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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blutflecken; Blutfleckenkrankheit; Blutfluß; Blutgefäße; Blutgeld

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Blutflecken - Blutgeld

und muß außer mit weißer Hirse namentlich mit Senegal- und Kolbenhirse gefüttert werden.

Blutflecken auf Kleidungsstücken, Messern, Waffen sind häufig in Kriminalfällen vom Chemiker zu untersuchen. Erhält man Material in vollkommen frischem Zustande, so genügt einfache mikroskopische Beobachtung, um aus den unverletzten, an ihren Formen leicht erkennbaren Blutkörperchen auf die Gegenwart von Blut einen sichern Schluß zu machen. Aber auch eingetrocknete, Jahre alte B. lassen sich mit aller Sicherheit als solche erkennen. Hierzu dienen zwei Methoden: 1) Die chemisch-mikroskopische Methode, Teichmanns Blutprobe. Man weicht die betreffenden Flecke in wenig Wasser auf, dem eine Spur von Alkali zugesetzt sein kann, filtriert, dampft die Flüssigkeit bei gelindester Wärme im Wasserbade zur Trockne, verreibt den braunen Rückstand mit ein paar Kochsalzkrystallen, bringt das Pulver auf den Objektträger, fügt einen Tropfen stärkster Essigsäure zu, legt das Deckgläschen darauf und erwärmt über einer kleinen Gasflamme, bis die Flüssigkeit etwa zur Hälfte verdunstet ist; nach dem Erkalten zeigen sich dann bei 300maliger Vergrößerung zahlreiche, wohl ausgebildete, dunkelbraun gefärbte Krystalle von salzsaurem Hämatin, die mit den gleichzeitig entstehenden farblosen Kochsalzkrystallen nicht verwechselt werden können. 2) Die spektralanalytische Methode. Eine wässerige, wie oben bereitere Lösung der Flecken wird vor den Spalt des Spektralapparats gebracht und bei durchfallendem Sonnenlicht beobachtet. Bei Gegenwart von Spuren von Blut sind dann zwei höchst charakteristische Absorptionsstreifen zu beobachten, von denen der eine kräftigere und breitere im Sonnenspektrum etwas links von der Fraunhoferschen Linie D und bis D ½ E reichend, der andere schmälere auf E b liegt. (Vgl. Spektralanalyse nebst Tafel.) Beide Proben ergänzen sich gegenseitig und sollten stets nebeneinander ausgeführt werden.

Blutfleckenkrankheit, auch Werlhofsche Krankheit (Morbus maculosus Werlhofi, Purpura, Peliosis), benannt nach dem berühmten hannov. Leibarzt Werlhof (geb. 1699 zu Helmstedt, gest. 1767 zu Hannover), der sie zuerst beschrieb, charakterisiert sich durch zahlreiche kleine Blutergüsse (Petechien) in die Haut und in die Schleimhäute. Sie entsteht infolge leichter, noch nicht genügend aufgeklärter Zerreißlichkeit der feinsten Blutgefäße und unterscheidet sich vom Skorbut (s. d.) hauptsächlich dadurch, daß bei ihr konstant die jenem eigentümliche Veränderung des Zahnfleisches sowie überhaupt die Neigung zu geschwürigem Zerfall fehlt. Nach vorhergegangenem leichten allgemeinen Unwohlsein, Verdauungsstörungen, Mattigkeit, häufig aber auch ganz plötzlich ohne alle Vorboten, entstehen auf der äußern Haut kleine, anfangs rote, später bläulich, grün und gelb werdende Flecken, die besonders zahlreich an den Beinen zu sein pflegen; auf den Schleimhäuten machen die Blutergüsse ebenfalls rote Flecken, oder aber es tritt das ergossene Blut auf die freie Oberfläche und verursacht somit Nasenbluten, Mundblutungen, Bluthusten, Blutbrechen, Blutharnen, blutigen Stuhl. Dabei ist, sofern die Krankheit kräftigere Personen befällt, das Allgemeinbefinden wenig oder gar nicht gestört, und die Krankheit endet nach 2-4 Wochen ohne weitere Folgen. Nur wenn die Blutungen sehr reichlich werden oder die Kranken schon vorher schwächlich waren, ist die Krankheit beschwerlicher und bedenklicher. Man behandelt die Krankheit innerlich mit Eisen, Säuren und China, bei stärkern Blutungen (s. d.) auch äußerlich mit blutstillenden Mitteln.

Blutfleckenkrankheit der Pferde, Petechialfieber, Faulfieber, auch Pferdetyphus genannt, ist eine akut verlaufende Infektionskrankheit, über deren Entstehung nichts Sicheres bekannt ist. Dieckerhofs bezeichnet die Krankheit als eine Selbstinfektion des Körpers, die von primären Eiterherden in irgend einem Organe ausgehe. Sie beginnt mit dem Auftreten von Blutaustretungen auf Nasen- und Lidbindehaut, wozu sich bald Anschwellungen der Haut gesellen, die einen ganz enormen Umfang annehmen können und oft zum Absterben der Haut führen. Behandlung: 1) eine örtliche durch desinfizierende Waschungen der Anschwellungen; 2) eine innerliche, wobei sich die Jodpräparate, namentlich bei Einbringung in die Luftröhre (intratracheale Injektion), einen Ruf erworben haben. Bei hochgradiger Verschwellung der Nasenlöcher ist der Luftröhrenschnitt vorzunehmen, um der drohenden Erstickung vorzubeugen. Verlauf sehr verschieden; leichte Formen heilen schon nach acht Tagen ab, schwere dauern sechs Wochen und darüber; Sterblichkeit 50-70 Proz.

Blutfluß (Haematorrhoea), s. Blutung.

Blutgefäße nennt man häutige röhrenförmige Kanäle von verschiedenem, bis zu mikroskopischer Feinheit abnehmendem Kaliber, welche alle Gewebe und Organe des Körpers durchdringen und Blut (s. d.) enthalten. Mit dem Herzen und den Lymphgefäßen zusammen bilden die B. das sog. Gefäßsystem (systema vasorum), ein in sich geschlossenes System baumartig im Körper verzweigter und vielfach miteinander zusammenhängender Röhren, welche die Ernährungssäfte durch die einzelnen Abteilungen des Körpers hindurchleiten und die Bestandteile dieser Säfte zum Teil an die Gewebe abgeben, zum Teil von ihnen aufnehmen. Man unterscheidet hinsichtlich ihrer Funktion drei Arten von B., nämlich 1) die Arterien (s. d.) oder Pulsadern, auch Schlagadern genannt, dickwandige, sehr elastische und kontraktile Gefäße, welche sauerstoffhaltiges Blut vom Herzen zu den nahrungsbedürftigen Organen leiten; 2) die Venen (s. d.) oder Blutadern, dünnwandige, weite und wenig kontraktile Gefäße, welche das zur Ernährung nicht mehr taugliche Blut von den Organen wieder zum Herzen zurückführen; 3) die Haargefäße (s. d.) oder Kapillaren, mikroskopisch feinste, aus einer durchsichtigen Membran bestehende und in Form dichter Netze angeordnete Gefäße, welche der Ernährung und dem Stoffwechsel (s. d.) der einzelnen Gewebe dienen und den Übergang der letzten Ausläufer der Arterien in die feinsten Wurzeln des Venensystems vermitteln. Als Centralorgan des Gefäßsystems ist das Herz (s. d.) zu bezeichnen, welches durch seine ununterbrochenen rhythmischen Kontraktionen die beständige Bewewegung ^[richtig: Bewegung] des Blutes innerhalb der Gefäße vermittelt. (Hierzu Tafel: Die Blutgefäße des Menschen.) Über Verlauf, Anordnung und Verteilung der B. s. Kreislauf des Blutes.

Blutgeld, im Mittelalter gleichbedeutend mit Wergeld (s. d.). B. hieß in England auch die Belohnung, welche Angeber und Zeugen in verschiedenen Kriminalfällen bekamen. Um den Mangel einer gerichtlichen Polizei weniger fühlbar zu machen, hatten nämlich verschiedene Gesetze von 1692 bis