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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bluthochzeit - Blutkrankheit

testem Dampfbetrieb, 600 Arbeiter beschäftigt. Jährlich vollendet werden ungefähr 3000 Flügel und Pianinos je zur Hälfte, 1891 waren im ganzen 35 000 Instrumente geliefert. Die Fabrik exportiert nach allen Weltgegenden und ist an allen bedeutenden Plätzen vertreten. B., dessen Instrumente sich durch edlen Ton und sorgfältige Arbeit auszeichnen, hat mannigfache Verbesserungen erreicht; 1856 erhielt er eine neue Repetitionsmechanik patentiert; berühmt sind namentlich seine sog. Aliquotflügel, bei denen zu jedem Ton ein in der höhern Oktave gestimmter Chor Saiten sympathetisch mitklingt. Mit H. Gretschel gab B. ein "Lehrbuch des Pianofortebaues in seiner Geschichte, Technik und Theorie" (Lpz. 1872; 2. Aufl., Weim. 1886) heraus.

Bluthochzeit (Pariser), s. Bartholomäusnacht.

Blutholz oder Blauholz, s. Haematoxylon.

Bluthusten oder Blut spucken (Haemoptysis oder Haemoptoe), eine aus den Atmungsorganen erfolgende Blutung, meist eine Lungenblutung (Pneumorrhagia). Die Kranken bekommen ein Gefühl von Wärme im Kehlkopf und in den Luftröhren, mit kitzelndem Reiz zum Husten, welcher kurz und stoßweise erfolgt, und mit ihm wird in den gelindern Fällen einiges Blut oder blutstreifiger Schleim ausgeworfen (Blutspeien). In den heftigern Fällen aber (im gemeinen Leben meist Blutsturz genannt) entsteht zuerst ein Gefühl von Druck auf der Brust. Plötzlich ist dem Kranken, als würde über dem Brustbeine eine warme Flüssigkeit ergossen und stiege vollends in die Höhe, worauf stoßweise unter Husten eine größere oder geringere Menge gewöhnlich hellroten, schaumigen, mit Luftblasen gemengten Blutes meist ohne große Anstrengung ausgeworfen wird oder hervorstürzt. Wird das Blut nicht nach außen geworfen, sondern ergießt sich in das Innere der Lungen, so erfolgt Anfüllung der Lungenzellchen (Lungenschlagfluß, hämoptoischer Infarkt). War der Blutverlust stark, und kehrt, wie nicht selten, der Anfall wieder, so gesellen sich die Zeichen der Blutleere oder Verblutung hinzu. B. findet sich am häufigsten in den Blütejahren, zwischen dem 15. bis 35. Jahre, und zwar nach mechan. Verletzungen, wie z. B. Eindringen fremder Körper in die Luftröhre, Erschütterungen der Brust, heftigen Hustenanfällen, ferner bei hochgradiger Blutüberfüllung der Luftröhrenschleimhaut im Verlaufe von Luftröhrenkatarrhen, Lungenentzündungen und organischen Herzfehlern, endlich im Verlaufe der Lungenschwindsucht infolge der Erweichung und eiterigen Schmelzung des Lungengewebes. Übrigens wird bisweilen eine Lungenblutung vorgetäuscht durch das Bersten eines erweiterten Blutgefäßes bei chronischen Nasen- und Rachenkatarrhen oder durch eine Magenblutung. (S. Blutbrechen.) In dem letztgenannten Falle ist das entleerte Blut gewöhnlich dunkelrot und mit Speiseresten vermischt, während bei Lungenblutungen schaumiges und hellrotes Blut ausgeworfen wird. In schweren Fällen kann der Tod während des Anfalls durch Verblutung, Erstickung oder, nach öfterer Wiederholung, durch Erschöpfung erfolgen; aber auch anscheinend leichte Grade von B. erfordern wegen der Gefahr häufiger Rückfälle eine genaue und sorgsame Überwachung.

Die Hauptbedingung der Behandlung ist während des Anfalls die unbedingte Ruhe des ganzen Körpers und des Herzens insbesondere sowie die Abhaltung eines heftigen Blutandrangs von den Lungen. Man bringe daher den Kranken mit Vermeidung jeder stärkern Bewegung in eine mehr sitzende Lage, verbiete ihm das Sprechen und löse alle die Brust und den Bauch beengenden Kleidungsstücke. Ist ein Arzt nicht gleich zu erlangen, so giebt man bei starker Blutung 1-2 Theelöffel voll Kochsalz und läßt den Kranken etwas kühles Wasser trinken, alle heißen oder aufregenden Getränke aber, als Kaffee, Thee, Wein u. s. w., streng vermeiden, außer im Falle einer lange anhaltenden Ohnmacht. Der Arzt sucht dann, gemäß der zu Grunde liegenden Ursachen, dem Blutstrome eine andere Richtung zu geben, zu welchem Zwecke man entweder auf den Darmkanal durch Abführmittel und scharfe Klystiere, oder auf die Haut durch Senfpflaster, heiße, reizende Fuß- und Handbäder u. s. w. wirkt. Um die erhöhte Herzthätigkeit zu beschwichtigen und zugleich die Bildung eines festen, das geborstene Blutgefäß verschließenden Pfropfes zu begünstigen, werden mehrere Tage hindurch Eisumschläge auf die Brust gelegt, während die Füße warm eingehüllt werden. Außerdem dienen verschiedene, namentlich beruhigende Mittel, wie Ipecacuanha, Digitalis, Blausäuremittel, Mutterkorn, Atropin, Morphium und Opiate u. s. w., teils um den Husten zu mildern (welcher sehr leicht wieder zur Blutung Anlaß giebt), teils um den Herzschlag und auch das Gemüt zu beruhigen. Auch versucht man vermittelst Inhalation direkt auf die blutende Stelle einzuwirken, indem man blutstillende Flüssigkeiten (Lösungen von Gerbsäure, Eisenchlorid, Alaun) mittels eines Inhalationsapparates in einen feinen Nebel zerstäubt und letztern vom Patienten einatmen läßt. Zur Nachkur sollen derartige Kranke womöglich auf längere Zeit in ein mildes südl. Klima oder in ein geschütztes Höhenklima übersiedeln, ihre Atmungsorgane durch angemessene Bewegung im Freien vorsichtig kräftigen und nur ganz allmählich zu ihrer frühern Lebensweise zurückkehren. (S. Lungenschwindsucht.)

Bluticterus, s. Gelbsucht.

Blutige Hand nimmt nicht Erbe, ein Rechtssprichwort, welches dem fries. Rechte entstammen soll. Es sollte damit ausgedrückt werden, daß derjenige, welcher den Tod des Erblassers verschuldet hatte, sein gesetzliches Erbrecht gegenüber denselben eingebüßt habe. In den meisten geltenden Rechten ist aus einem derartigen Verschulden ein Erbunwürdigkeitsgrund geworden, s. Erbunwürdigkeit. Im Preuß. Allg. Landr. I,12, §.599 findet man insofern einen Nachklang des Satzes, als nur in diesen Falle die Erbunwürdigkeit kraft des Gesetzes eintreten soll.

Blutigel, s. Blutegel.

Blutindianer, s. Blackfeet.

Blutklee, s. Klee.

Blutknoten, s. Infarkt.

Blutkohle erhält man, wenn man Blut eintrocknet und den Rückstand im verschlossenen Tiegel allmählich bis zur Rotglut erhitzt. Man bediente sich namentlich früher derselben neben der Knochenkohle vielfach wegen ihrer bedeutenden Absorptionskraft zum Entfärben von Flüssigkeiten.

Blutkörperchen, s. Blut (S. 157 b).

Blutkrankheit oder Dyskrasie kann man im Grunde jede abnorme Beschaffenheit des Blutes nennen. Die Lehre von den Dyskrasien (Krasenlehre) spielte früher deshalb eine große Rolle, weil man der Ansicht war, daß es sog. primäre, d. h. nicht von anderweiten Störungen des Organismus abzuleitende Krankheiten des Blutes gäbe, welche nun ihrerseits allerlei Erkrankungen der verschie-^[folgende Seite]