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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bogenstellung - Bogisic

kämpften sie als Leichtbewaffnete vor der Front oder auf den Flügeln der Massenordnung. In den Heeren der Perser und Karthager erschienen viel B.; auch die Hunnen und Mongolen führten den Bogen. Im Mittelalter wurden die englischen B. berühmt, die durch ihre hervorragenden Leistungen dem Fußvolk, das eine Zeit lang vor der Reiterei zurückgetreten war, die ihm gebührende Stellung wiedererrangen; ein guter engl. Bogner schoß 12 Pfeile in der Minute und fehlte auf 200 Schritt selten das Ziel. Außer den Engländern zeichneten sich auch die Flanderer und Burgunder als gute B. aus und waren den Franzosen, die an Stelle des Bogens die Armbrust angenommen hatten, im Schützengefecht überlegen, da die Armbrust mit dem Bogen an Schießgeschwindigkeit sich nicht messen konnte. Während der Feuerschütze der damaligen Zeit einen Schuß abzugeben vermochte, entsandte ein Armbrustschütze 3 Bolzen, ein Bogenschütze aber 36 Pfeile. Die englischen B., die ihre 1 m langen Pfeile noch auf 200 Schritte mit Sicherheit schossen, hatten ein so hohes Selbstgefühl und ihre Waffen hatten sich so berühmt gemacht, daß der Widerstand gegen Einführung der Feuerwaffen nirgends größer war als in England. So kam es, daß die englischen B. noch zu Anfang des 17. Jahrh, als regelmäßige Truppe vorkamen, während sie auf dem Festlande bereits seit dem Anfang des 16. Jahrh. verschwunden waren. In Deutschland verdrängte die Armbrust den Langbogen schon im 14. Jahrh. Als Sport hat sich das Bogenschießen mit dem sog. Flitzbogen bis heute erhalten. In ganz besondern Ehren steht es als Kunst in bestimmten Kreisen Englands, Frankreichs, Belgiens und der Schweiz (z. B. in Bern, Genf, Lausanne, Vevey, Morges). Die "Wohladlige Gesellschaft der B. von Bern" führt ihre Gründung auf 1266 zurück. (S. Archers.)

Bogenstellung, s. Arkade. Man bezeichnet unter B. auch die in der Renaissancebaukunst beliebte, von den Römern entlehnte Verbindung von Säulen oder Pilastern mit einer im Bogen überdeckten Öffnung. Als Zusatz zur Lehre von den Säulenordnungen (s. d.) hat man daher auch eine Lehre der B. aufgestellt, nach der die Abmessungen der Gewände der Bogenöffnung, der Kämpfer, Archivolten, Zwickel u. s. w. nach genauen Maßverhältnissen festgestellt werden. Die moderne Architektur stellt an Stelle dieser Lehre das individuelle Empfinden des Künstlers, wobei dann freiere und für den jeweiligen Zweck dienlichere Verhältnisse gefunden werden, Mißbildungen jedoch nicht ausgeschlossen sind.

Bogenstrich, Bogenführung, bezeichnet beim Spiele von Streichinstrumenten die Kunst der Tongebung. Die Reinheit der Töne ist von der Applikatur (dem Aufsatz des Fingers auf die Saite) abhängig, ihr Klang von der Führung des Bogens. Der B. ist daher für den ausdrucksvollen Vortrag auf Streichinstrumenten von der größten Wichtigkeit und kennzeichnet den Meister. Es giebt zwei Hauptstricharten: hinsichtlich der Tonverbindung Legato (s. d.) und Staccato (s. d.); hinsichtlich der technischen Behandlung Hinaufstrich (durch ^[img] oder ^[img] angedeutet) und Herunterstrich (^[img] oder ^[img]). - Vgl. Kroß, Die Kunst der Bogenführung (Heilbr. 1892).

Bogenwurf, s. Bogenschuß.

Bogenzirkel, s. Tafelzirkel.

Bogenzüge (artill.), Züge, deren Sohle im Querschnitt durch einen Bogen gebildet wird. Dieser Bogen ist bei fast allen neuern Kanonen konzentrisch der eigentlichen Seelenwand. Liegt er excentrisch, so spricht man auch von Sägezügen (s. d.).

Bögh, Erik, dän. Belletrist, geb. 17. Jan. 1822 zu Kopenhagen, wandte sich nach einer sehr bewegten Jugend, in der er sich nacheinander als Volksschullehrer, Küster, Schauspieler und Porträtzeichner versucht hatte, 1850 ("Die Neujahrsnacht") der Dramatik zu und gewann hier bald die Gunst des Publikums. Von B.s gegen 150 Schwanken und Possen, die in Dänemark und zum Teil auch in Schweden und Norwegen zur Aufführung kamen (als "Dramatiske Arbeider", 7 Bde., 1858-71 und "Utvalgte dramatiske Arbeider", 3 Bde., 1885-86 gesammelt), sind hervorzuheben: "Huldrebakken" (1852), "Et enfoldigt Pigebarn" (1853), "Kalifen paa Eventyr" (1857), "En Caprice" (1858), "Geniet fra Odsherred" (1859). Seine Originalität ist nicht groß, er ist aber stark im epigrammatischen Couplet und seine Charaktere sind klar und scharf gezeichnet. Von dichterischer Selbständigkeit zeugen auch "Digte" (1855 und 1879), die von Witz und Humor sprudelnden "Hundrede Viser" (1862 u. ö.) und "Tredive Viser til de Hundrede" (1866). Von seinen durch dieselben Eigenschaften ausgezeichneten Prosaschriften sind zu erwähnen: "Syv Forelœsninger" (1860; 6. Aufl. 1891; deutsch als "Humoristische Vorlesungen" in Reclams "Universalbibliothek"), "Otte nye Forelœsninger" (1874). "Jonas Tvœrmoses Ærgrelser" (1863-75; 3. Aufl. 1877), "Eventyr" (1872), "Udvalgte Fortœrllinger" (2 Bde., 1876), "Dit og Dat. Feuiltetones" (25 Bde., 1860-86), "Mester Oles Prœdiken" (12. Aufl. 1877). 1855-60 war B. Direktor des Kasinotheaters in Kopenhagen: 1860 übernahm er die Leitung des "Folkets Avis", für den er die Plaudereien "Dit og Dat" lieferte, trat 1877 zu den "Dagens Nyheder" über (bis 1885) und ward 1881 Censor am Nationaltheater. Seine letzte Arbeit ist "Billeder paa Vers og Prosa" (Kopenh. 1891).

Boghas (türk. Boghaz, Bogas), soviel wie Meerenge, oft in türk.-geogr. Namen, z.B. B. Hissari, die Schlösser an der Meerenge der Dardanellen, B. Itschi, die Straße von Konstantinopel. - B. heißt auch ein der Schiffahrt gefährlicher Wirbel im Nil bei Rosette, welcher dadurch entsteht, daß der Sand abwechselnd von den Meereswellen und vom Strom aufgespült wird.

Bogheadkohle (engl., spr. bogghedd-) oder Bituminit, eine eigentümliche zwischen Asphalt und Brandschiefer stehende, dickschieferige Mineralmasse von schwärzlichbrauner bis leberbrauner Farbe, schneidbar, wenig glänzend, an scharfen Kanten rötlichbraun durchscheinend, vom spec. Gewicht 1,248. Sie enthält 60-65 Proz. Kohlenstoff, über 9 Wasserstoff, 4-5,5 Sauerstoff und 18-24 Asche, ist sehr leicht entzündbar, brennt mit weißer Flamme und starkem Rauch und liefert vortreffliches Leuchtgas. Man kennt diese Substanz, die sich, auch ihrer mikroskopischen Struktur nach, kaum als eine Steinkohle in der eigentlichen Bedeutung betrachten läßt, sondern vielleicht mehr zu den Harzen gehört, u. a. aus den schott. Steinkohlenablagerungen von Torbane Hill und Bathgate, auch bei Pilsen in Böhmen, wo sie Flöze von bis 60 cm Mächtigkeit bildet, sowie bei Murajewinsk im russ. Gouvernement Rjäsan.

Bogisić (spr. -schitsch), Balthasar, slaw. Jurist, geb. 1840 in Ragusa vecchia (in Dalmatien), studierte in Wien, München, Berlin und Paris, trat 1863 in österr. Dienste, wurde 1869 Professor der Geschichte des slaw. Rechts in Odessa und erhielt 1672 den