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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bosio - Bosniaken

gräfl. Pálffysches Schloß, Kapuzinerkloster, Staats-Lehrerseminar, Kleinindustrie, Salpetersiederei, eine Papiermühle, Weinbau, in der Nähe Erzlager von Gold und Silber sowie Schwefelkiesgruben, die das Material für die benachbarte Schwefelsäurefabrik liefern, und ist ein ziemlich besuchtes Heilbad (kalter Eisensäuerling).

Bosio, Ferdinando, ital. Schriftsteller, geb. im April 1829 zu Alba in Piemont, studierte zu Turin Philologie und Litteratur, wirkte darauf mehrere Jahre als Lehrer der Rhetorik und Litteratur an den Lyceen von Alba, Alessandria, Ivrea, Casale, Turin und Genua, bis ihn 1867 sein Mitbürger Coppino, Minister des Unterrichts, zum Direktor seines Kabinetts ernannte, welche Stelle er auch im Ministerium Broglio und 1876 und 1878 wieder unter Coppino bekleidete. Er starb 16. Okt. 1881 in Alba. Von seinen zahlreichen feinstilisierten Werken sind zu erwähnen: "Amalia, Tecla e Camilla", Roman (Tur. 1856), "Il fanale di un onest' uomo" (ebd. 1858), "La figlia del calzolajo" (ebd. 1860), "Storia popolare dei papi" (ebd. 1861, seither mehrere Auflagen), "Il marchese di Villamarina" (ebd. 1864; 2. Aufl. 1873), "F. D. Guerrazzi e le sue opere" (Livorno 1865), "Il popolano arrichito" (Mail. 1876 u. ö.), "Ricordi personali" (ebd. 1878). 1874 erschien eine Auswahl ("Parce sepultis") seiner Gedichte ("Le fantasie orientali", 1853) zu Pinerola, eine Auswahl seiner Erzählungen ("Scene e raconti domestichi") zu Rom; dazu kommt "La Democrazia“, ein Gedicht. B. ist Mitbegründer der Zeitschrift "Il Dritto".

Bosio, Francois Joseph, Baron, franz. Bildhauer, geb. 19. März 1769 zu Monaco, studierte zu Paris unter Pajou, stand aber später unter dem Einfluß Canovas. Er begründete seinen Ruf durch die Arbeiten, die er für die Vendômesäule ausführte. Schon unter Napoleon I. mehrfach ausgezeichnet, wurde er von Ludwig XVIII. zum Hofbildhauer und von Karl X. zum Baron erhoben. Im Louvre befinden sich von ihm die Marmorwerke: der von der Wurfscheibe getroffene Jüngling Hyakinthos, der Gartengott Aristeus (1817) und die aus dem Bade steigende Nymphe Salmakis (1824). Ferner schuf er einen Pfeile werfenden Amor, Herakles den Achelous bekämpfend (Bronze; im Tuileriengarten). In der Napoleonischen Zeit fertigte er zahlreiche Büsten von Mitgliedern der Familie Bonaparte. Zu den namhaften Skulpturen, die nach seinen Modellen in Bronze gegossen wurden, gehören: die Reiterstatue Ludwigs XIV. auf der Place des Victoires in Paris (1822), die Figuren und Basreliefs am Grabmal der Gräfin Demidow auf dem Friedhofe des Père-Lachaise (1830); ferner die Marmorstatue des Herzogs von Enghien (1817), die marmorne Porträtstatue Heinrichs IV. als jungen Prinzen, von der das Museum des Louvre einen Silberabguß besitzt. Zu erwähnen ist auch die in Boulogne-sur-Mer aufgestellte Kolossalstatue Napoleons im Kaiserornat. Anmut der Formen, stilgemäße, aber kalte Nachahmung der Antike, zarte und sorgsame Ausführung sind die Vorzüge von B.s Werken. Er starb als Direktor der Akademie der schönen Künste 29. Juli 1845 zu Paris.

Boskett (frz. bosquet), eine Gruppe von Bäumen und Sträuchern in Park- und Gartenanlagen, Lustwäldchen u. s. w.

Boskowitz. 1) Bezirkshauptmannschaft in Mähren, hat 850,34 qkm, (1890) 81 446 (38 848 männl., 42 598 weibl.) E., darunter 5299 Evangelische, 72 161 Katholiken und 1788 Israeliten; 11 481 Häuser, 16 907 Wohnparteien in 154 Gemeinden mit 179 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Blansko, B. und Kunstadt. - 2) B., czech. Boskovice, Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft B., an der zur Zwittawa gehenden Biela und der Linie Wien-Brunn-Prag-Bodenbach der Österr.-Ungar. Staatsbahnen, ist Sitz eines Bezirksgerichts (263 qkm, 44 Gemeinden, 51 Ortschaften, 26 893 E.) und eine der ältesten Städte des Landes, hat (1890) mit der 1105 Personen zählenden Israelitengemeinde 5814 meist czech. E. Die Burg, deren malerische Reste auf der Höhe über der Stadt liegen, gilt als Stammsitz eines der berühmtesten mähr. Geschlechter. Unterhalb des alten Schlosses steht das neue Schloß des Grafen Mensdorff-Pouilly, 1826 erbaut mit geschmackvollen Gartenanlagen und Bildern aus dem Türkenkriege 1683, von niederländ. Meistern auf Pergament mit Goldgrund gemalt. Unter den Gebäuden der Stadt sind das alte Rathaus, die im Spitzbogenstil erbaute Pfarrkirche mit Grabdenkmälern und die Synagoge, die einer der ältesten Israelitengemeinden im Lande angehört, bemerkenswert. B. hat bedeutende Schafwoll- und Baumwollindustrie, Gerberei, Töpferei, Braunkohlengruben, betreibt lebhaften Handel und in großem Umfange den Anbau der Kardendistel.

Bosna, rechtsseitiger Nebenfluß der Save in Bosnien, entsteht durch Vereinigung mehrerer Sprudelquellen im Karstboden am Fuße des Igmangebirges westlich von Serajewo, nahe bei Ilidze und durchfließt das Feld (Polje) von Serajewo. Den größten Teil seines Laufs bewegt sich der Fluß durch bewaldete Engen, die sich bei Modrić zu einem offenen Thale erweitern, das jährlich im Frühjahre überflutet wird. Der Fluß nimmt gleich bei seinem Ursprunge rechts die Zeljeznica und Miljačka, an welcher Serajewo liegt, auf. Seine weitern Zuflüsse sind rechts die Krivaja und bei Doboj die Spreča, links bei Visoko die Dragača, dann die Lašva und bei Doboj die Usora. Die Tiefe wechselt zwischen 0,62 und 1,6 m; zwischen Zenica und Vranduk bildet er starke Stromschnellen, wird erst von Maglaj an für kleine Fahrzeuge schiffbar und mündet bei Bosnisch-Schamatz in die Save.

Bosna-Eisenbahn, die nach dem Einmarsch der österr. Truppen in Bosnien zwecks Herbeischaffung der erforderlichen Heeresbedürfnisse in schmaler Spur (0,76 m) erbaute Bahn, auf der Strecke Brod-Žepče (145 km) im April, bis Zenica (45 km) im Juli 1879 eröffnet und demnächst bis zur Hauptstadt Serajewo (72 km) verlängert. Die ursprünglich nur als Schleppbahn gedachte Linie ist bald nach ihrer Vollendung dem allgemeinen Verkehr freigegeben worden, steht aber noch jetzt unter militär. Verwaltung durch die Direktion in Serajewo. Sie hatte 1889 über 20 Lokomotiven, 101 Personen-, 385 Lastwagen und beförderte 198 978 Reisende und 109 313 t Frachten. Die Betriebsausgaben betrugen 54,73 Proz. der Betriebseinnahmen (509 129 Fl.); als Betriebsüberschuß verblieben 421 067 Fl., d. i. 3,6 Proz. des Anlagekapitals.

Bosna-Serai, s. Serajewo.

Bosniaken (serb. Bošnjaci), die Bewohner von Bosnien (s. d.). Dann nannte man B. poln. Reiter, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrh. neben den Ulanen (s. d.) vorkamen, sowie preuß. Lanzenreiter