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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Borneo

Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuchs in Preußen. Seine Schriften sind: "Systematische Darstellung des preuß. Civilrechts" (6 Bde. und Sachregister, Berl. 1834-39; 2. Aufl. 1842-45), "Von Rechtsgeschäften überhaupt und von Verträgen insbesondere, nach preuß. Recht" (ebd. 1825; 2. Aufl. 1833), "Erörterungen im Gebiet des preuß. Rechts" (Heft 1, ebd. 1855), "Die Rechtsentwicklung in Deutschland und deren Zukunft" (ebd. 1856). - Vgl. Friedberg, Zum Gedächtnis an F. W. L. B. (ebd. 1864); Suarez, B. und Koch (ebd. 1875).

B.s Vater, Johann Wilhelm Jakob B., geb. 2. Febr. 1766 zu Gardelegen, gest. 23. Mai 1851 als General-Lotteriedirektor zu Berlin, hat sich litterarisch besonders durch seine "Plattdeutschen Gedichte" (8. Aufl., Berl. 1891) bekannt gemacht.

Bornĕo (von dem sanskr. Bhourni, d. h. Land, Erde), die größte Insel des Ostindischen Archipels, nächst Neuguinea die größte der ganzen Erde, erstreckt sich von 7° nördl. bis 4° 20' südl. Br. und von 106° 40' bis 116° 45' östl. L. von Greenwich. Die größte Länge, von N. nach S., beträgt 1372, die größte Breite 1179 km, der Flächeninhalt 733329 qkm, mit einzelnen zugehörigen Inselgruppen 736 500 qkm.

Oberflächengestaltung. Die Küste von B. ist 4971 km lang, wenig gegliedert und ohne erwähnenswerte Buchten. B., nur zum kleinern Teil gebirgig, besteht bis weit in das Innere hinein aus einem sehr niedrigen, nur wenige Meter über dem Meeresspiegel gelegenen, meistens sumpfigen, häufig überfluteten und mit undurchdringlichem Urwalde bedeckten Flachlande, aus dem sich hin und wieder kurze Bergrücken, sowie einzelne höhere und trocknere Landstriche inselförmig erheben. Eine lange Kette zieht sich von dem Nordende der Insel, dem Kap Sampanmangio, bis zu ihrer nordwestl. Spitze, dem Kap Datu, halbbogenförmig hin und trennt fast ihr ganzes nördl. Drittteil von dem übrigen. Ein granitisches und Schiefergebirge bildet den Kern namentlich im Westen der Insel; darauf liegen Devon und ältere Eruptivgesteine. Auch Steinkohlenformation und Kreide kommen vor. Unweit der Nordspitze erhebt sich der 4175 m hohe granitische Kinibalu, der höchste Berg auf B. Von dem Gebirgszuge des Innern verläuft eine zuletzt Sakuru genannte Kette gegen Osten bis zum Kap Kaniungan; eine zweite in südöstl. und später südl. Richtung, deren Teile nach ihren höchsten Gipfeln, z. B. dem Melihat u. a., benannt werden, bis zum Kap Salatan; eine dritte endlich, die nach Südwest sich erstreckt und deren Hauptgipfel der Dusun und Prambangan-Badak sind. Alle diese Züge sind im Grunde nur Hügelland und keine geschlossenen Ketten. Ihre Höhen schätzt man auf 750-1600 m. Zwischen diesen Hügelzügen liegt die tertiäre Ebene, welche an den Küsten in Alluvialebene übergeht; Korallenbildungen finden sich besonders an der Nordspitze der Insel.

Klima. B. hat durchaus tropisches Klima. In Bandjermassin hat das Jahr 27° C. Mitteltemperatur, ist also wärmer als in Batavia, mit sehr geringen Schwankungen; wärmster Monat ist der Mai mit 27,7° C., kältester der Dezember mit 26,7° C. Die größere südl. Hälfte von B. hat eine große Trocken- und eine Regenzeit, erstere von April bis November mit dem Nordost-Monsun. Der Norden hat zwei Trocken- und zwei Regenzeiten. B. gehört zu den niederschlagsreichsten Gebieten. Die Regenmenge in Sintang im Binnenlande beträgt 3630 mm, in Bandjermassin nahe der Küste 2350 mm.

Bewässerung. Flüsse von ziemlich beträchtlicher Länge, Breite und Tiefe bilden die eigentlichen Handels- und Verkehrswege in das Innere. Mehrere stehen durch zahlreiche Nebenarme und natürliche Kanäle, im Malaiischen Troussong genannt, in Zusammenhang. Von den wichtigsten münden aus: an der Nordküste der Padas, Limbang, Barram, Redjang und Batang-Lupar; an der Westküste der Sambas und der wichtige Kapuas; an der Südküste der Kotarinqin, Pembuang, Sampit (Katingan), Kahajan, Murong und der große Barito oder Bandjermassinfluß; an der Ostküste der Kutei oder Mahakkam, Bulangan und Sebauwang. Der Bulungan, Kapuas und Barito haben in gerader Linie eine Länge von 445, 556 und 608 km, sind auf 280, 386 und 454 km für kleinere Dampfschiffe und größere Prauwen befahrbar; ebenso der Kutei-Mahakkam. Diese Flüsse haben meistens nur ein geringes Gefälle, fließen langsam und überströmen während der Regenzeit ihre Ufer weithin. Sie haben an ihrer Mündung ausgebreitete, sich durch Anspülung immer mehr vergrößernde Deltabildungen. Die Thätigkeit der Korallen und Mangrovewälder zeigt sich sehr wirksam. Von Landseen sind die Seen Seriang und Sumbah im obern Stromgebiete des Kapuas, südlich von dem Batang-Lupar-Gebirge, bemerkenswert.

Mineralreich. Von Mineralien kommen auf B. vor: Antimon, wovon aus der Landschaft Serawak jährlich 2500-3000 t ausgeführt werden; Eisen, hauptsächlich in der Landschaft Bandjermassin; Zinn, Zink, Silber und Kupfer; Alluvialgold beinahe überall, vornehmlich aber in Sambas an der Westküste, in Serawak und Bandjermassin, jährlich für etwa 3 Mill. M.; Diamanten in Bandjermassin, sowie besonders in Landak an der Westküste (die Ausbeute betrug 1880: 3012 Karat); Steinkohlen hauptsächlich in Bandjermassin, sowie in Brunei an der Nordküste. Salz kommt auf B. nicht vor und bildet einen der wichtigsten Einfuhrartikel, an der Süd-, Ost- und Westküste.

Pflanzenwelt. Erst in jüngerer Zeit sind die reichen Schätze der Flora genauer bekannt geworden, besonders durch Beccari. Der Palmenreichtum erreicht hier, besonders in den Rotanglianen, der das "Spanische Rohr" liefernden kletternden Rohrstämme (Calamus), eine sonst ungekannte Fülle, und diese Rotangpalmen machen bei der furchtbaren Bewehrung ihrer Blattscheiden, Rippen und Geißeln mit dornigen und hakenförmig gekrümmten Stacheln die Wälder unzugänglich. Bei der sehr niedrigen Stufe, auf welcher auf B. der Acker- und Gartenbau stehen, sind fast alle zur Ausfuhr kommenden Gegenstände aus dem Pflanzenreiche Erzeugnisse der Wälder. Die niederländ. Regierung ist fortwährend bemüht, den Anbau von Reis, Zuckerrohr, Indigo, Kaffee, Baumwolle, Pfeffer, sowie die Zucht von Kokos- und Sagopalmen, von Uncaria Gambir Roxb., der Mutterpflanze eines dem Katechu verwandten Stoffes von technischer Verwendung in der Färberei, auf B. zu höherer Entwicklung und weiterer Ausbreitung zu bringen.

Tierwelt. Die Fauna von B. ist im allgemeinen nicht weniger artenreich als die Flora und nur was Säugetiere betrifft ärmer als die von Sumatra und Java. Sie ist besonders reich an Arten von Affen, unter denen der Orang-Utang, ein Gibbon (Hylo-^[folgende Seite]