritzungen von kaltem Wasser in die Blase und der innerlichen Darreichung von Ergotin und adstringierenden Mitteln.

Blutharnen der Rinder, auch Rotharnen, Röten, Weideseuche, Weiderot genannt, besteht in der Entleerung eines rot gefärbten Urins neben Steifheit der Nachhand und größerer Empfindlichkeit der Hinterhand. Als Ursachen gelten scharfe, giftige, mit der Nahrung aufgenommene Stoffe (Giftpflanzen), ferner pilzbesetztes Futter (faulende Schlempe, faule Rüben), endlich Erkältung wie bei der Harnwinde (s. d.) des Pferdes. Nach neuern Forschungen scheint dem seuchenartigen B. ein specifischer Ansteckungsstoff zu Grunde zu liegen. Die Behandlung hat vor allem Änderung des Futters herbeizuführen. Das Leiden selbst ist nach den einzelnen Erscheinungen zu behandeln.

Blutheil, Grundheil, s. Hypericum.

Blüthgen, Aug. Ed. Victor, Schriftsteller, geb. 4. Jan. 1844 zu Zörbig, studierte in Halle Theologie, leitete dann eine Privatschule und wohnte seit 1871 als Mitbearbeiter eines theol. Lexikons in Elberfeld. 1876-77 leitete er die "Krefelder Zeitung", lebte dann in Leipzig, wo er 1878-80 der Redaktion der "Gartenlaube" angehörte, und siedelte 1881 nach Freienwalde a. d. O. über. Einen glücklichen Versuch, den alten Volkskinderreim weiter zu bilden, machten B.s Begleitverse zu Bilderbüchern von O. Pletsck: "Unser Hausgärtchen" (1876), "Stillvergnügt" (1877), "Guckaus" (1878) u. a.; von J. Kleinmichel, "Im Flügelkleide" (1881) und von F. Werckmeister, "Jung Mieze" (1882). Ferner schrieb er den Text zu F. Flinzers "Schelmenspiegel" (1876), "Froschmäusekrieg" (1878) und "Die Tierschule" (1891), und zu Offterdingers "Goldene Kindertage" (1885). Seine Märchen "Hesperiden" (1879) wurden sogar ins Dänische, die Sprache ihres Vorbildes Andersen, übersetzt; 1887 folgte die Sammlung "Märchenquell". Viele Erzählungen B.s für die reifere Jugend brachte Kröners "Universalbibliothek für die Jugend" (1880 fg.), z. B. "Harte Steine"; Sammelbände sind: "Lebensfrühling" (1885), "Zum Nachtisch" (1886), "Der Weg zum Glück" (1888). Fruchtbar und erfolgreich war B. als Novellist; er veröffentlichte u. a. "Bunte Novellen" (2 Bde., 1880; 2. Aufl., 1 Bd., 1887), "Der Friedensstörer" (1883), "Poirethouse" (1884), "Blumen am Wege" (1885), "Die Stiefschwester" (1887). Die gewandte Erzählung "Der Preuße" (1884; 3. Aufl. 1886) nähert sich schon mehr dem Roman, der durch "Aus gärender Zeit" (1877 in der "Gartenlaube"; völlig umgearbeitet, 2 Bde., 1884) trefflich vertreten ist. Insbesondere ist B. für Stimmungsmalerei begabt, die auch seine formgewandten lyrischen "Gedichte" (1881) auszeichnet.

Bluthirse, s. Hirse.

Blüthner, Jul. Ferd., Pianofortebauer, geb. 11. März 1824 zu Falkenhain im Regierungsbezirk Merseburg, begründete 1853 mit 3 Arbeitern in Leipzig eine Pianofortefabrik, die er zu einer der bedeutendsten Europas erhob (Firma: "Kgl. Sächs. Hof-Pianofortefabrik Julius Blüthner"). Die Fabrikräume wurden von Jahr zu Jahr erweitert, sodaß das Etablissement nun ein ganzes Straßenviertel von 24 250 qm bildet und, bei ausgedehn-^[folgende Seite]