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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bosnien

slaw. oder orient. Herkunft, welche 1745 als besondere Abteilung bei dem Husarenregiment von Ruesch eingestellt wurden. Das Bosniakenkorps, das Husarenuniform trug, war damals die einzige mit Lanzen bewaffnete Truppe des preuß. Heers, machte den Siebenjährigen Krieg mit und wurde während desselben bis auf 10 Schwadronen mit zusammen 1000 Mann vermehrt, zeichnete sich im Bayrischen Erbfolgekriege sowie bei den Kämpfen in Polen hervorragend aus, wurde 1796 durch Zuteilung eines Tatarenpulks, der aus vormals poln. Soldaten bestand, abermals verstärkt, jedoch 1800 in ein Towarczysregiment umgewandelt, weil man den Ersatz durch Werbung unter dem poln. Adel zu bewirken wünschte. Vgl. von Dziengel, Geschichte des 2. Ulanenregiments (Potsd. 1858). Eine Schwadron B. wird 1809 beim dän. Husarenregiment erwähnt.

Bosnien (Bosna), mit der Herzegowina nominell das nordwestlichste Wilajet (Provinz) des Osmanischen Reichs in Europa, in der That aber auf Grund des Art. 25 des Berliner Vertrags vom 13. Juli 1878 seit Aug. 1878 von Österreich-Ungarn militärisch besetzt und mit Ausnahme des Sandschaks Novipazar, in dem nur Priboj, Prjepolje und Plevlje österr.-ungar. Garnisonen haben, verwaltet. B. umfaßt außer dem eigentlichen B. Türkisch-Kroatien oder die Krajina, die Landschaft Herzegowina und das alte Rascien (Sandschak Novipazar) und grenzt im N. und NW. an Slawonien und Kroatien, im O. an Serbien, im S. an das Wilajet Prizren (Albanien) und an Montenegro, im S. und SW. an Dalmatien. Der Flächeninhalt beträgt ohne Novipazar (7350 qkm) 51 100,08 qkm, darunter etwa 28 900 qkm Wald. Hierzu Karte: Bosnien, Dalmatien, Istrien, Kroatien und Slawonien.

Oberflächengestaltung. Mit Ausnahme des nördlichen, an der Save sich hinziehenden Strichs, der Posavina, ist das Land durchaus gebirgig und von mehr oder weniger hohen Bergketten durchsetzt, deren höchste Gipfel in den Ausläufern der Dinarischen Alpen die Treskavica (2128 m) und Bjelašnica (2067 m), beide südwestlich von Serajewo, ferner die Vranica Planina, die Zec Planina (1983 m), die Lelja Planina (2070 m) und Volujak mit dem Maglić (2390 m) sind. Die Hauptgebirgszüge in dem nördl. Teile streichen von SÖ. nach NW., haben langgestreckte waldbedeckte Rückenformen und fruchtbare Thäler, die nur teilweise bebaut sind. Hingegen haben die Gebirge im südl. Teile Karstcharakter, scharfe Profile, felsige Zacken und kraterförmige Kesselthäler, deren meist langgestreckte Sohlen zur Regenzeit mit Wasser angefüllt sind, im Sommer austrocknen und sich in tiefe Risse spalten. Die Randgebirge dieser Kessel (polje) erheben sich oft 7-900 m über dieselben und sind kahle, zerklüftete Kalkfelsen. Wald kommt hier nicht vor, nur spärliches Gestrüpp. Die meist steinigen Thalkessel enthalten zumeist Weideland und nur wenige angebaute Stellen. Dagegen sind aber die Bergabhänge im nördl. Teil größtenteils dicht mit Waldungen bedeckt, die an manchen Stellen den Charakter des Urwaldes tragen, durch Buchen, Fichten, Weißbirken, Erlen, Hainbuchen und Ahorn einen fast ganz mitteleurop. Grundton zeigen. In den niedern Regionen verraten Zerreiche und Hopfenbuche neben der behaarten Steineiche einen östl. (pontischen) Charakter. Häufig sind Gebüsche vom Perückenstrauche. In der Höhe über 1600 m hört der Baumwuchs in der Regel auf und wird durch eine üppige Vegetation alpiner Kräuter ersetzt, die in den schneefreien Monaten Juni bis September der Viehzucht sehr zu statten kommt, sehr fruchtbar ist das untere Narentathal sowie im N. die Posavina (Land längs der Save).

Gewässer. Der Hauptfluß des Landes ist die Save, welche die Nordgrenze gegen Slawonien bildet und die durch ihre Schiffbarkeit für Kähne und Dampfer zugleich dem Handelsverkehr als Hauptstraße dient; ihr fließen die Una, der Vrbas, die Uirina, Bosna und Drina zu, welche im untern Laufe mit Flößen und kleinen Schiffen befahren werden. Südbosnien und die Herzegowina bewässert das Flußgebiet der Narenta.

Klima. Das Klima ist sehr ungleichmäßig, in der Herzegowina (Mostar) schwankt die Temperatur zwischen -7,4° °C. und 41,1° C. Das Mittel beträgt 15,9° C. In Serajewo schwankt dieselbe zwischen -18,9° C. und 34,9° C., im Mittel 9,2° C., in Travnik 9,5, in Dolnja Tuzla 9,8° C. Die Winter sind kalt (-1,0° C.), die Sommer heiß (19° C.), doch ist im allgemeinen die Luft gesund.

Mineralreich. Besonders reich sind die Gebirge an metallischen Schätzen. In den Distrikten Fojnica, Kresevo und Vares sind Brauneisenstein, an andern Lagerstätten antimonhaltiges Fahlerz und Zinnober die nennenswertesten Objekte des Bergbaues, der bereits zu Römerzeiten, jedoch erst seit der Occupation durch eine österr. Gewerkschaft "Bosnia" planmäßig betrieben wird. Salz wird bei Dolnja Tuzla und Siminhan gewonnen, und mächtige Kohlenlager, teilweise zu Tage liegend, kommen sehr häufig vor und werden bei Kreka und Zenica auch ausgebeutet. Warme und andere Heilquellen finden sich bei Ilidže westlich von Serajewo, Kiseljak, Banjaluka, Vanja und Novipazar.

Land- und Forstwirtschaft. Der Ackerbau blüht nur in den Thälern und Niederungen, namentlich in der Posavina; da der Landmann früher nur das Land seines Gutsherrn bebaute, so arbeitete er nur so viel, daß er sich dürftig ernähren konnte. Von Cerealien bilden Mais und Weizen die überwiegende Nahrung; außerdem werden Gerste, Hafer, wenig Roggen, Hirse, Buchweizen, Hanf, Gemüse gebaut, in der Herzegowina auch Reis, vorzüglicher Tabak, besonders im Becken von Trebinje und im untern Narentathal. Fischreich sind besonders Bosna und Narenta. Der Wildstand hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr vermindert und im Zusammenhange damit der sonst berühmte Handel mit Fellen und Pelzen. Nicht selten, besonders in den nördl. Provinzen, sind Wölfe; Bären finden sich hauptsächlich im Süden, vor allem im Bezirk Serajewo. Der Holzreichtum des Landes ist unerschöpflich; eine planmäßige Bewirtschaftung der Waldungen wird erst jetzt angestrebt. Der wichtigste Erwerbszweig ist die Obstzucht, namentlich werden Zwetschen erzeugt und gedörrt jährlich in großen Massen ausgeführt. In den Niederungen kommen große Eichenwaldungen der Schweinemast zu statten. Sonst werden vornehmlich Schafe, Ziegen und Federvieh gezüchtet, weniger Rindvieh und Pferde. Ersteres ist in der Rasse arg vernachlässigt und durch die sehr häufig auftretende Viehseuche auch an regelmäßiger Vermehrung gehindert. Von letztern werden fast nur Tragtiere kleinen unansehnlichen Schlags gezüchtet, die an Ausdauer, Findigkeit und Genügsamkeit Außerordentliches leisten. In der