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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Boselaphus - Böfing

sagen zum Grundsatz macht, der Schwache dagegen wohl gern gut sein möchte, aber der Versuchung, dem Drange der Not u. s. w. unterliegt; daher der letztere jederzeit zur Reue bereit sein wird, der erstere nicht.

In dem unleugbaren Dasein des Bösen in der Welt liegt nun ein schwieriges, vielleicht unlösbares Problem für jede Ansicht, welche einen schlechthin guten und zugleich allmächtigen Willen als Weltursache annimmt. Man hat dann nur die Wahl, entweder die unbedingte Güte oder die unbedingte Macht des Welturhebers preiszugeben, oder endlich über die Thatsache der Existenz des Bösen sich irgendwie hinwegzusetzen. Den erstern Weg hat kaum jemand zu betreten gewagt, man müßte denn die (spinozistische) Ansicht von einer gegen die menschlichen Begriffe des Guten und Bösen überhaupt gleichgültigen letzten Ursache (für die natürlich das ganze Problem wegfällt) dahin rechnen. Die zweite Annahme führt notwendig auf die Einführung eines dem guten Princip von Ewigkeit her gegenüberstehenden bösen Princips (so im Parsismus und im Manichäismus), oder auch eines bloß trägen, passiven Stoffs, der die Verwirklichung des Guten bloß hemmt (so bei Plato und den Neuplatonikern). Die letztere Ansicht nähert sich bereits der dritten möglichen Lösung, nämlich der Leugnung der Realität des Bösen. So ist schon bei Plato das Böse eigentlich ein bloß Negatives; auch Leibniz nähert sich der Auffassung, daß, was uns aus unserm beschränkten Gesichtspunkt böse erscheint, an sich und für den, der das Ganze überschaute, in vollkommene Wohlordnung sich auflösen würde; eine Ansicht, in der man einen richtigen Kern sehr wohl anerkennen kann, obwohl sie in Gefahr ist, den Ernst des sittlichen Problems des Bösen zu verkennen, indem die Grenze nicht scharf genug gezogen wird zwischen dem sittlich Bösen und dem beliebigen Übel. Das ganze Problem ist natürlich ein transcendentes und verschwindet, wenn man sich nicht vermißt, über eine letzte Weltursache u. s. w. Spekulationen anzustellen. Übrigens ist es gewiß, daß unsere Begriffe von gut und böse, wie sehr auch auf einem letzten unbedingten Princip ruhend, doch in der Anwendung auf einen empirischen Stoff nicht mehr auf unbedingte Gültigkeit Anspruch haben, sodaß wenigstens für die Idee, daß auch, was aus wirklich bösem Willen gewollt war, zuletzt zum Guten ausschlagen könne und sogar müsse, Raum bleibt, womit dem Bedürfnis einer "sittlichen Weltordnung" genügt ist.

Boselaphus (grch.), s. Elenantilope.

Boselli, Paolo, ital. Staatsmann, geb. 18. Juni 1838 zu Savona, war seit 1870 als Abgeordneter seiner Heimat Mitglied des rechten Centrums. Seit 1888 als Coppinos Nachfolger Unterrichtsminister, war er bemüht, den höhern Schulunterricht zu reformieren. Er trat mit Crispi Febr. 1891 zurück, übernahm aber in dessen neuem Kabinett 13. Dez. 1893 das Ackerbauministerium, und bei der Neubildung des Kabinetts Juni 1894 die Finanzen. Außer einer Biographie des Marchese Lorenzo Pareto (s. d.) schrieb er: "Le droit maritime en Italie" (Tur. 1885) und "Discorsi e scritti vari" (Savona 1888).

Bösendorfer, Ignaz, Pianofortebauer, geb. 28. Juli 1796 zu Wien, gründete 1828 eine Fabrik, jetzt die bedeutendste in Österreich. Nach seinem Tode (14. April 1859) übernahm sein Sohn Ludwig die Fabrik, eröffnete auch 1872 einen Konzertsaal, in dem alle bedeutenden Klaviervirtuosen aufgetreten sind; auch ist er Direktionsmitglied des Konservatoriums für Musik in Wien.

Böser Blick, auch Böses Auge, Augenzauber, ein Aberglauben, nach dem gewisse Menschen mit dämonischen Mächten in Berührung stehen und die Kraft besitzen sollen, durch bloßes Anschauen andern Personen, besonders Kindern, aber auch Haustieren, ja selbst leblosen Gegenständen ähnlichen Schaden zuzufügen, wie er vermeintlich durch Behexen, Beschreien, Besprechen u. s. w. herbeigeführt wird. Bei den Griechen und Römern war der Glaube an die Wirksamkeit des B. B. allgemein. Ganze Familien, ja Völkerschaften, namentlich unter Scythen und Illyriern, sollten die unheimliche Gabe besitzen. Als ein Zeichen galten von jeher doppelte Pupillen, bei Frauen auch rotrandige und Triefaugen. Die Alten kannten zahlreiche Mittel (bei den Griechen probaskania, bei den Römern fascinum, s. d.), um vor der dämonischen Macht des B. B. zu schützen. Diese bestanden teils in gewissen Formeln und Handlungen (wie namentlich das Ausspucken), mit denen man dem gerade drohenden B. B. begegnete, teils in Amuletten (s. d.), die man sich, den Seinigen und dem Vieh, den Geräten, Häusern und Mauern anhing oder auch frei im bebauten Feld aufrichtete. Die Altertümersammlungen bewahren noch zahlreiche Schutzmittel in Gestalt von Arm-, Brust- und Halsbändern aus den verschiedensten Stoffen, die als Götterbildchen, kleine Halbmonde, Hände mit gespreizten Fingern, offenen Augen u. s. w. geformt sind. Bei den Römern galt der Phallus (s. d.) als sicherstes Amulett gegen jeden Schaden des Neides oder B. B. Noch gegenwärtig lebt die Furcht vor dem B. B. in fast allen Ländern Europas fort, ganz allgemein in Italien, namentlich im Neapolitanischen, wo er jettatura heißt. Man schützt sich vor ihm, wie im Altertum, durch Amulette, Formeln und Geberden. Zu letztern gehört die geballte Hand mit zwischen dem Zeige- und Mittelfinger hindurchgestecktem Daumen. Ebenso verbreitet ist die Furcht vor dem B. B. bei Albanesen und Neugriechen. Bei letztern heißt er Kakomati. Ganz ähnliche Vorstellungen herrschen unter Rumänen und Slawen, vorzüglich bei Serben, Russen und Polen. Sehr gefürchtet ist der B. B. (Ajinrah) bei den russ. und poln. sowie den orient. Juden. Mit den Arabern hat sich dieser Aberglaube auch über Nordafrika ausgedehnt. Im Orient schützt man sich vor dem B. B. oder Nassr durch Koransprüche, Mineralien und Pflanzen, die man als Amulette trägt. Allgemein verbreitet auch bei den german. Völkern ist der Glaube an den B. B. In England heißt er Evil eye, in Norwegen Skjœrtunge (von skerda schwinden machen). Die Thätigkeit des B. B. nennt der Bayer "verneiden", der Norddeutsche "verscheinen", der Böhme "übersehen".

Böser Friede, der zwischen der Schweiz und Österreich 1386 nach der Schlacht bei Sempach (s. d.) geschlossene Friede.

Böses Auge, s. Böser Blick.

Böses Meer, s. Tuamotu.

Böses Wesen, s. Epilepsie.

Bosheit, s. Böse.

Bösing, auch Pösing, magyar. Bazin, Stadt mit geordnetem Magistrate im ungar. Komitat Preßburg, im Waagthale (155 m), an der Linie Preßburg-Sillein der Ungar. Staatsbahnen, mit Mauern und Türmen umgeben, ist Standort der 6. Eskadron des 6. ungar. Husarenregiments, hat (1880) 4507 deutsche und slowak. E., Post, Telegraph, ein